Serie Kriminaltechnik: Dem Motorraddieb auf der Spur

Serie Kriminaltechnik : Dem Motorraddieb auf der Spur

Ein Werkzeug ist nicht bloß ein Werkzeug. Es ist dafür gemacht, auf andere Gegenstände einzuwirken – und dabei hinterlässt es unverwechselbare Kennzeichen. Kriminaltechniker können die erkennen. Und was sie nicht erkennen, können sie wieder sichtbar machen.

Ein Werkzeug ist nicht bloß ein Werkzeug. Es ist dafür gemacht, auf andere Gegenstände einzuwirken — und dabei hinterlässt es unverwechselbare Kennzeichen. Kriminaltechniker können die erkennen. Und was sie nicht erkennen, können sie wieder sichtbar machen.

Als kürzlich die Ermittlungskommission KfZ in einem Abbruchhaus in Essen 15 gestohlene Navigationssysteme sicherstellte, war es kein Problem herauszufinden, wem sie wann und wo aus welchem Auto gestohlen worden waren. "Wir lassen keinen Anzeigeerstatter wieder gehen, bevor er uns nicht die Gerätenummer gesagt hat", sagt Jürgen Franke, Chef des Kommissariats, das ausschließlich für Diebstahl aus Fahrzeugen und gestohlene Fahrzeuge zuständig ist.

Ginge es nach den Experten in der Kriminaltechnik, sollte man auch die Besitzer gestohlener Fahrräder drängen, sich die Nummern zu notieren, die jeder Hersteller ins Fahrrad einprägt. Während die Verkäufer von Navigationssystemen längst ihren Beitrag zur Diebstahlprävention leisten, indem sie die Seriennummern mit den Kaufpapieren dokumentieren, kümmern sich bloß die wenigsten Fahrradhändler darum. Dann kann passieren, dass Andreas Fritsch und seine Kollegen in der KTU (Kriminaltechnische Untersuchungsstelle) im Polizeipräsidium in stundenlanger Feinarbeit wieder sichtbar gemacht haben, was der Dieb weggefeilt hat — "und dann ist der Besitzer nicht auffindbar, weil die Nummer nicht hinterlegt ist", sagt Fritsch.

Die Sache selbst ist keine Hexerei. Obwohl's so aussieht. Eine giftgrüne Flüssigkeit — ein ätzendes Säuregemisch — wird so lange über die abgefeilte Metallstelle gestrichen, bis die Zahlen wieder lesbar werden. Das geht sogar, wenn die Diebe über die alte eine neue Nummer eingeprägt haben. "Das liegt an der Struktur des Metalls", erklärt der Kriminaltechniker die chemische Reaktion, mit der die Polizei zum Beispiel nachweisen kann, ob das Fahrrad, mit dem ein kürzlich festgenommener Dieb unterwegs war, nicht vielleicht auch gestohlen war. "Falls der Besitzer die Hersteller-Nummer notiert hat."

Im Fall, den Harald Müller und Thorsten Großhanten gerade untersuchen, geht es mehr darum, einen Gegenstand mit einem Dieb in Verbindung zu bringen: Nach der Festnahme von vier 18 und 21 Jahre alten Männern, die einen Motorroller gestohlen hatten, war in unmittelbarer Nähe ein Motorrad mit kaputtem Schloss gefunden worden. Das war mit derselben Methode geknackt worden, wie das des Rollers, stellen die Polizisten schnell fest. Ob aber auch dasselbe Werkzeug im Spiel war, muss das LKA herausfinden. Dort sind die besseren Geräte und eine ganze Sammlung von sichergestellten Werkzeugspuren.

Im Fernsehen würde jetzt das ganze Moped nach DNA untersucht. Im Leben der Polizisten nicht. Die Wahrscheinlichkeit, eine unbeschädigte, brauchbare Spur zu finden, ist viel zu gering. Und dann haben sie es hier schließlich nur mit einem wieder gefundenen Motorrad zu tun. Und nicht mit einem Schwerverbrechen.

(RP)
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