Düsseldorf: Den Drachen spielt in der Rheinoper ein Dampf-Pflug

Düsseldorf: Den Drachen spielt in der Rheinoper ein Dampf-Pflug

Das Team der bevorstehenden "Siegfried"-Premiere gab Einblicke in die Produktion.

Wenn Ihnen ein Opernabend mit Wagner irgendwie ein Angang ist, weil's ja - so schön es ist - oft auch lang wird, dann denken Sie vielleicht beim nächsten Mal an Felix. Er ist der Sohn des Düsseldorfer Generalmusikdirektors Axel Kober, und als der Junge vier Jahre alt war, sah er erstmals in der Oper das "Rheingold". Während des Schlussapplauses habe sich der Sohn an die Mutter gewandt, berichtet Kober schmunzelnd: "So Mama, jetzt ist Pause, dann kommt ,Siegfried'." Da frage man sich, fügt er hinzu, warum man Kindern immer die "Zauberflöte" zeige; immerhin biete "Siegfried" vieles von dem, was Kinder spannend finden, Helden und Drachen. Allerdings gibt es hausintern auch andere Meinungen: Die Oper jedenfalls gibt als Altersempfehlung für den (fünfstündigen) "Siegfried"-Abend auf ihrer Internetseite 16 Jahre an.

Die Anekdote war Teil eines Gesprächsabends, der wenige Wochen vor der Düsseldorfer Premiere des "Siegfried" (7. April) viele Beteiligte im Heine-Haus zusammenbrachte. Mit Kober am Tisch saßen etwa Regisseur Dietrich W. Hilsdorf (nach einer sechsstündigen Probe), Bühnenbildner Dieter Richter, Kostümbildnerin Renate Schmitzer und Dramaturg Bernhard F. Loges. Eingeladen hatten sie auch Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch. Der hat das Wagner-Buch "Weibes Wonne und Wert" geschrieben, und so wurde mächtig miteinander debattiert. Über die Komik des "Siegfried" beispielsweise (klar vorhanden), die Frage, ob in einer Komödie jemand sterben darf (offenbar ja) - und die Frauen bei Wagner. Hörisch attestiert dem Komponisten, er habe den weiblichen Tiefsinn geschätzt, Hilsdorf findet Wagners Frauenbild schlicht "zum Kotzen".

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"Siegfried" ist der dritte Teil von Wagners "Ring"-Tetralogie, an sich ist man also schon in der zweiten Hälfte, analysiert Hilsdorf: "Wobei die Stücke länger und schwieriger werden. Also kommt jetzt die größere Hälfte." Zumal der Regisseur auf eine nicht eben kraftsparende Methode setzt, mit seinem Ensemble bei jeder Probe das Stück hinterfragt, durchforstet: "Die Oper ist gerade ein Institut zur Erforschung des ,Ring'", sagt er. Was herauskommt, wird erst bei der (ausverkauften) Premiere zu erfahren sein. Ein Detail verriet Hilsdorf aber: Der "Fafner" - der Drache, den Siegfried tötet - wird kein furchterregender Lindwurm sein, sondern ein Dampf-Pflug. Der Regisseur hat ihn in einem Museum gefunden, Bühnenbildner Richter hat ihn nachgebaut. Und wie soll man so einen erlegen? Hilsdorf: "Das müssen wir sehen. Wir proben das morgen."

Mehr Termine: 22. und 29. April; 6. und 10. Mai, Tickets: 0211- 89 25 211.

(RP)
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