Demo in Düsseldorf: Zehntausende Kurden demonstrieren gegen IS

Großkundgebung in Düsseldorf : 20.000 Kurden demonstrieren vor dem Landtag

Über 20.000 Kurden hatten sich am Nachmittag vor dem Düsseldorfer Landtag zu einer Kundgebung versammelt, um gegen die Terrormiliz IS zu demonstrieren. Das sind doppelt so viele wie erwartet.

Um 12 Uhr haben sich die Kurden von der Rheinwiese in Oberkassel auf den Weg über die Oberkasseler Rheinbrücke in die Innenstadt gemacht, um für die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angegriffene syrisch-kurdische Stadt Kobane zu demonstrieren. Gegen 14 versammelten sie sich dann zu einer Abschlusskundgebung auf einer Wiese vor dem Landtag. Auf Transparenten und in Sprechchören fordern sie "Freiheit für Kobane" und "Stoppt das Massaker in Kobane". Die Ortschaft an der Grenze zur Türkei wird seit Tagen von der Miliz belagert, ihr Fall wird befürchtet.

Die Polizei beziffert die Zahl der Teilnehmer auf 21.000, die Veranstalter sprechen gar von 25.000 Menschen. Erwartet wurden bis zu 12.000. "In der Innenstadt gab es nochmal ordentlich Zulauf", sagte ein Sprecher der Polizei. Demnach verlief die Demonstration bislang friedlich. Gegen Nachmittag verteilten sich die Demonstranten in der Innenstadt und Richtung Hauptbahnhof, um den Heimweg anzutreten. Die Kundgebung vor dem Landtag mit zahlreichen Redebeiträgen dauert noch bis etwa 18 Uhr an.

Kniebrücke voll gesperrt

Von der Polizei werden weiter Verkehrsstörungen rund um das Demonstrationsgeschehen erwartet. Es kann zu vorübergehenden Sperrmaßnahmen kommen. So wurde beispielsweise die Luegallee stadteinwärts gesperrt. Dort kommt es zu Staus. Die Kniebrücke am Landtag ist voll gesperrt. Auch auf der Südbrücke kommt es wegen Asphaltarbeiten momentan zu Engpässen.

Veranstalter der Demonstration ist das "Demokratische Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland - NAV-DEM". Die Kurden wollen auf das Schicksal ihres Volkes hinweisen, das durch den Kampf gegen die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) in den letzten Wochen unzählige Todesopfer zu beklagen hatte und von Deutschland deutlich mehr Hilfe, vor allem Waffen, fordert. Sie fordern zudem die Freilassung des in der Türkei inhaftierten PKK-Chefs Abdullah Öcalan. Sein Gesicht ist auf zahlreichen Flaggen zu sehen, die hochgehalten werden. Die PKK ("Arbeiterpartei Kurdistans") ist auch in Deutschland verboten. Auch linke Gruppen wie die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) sind vor Ort und verteilen Flugblätter an die Teilnehmer.

Zusammenstöße mit Salafisten befürchtet

Nach verschiedenen Medienberichten gehen die Behörden davon aus, dass derzeit in ganz Deutschland "reisende Salafisten" unterwegs sind, die gezielt bei kurdischen Demonstrationen als Provokateure auftreten. Daher setzt die Polizei in Düsseldorf mehrere Hundertschaften ein, die Präsenz zeigen sollen. In keinem anderen Bundesland wie NRW leben gleichzeitig so viele Islamisten und Kurden. Wegen des IS-Terrors gehen beide Seiten vermehrt aufeinander los. Auch in anderen großen deutschen Städten wie Berlin und Hamburg kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte dazu der "Neuen Westfälischen": "Ich teile die Sorgen und Ängste der Menschen um Verwandte und Freunde in den Kriegsgebieten. Diese Sorge rechtfertigt aber keine Gewalt in Deutschland. Gewalt auf deutschen Straßen hilft den Kriegsopfern nicht." Auch der Bundesinnenminister Thomas de Maiziere habe Verständnis dafür, dass Menschen aufgewühlt seien, sich Sorgen machten und ihre Meinung auch in friedlichen Demonstrationen kundtäten, sagte er dem Magazin "Focus" in einem Interview. Der CDU-Politiker warnte allerdings: "Mein Verständnis endet abrupt bei denjenigen, die die Demonstrationen missbrauchen, um Gewalt auf unsere Straßen zu tragen." Die Täter müssten mit der vollen Härte des Rechtsstaates rechnen.

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(met)