Düsseldorf: Data Becker - das Ende einer Institution

Düsseldorf: Data Becker - das Ende einer Institution

Das Unternehmen Data Becker schließt nächstes Jahr. Bis in die Neunziger Jahre war das Düsseldorfer Unternehmen mit Anwendungen, Nachschlagewerken und Magazinen erfolgreich. Doch richtig innovativ war man in Bilk nie.

Zu den erfolgreichsten Produkten von Data Becker gehört die "Goldene Serie". Das sind Programme mit vielversprechenden Titeln wie "Mein Gedächtnistrainer" und "Der Ahnenforscher", es gibt Anwendungen für Menschen, die ihren Garten am PC planen, Einladungen drucken oder ihre Wohnung anders einrichten wollen.

Data Becker hat damals die dazugehörigen CDs in Pappschachteln gepackt, die dieses seltsame Data-Becker-Design haben: Ziemlich bunt, meist sind ein oder zwei freudestrahlende PC-Nutzer zu sehen, denen man die Erleichterung ansieht, dass es nun endlich doch geklappt hat mit diesem grauen, irgendwie unheimlichen Kasten, von dem seit ein paar Jahren die jungen Leute so viel reden.

Data Becker hat auch Bücher gemacht. Zu den aus heutiger Sicht bizarrsten Titeln gehört wohl eines über die besten Seiten im Internet, ein nicht allzu dickes Nachschlagewerk, das Orientierung im digitalen Dschungel verspricht. Zugeben: Das Werk ist schon älter, und doch steht es exemplarisch für diese deutscheste aller Softwareschmieden, die sich bezeichnenderweise immer Verlag nannte. Data Becker lief im Windschatten der Innovationen mit, die Produkte sprachen Menschen an, die eigentlich zu spät anfingen, sich mit Computern zu beschäftigen.

Das war bis zuletzt so: Wer braucht heute noch ein dickes Handbuch, um sich das iPad erklären zu lassen? Data Becker zeigt auf dem Cover eben jenes Handbuchs ein grauhaariges Paar, das offenbar gemeinsam das Gerät benutzt hat und nur mal eben aufschaut, um leicht verwirrt aber glücklich in die Kamera zu gucken. Dabei braucht niemand mehr Gebrauchsanweisungen für Dinge, die sich selbst erklären. Und die ihren Schrecken — selbst für ältere Menschen — verloren haben. Dass Data Becker nun ankündigt, 2014 zu schließen, ist nur konsequent. Und zeigt doch exemplarisch, wie schwierig es ist, in einer auf Innovationen setzenden Branche, wenn man selbst keine Innovationen zu bieten hat.

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Dabei ging es lange Zeit gut. Sehr gut sogar. Data Becker stammt aus einer Zeit, als Computer noch etwas für Nerds waren und diese Computerfreaks belächelt wurden. Heute sind Nerds die Helden unserer Zeit. Sie gründeten Microsoft, Apple und Facebook, sie sitzen nun Milliardenunternehmen vor und bestimmen den Zeitgeist. Data Becker wurde 1981 von den Söhnen eines Autohändlers gegründet, zu einer Zeit, als ein kleines Unternehmen im kalifornischen Silicon Valley gerade die Maus erfand. Das Unternehmen hieß Apple. Ein gewisser Bill Gates hatte da gerade einen Kooperationsvertrag mit IBM abgeschlossen.

Achim Becker und Harald Becker, Söhne von Wilhelm "Auto" Becker, hatten den richtigen Riecher: Mit diesem Computer-Zeugs ließ sich Geld verdienen. Nachdem der C 64 in deutsche Jugendzimmer einzog, verlegte man Bücher, Software und Zubehör. Die Geschäfte liefen so gut, dass Data Becker 1984 bereits der größte Computerverlag Deutschlands mit knapp 40 Millionen Mark Umsatz war, zu einem Zeitpunkt, als Bill Gates noch Aktienanteile dieses Unternehmens namens Microsoft an seine Mitarbeiter als Weihnachtsgratifikationen ausgab.

Data Becker verlegte nun auch Zeitschriften, in denen PC-Anwendern Tipps gegeben wurden. Und begab sich damit in eine Branche, in der auch traditionelle Verlage aktiv wurden: 1994 etwa gab es mehr als 100 verschiedene Zeitschriften, die dem Nutzer ihren PC erklären wollten. Der Markt mit Ratgeber-Literatur war übervoll, in den großen Elektronikmärkten stapelten sich zudem die CD-Roms mit preiswerten und simplen Programmen, gleichzeitig wurden die Rechner und Betriebssysteme immer benutzerfreundlicher.

Selbst auf dem Markt der Software für kleine Unternehmen konnte Data Becker kaum noch was werden, weil sich mit der Zeit auch die inzwischen zu Giganten gewordenen Firmen wie Microsoft um diese Kunden bemühten. Um die Jahrtausendwende gab es den Versuch, auf dem Spiele-Markt noch Fuß zu fassen, doch dafür war es schlicht zu spät. Mit dem Siegeszug der Tablet-PC und Smartphones verliert der Computer selbst für Rentner seinen Schrecken. Was aus den etwa hundert Mitarbeitern wird, ist unklar.

(RP)
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