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Düsseldorf: Debatte um die wachsende Stadt

Düsseldorf : Debatte um die wachsende Stadt

In einem waren sich im Stadtrat fast alle einig: Dass immer mehr Menschen nach Düsseldorf drängen – neuen Prognosen zufolge steigt die Bevölkerung bis 2030 um 60.000 Einwohner – spricht für die Attraktivität der Stadt. Ansonsten gingen die Meinungen weit auseinander.

In einem waren sich im Stadtrat fast alle einig: Dass immer mehr Menschen nach Düsseldorf drängen — neuen Prognosen zufolge steigt die Bevölkerung bis 2030 um 60.000 Einwohner — spricht für die Attraktivität der Stadt. Ansonsten gingen die Meinungen weit auseinander.

Trifft zu, was die Landesstatistiker für Düsseldorf errechnet haben, steht die Stadt in den nächsten Jahrzehnten vor großen Herausforderungen: Laut der Prognose wird die Bevölkerung in sämtlichen Nachbarstädten schrumpfen, in Düsseldorf hingegen viel schneller wachsen als bisher angenommen.

Im Jahr 2030 sollen demnach 645.000 Bürger in der Landeshauptstadt leben — das wären 60 000 mehr als heute. Zugleich ist die Flächenreserve für Wohnbebauung mit stadtweit 185,9 Hektar äußerst begrenzt. Die Folgen sind jetzt schon klar: Der Verkehr wird zunehmen, der Wohnraum wird immer knapper, die Mieten werden weiter steigen.

"Nicht mehr zeitgemäß"

Im Stadtrat war sich die Politik gestern zwar einig, dass diese Sogwirkung von Düsseldorf für die hohe Attraktivität der Stadt spricht. Doch wie man mit dem Wachstum und den Folgen umgehen soll, wurde äußerst kontrovers diskutiert. Auslöser waren Anträge von SPD und Grünen.

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Darin forderten sie, das "Stadtentwicklungskonzept 2020+" den aktuellen Prognosen anzupassen und dafür zu sorgen, dass auch für sozial Schwache ausreichend bezahlbarer Wohnraum garantiert ist. "Das Stadtentwicklungskonzept ist nicht mehr zeitgemäß, obwohl es seinerzeit schon auf Wachstum ausgerichtet war", so SPD-Fraktionschef Markus Raub. "In Düsseldorf müssen alle wohnen können, die das wollen."

Alexander Fils (CDU), Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses, betonte erneut, dass es kein Wachstum um jeden Preis geben dürfe. Maximal 40 000 zusätzliche Bürger seien in besagtem Zeitraum verkraftbar: "Was nicht geht, das geht nicht." "Wir sind eine wachsende Stadt, man muss aber auch mal zur Kenntnis nehmen, wenn der Eimer voll ist", sagte Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Es sei besser, den Innenbereich zu entwickeln, statt am grünen Stadtrand zusätzliche Bauflächen auszuweisen.

Norbert Czerwinski (Grüne) sagte, man dürfe Wachstum nicht fördern, sondern müsse es gestalten. Der Union warf er vor, nur im Norden der Stadt nicht bauen zu wollen und somit Stadtteile gegeneinander auszuspielen.

FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus betonte, dass keine weiteren Grünflächen in Erholungsgebieten — ob in Wittlaer oder Unterbach — ausgewiesen werden dürften. Schließlich mache gerade das auch die Attraktivität Düsseldorfs aus. "Kämpfen Sie mit uns, dass die Grünflächen erhalten bleiben", appellierte er an die Grünen.

Zudem solle das Thema nach der Sommerpause in den jeweiligen Fachausschüssen diskutiert werden. "Niemand will pro Tag 50 000 Autos mehr in der Stadt haben", so Neuenhaus. Dafür müssten Lösungen her. Um Pendler auf die Schiene zu bringen, sei ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs in die Region notwendig. Ein erster richtiger Schritt sei der geplante Bau der Stadtbahn-Linie U 8.

Beim Thema bezahlbarer Wohnraum kochten die Emotionen endgültig hoch. Fils verwies auf die städtische Wohnungsgenossenschaft, die auch günstige Wohnungen entwickle, und warf der SPD vor, immer noch von "Neue Heimat, Platte und Waschbeton" der 70er Jahre zu träumen. Staatswirtschaft sei immer schlecht für Wohnbau gewesen. "Kommen Sie an in einer Welt, die etwas moderner ist, statt alles dem Markt zu überlassen", konterte Gudrun Hock (SPD). "Eine monokulturelle Stadt macht arm und fantasielos."

(RP)