Hauptversammlung des Kranbauers: Demag: Kaufen statt gekauft werden

Hauptversammlung des Kranbauers : Demag: Kaufen statt gekauft werden

Auf der Hauptversammlung von Demag Cranes hat Konzernchef Aloysius Rauen auf die Eigenständigkeit des Düsseldorfer Kranbauers gepocht. Übernahmegespräche mit Konkurrent Konecranes hatte er zuvor abgelehnt. Einige Aktionäre kritisierten Rauens Alleingang.

Aloysius Rauen, Vorstandschef des Düsseldorfer Kranbauers Demag Cranes, wollte auf der Hauptversammlung seinen Erfolg zeigen. Demag ist nicht in die Hände eines Konkurrenten gefallen, lautete seine Botschaft. Im November hatte der finnische Kranhersteller Konecranes versucht, nach der Macht bei Demag zu greifen. Vorstand und Aufsichtsrat der Düsseldorfer hatten aber einen Zusammenschluss mit Konecranes kategorisch abgelehnt. Was die Belegschaft freute (bei einer Fusion wären Hunderte Jobs in Deutschland in Gefahr), ärgerte einige Aktionäre.

Aloysius musste sich kritische Fragen einiger Aktionärsvertreter gefallen lassen. "Warum hat es keine weiteren Gespräche gegeben? Darüber hätten wir Aktionäre zu entscheiden gehabt", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Wir haben die Chancen und Risiken einer solchen Transaktion im Einzelnen geprüft, auch mit externer Hilfe", sagte Rauen dazu. Der Vorstand sei zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammengehen für Demag keinen Nutzen habe und weder im Interesse der Aktionäre noch der Mitarbeiter sei. Der seit knapp einem Jahr mit rund zehn Prozent beteiligte Finanzinvestor Cevian — dessen Deutschland-Chef Jens Tischendorf seit Oktober im Demag-Aufsichtsrat sitzt — unterstütze das Management. "Cevian ist mit der Entwicklung und eingeschlagenen Strategie des Vorstands einverstanden", sagte Rauen. Der Vorstandschef deutete ebenfalls an, dass es noch einen weitere Interessenten an einer Demag-Übernahme gebe. "Zwei ausländische Unternehmen, darunter Konecranes aus Finnland, sind mit Vorstellungen an uns herangetreten, die darauf gerichtet waren, unser Unternehmen zu übernehmen." Wer der zweite Bieter war, sagte Rauen nicht. Seit Monaten geht aber das Gerücht um, es handele sich um den US-Baumaschinenhersteller Terex.

Eine andere Andeutung des Vorstandschefs lässt darauf schließen, dass es nicht nur der bloße Wille zur Selbstständigkeit war, der eine Fusion scheitern ließ. So sagte Rauen, die Angebote seien nicht attraktiv gewesen, "ganz abgesehen von den Preisindikatoren". Aktionärsvertreter forderten Rauen daher auf, den "fairen Preis" für Demag zu nennen, was der Vorstandschef erwartungsgemäß ablehnte.

Rauen bekräftigte, lieber selbst zukaufen zu wollen, als gekauft zu werden. Ein erster Schritt dazu sei die Absichtserklärung mit dem chinesischen Kranbauer Weihua. Die Verhandlungen sind im Gange.

Die Geschäfte laufen für Demag derzeit unerwartet gut, so dass Konzernchef Rauen sogar in Aussicht stellte, die Ziele für das seit Oktober laufende Geschäftsjahr nach oben zu schrauben. Bislang ist geplant, den Umsatz auf 970 Millionen bis eine Milliarde Euro zu steigern. Im Vorjahr lag er bei 931 Millionen Euro. Die angezogene Nachfrage nach Industrie- und Hafenkränen hatte sich bei Demag bereits zum Jahresauftakt bemerkbar gemacht. Die Aufträge legten um 54 Prozent auf 284 Millionen Euro zu. Bei einem Umsatzplus von fast elf Prozent auf 231 Millionen stieg der operative Gewinn um 36 Prozent auf 12,5 Millionen Euro. Netto verdienten die Kranbauer 6,9 Millionen Euro, nach 4,4 Millionen im Vorjahr.

Der Vorstand schlug der Hauptversammlung eine Dividende von 60 Cent je Aktie vor. Das entspricht 42 Prozent des Gewinns. Im Vorjahr hatte Demag keine Dividende gezahlt. Einigen Aktionären waren 60 Cent zu wenig. "Die Ausschüttung bewegt sich allenfalls am unteren Ende der Vorstellungen", kritisierte Jürgen Erdmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

(RP)