1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Serie Düsseldorfs Erfinder: Das Telemobiloskop und was daraus wurde

Serie Düsseldorfs Erfinder : Das Telemobiloskop und was daraus wurde

Der Ingenieur Christian Hülsmeyer erfand den Vorläufer des Radars - doch diesen wollte vor mehr als 100 Jahren niemand haben.

Er war ein eleganter Herr mit Zigarre, gezwirbeltem Schnurrbart, "Vatermörderkragen" - und Weitblick. Vor über hundert Jahren, lange vor der Erfindung von Radio und Fernsehen, meldete Christian Hülsmeyer aus Düsseldorf ein Patent an für sein "Verfahren, um entfernte metallische Gegenstände mittels elektrischer Wellen einem Beobachter zu melden". Der junge Ingenieur nannte seine Erfindung Telemobiloskop, er hatte den Vorläufer des Radars entwickelt, ohne den heute weder Schifffahrt noch Flugverkehr denkbar wären. Aber Hülsmeyer teilte das Schicksal vieler Visionäre: Er war seiner Zeit weit voraus.

Am 17. Mai 1904 fuhr der erst 22-jährige Erfinder mit einem rätselhaften Kasten, aus dem Drähte herausragten, nach Köln. Die Presse war eingeladen, als er an der Hohenzollernbrücke, seine Erfindung demonstrieren wollte: das Telemobiloskop. Der junge Mann behauptete, mithilfe dieses Geräts Schiffe selbst bei Nebel oder Dunkelheit orten zu können. Dadurch ließen sich, davon war der Erfinder überzeugt, die so häufigen Schiffsunglücke vermeiden. Und dann richtete er seine Antennen auf den Rhein - und tatsächlich: Näherte sich ein Dampfer im Umkreis von drei Kilometern, erzeugte sein Gerät einen Klingelton.

  • Eine Krankenschwester beim Corona-Test (Symbolbild).
    Neue Corona-Variante : Vier weitere Omikron-Fälle in Düsseldorf bestätigt
  • Apotheker müssen die Impfausweise genau kontrollieren,
    Corona-Betrugsfälle in Düsseldorf : Mehr gefälschte Impfpässe im Umlauf
  • Nach zwei schweren Gewalttaten wird die
    Altstadt in Düsseldorf : Polizei will beim Waffenverbot auf Stichproben setzen
  • Mit einer groß angelegten Razzia geht
    Marihuana-Handel : Großangelegte Razzia in NRW - bereits mehrere Festnahmen
  • Schwangere, die an Covid erkranken und
    Mehrere Fälle von schweren Komplikationen : Mönchengladbacher Ärzte besorgt über ungeimpfte Schwangere
  • Im Einzelhandel gelten strenge 2G-Regeln.
    „Wir können nicht überall sein“ : Solinger Händler wünschen sich mehr Unterstützung bei 2G-Kontrollen

Christian Hülsmeyer hatte sich früh für die Gesetze der Physik interessiert, besonders faszinierten ihn die Eigenschaften elektromagnetischer Wellen, deren Existenz Heinrich Rudoph Hertz im Experiment nachgewiesen hatte. Richtete man diese Wellen auf einen metallischen Gegenstand, wurden sie reflektiert und kehrten zum Ausgangspunkt zurück, also direkt in Hülsmeyers Kiste, in der sie von einem Detektor wieder empfangen wurden.

Im Jahre 1902 war der Erfinder von seiner Geburtsstadt Eydelstedt in Niedersachsen zu seinem Bruder Wilhelm nach Düsseldorf gezogen, mit leeren Taschen und einem Kopf voller Ideen. Durch eine Zeitungsannonce fand er einen Partner und Geldgeber, mit ihm und 5000 Reichsmark Startkapital gründete er die "Telemobiloskop-Gesellschaft".

Über das Experiment unter der Rheinbrücke berichteten alle Zeitungen im Land, selbst die New York Times. Im gleichen Jahr wiederholte Hülsmeyer die Vorführungen mit seinem Bewegungsanzeiger. Und verbesserte das Gerät durch einen (wiederum patentierten) Entfernungsmesser, nun ließ sich auch der Abstand zu einem Schiff exakt berechnen. Um seine Erfindungen zu vermarkten, kontaktierte er die Kriegsmarine, Schiffsbauer und die junge Funkindustrie. Doch all seine Aktivitäten konnten den Erfinder vor einer herben Enttäuschung nicht bewahren: Er bekam freundliche Briefe - und lauter Absagen. Man war offenbar einhellig der Meinung, dass die bisher üblichen Dampfpfeifen auf Schiffen über eine größere Entfernung zu hören und somit dem Telemobiloskop überlegen waren.

Und der Erfinder? Gab er entnervt auf? "Enttäuscht war er sicher, aber aufzugeben war nicht seine Sache", meint seine älteste Enkelin Antje Turanli.

Tatsächlich arbeitete er längst an einem Zukunftsplan. 1905 entschied sich Hülsmeyer, nicht weiter an seinem Telemobiloskop zu arbeiten, löste die Gesellschaft auf und ließ ihren Eintrag im Königlichen Amtsregister in Köln löschen. Ein Erfinder blieb er. Und gründete nur ein Jahr später eine Firma für Kessel- und Apparatebau in Flingern, entwickelte neuartige Rostschutz- und Wasserfilter und meldete noch 180 weitere Patente im In- und Ausland an. So wurde er doch noch ein wohlhabender Mann - und außerdem Vater von sechs Kindern.

In den 1930er-Jahren erlebte Christian Hülsmeyer dann eine Wiederbelebung seiner alten Idee. Mehrere Wissenschaftler arbeiteten weltweit nun an modernen Radarsystemen, eine Entwicklung, die durch den Zweiten Weltkrieg kräftig vorangetrieben wurde. Am 10. November 1948 stand ein Artikel in der Rheinischen Post, in dem ein Historiker daran erinnerte, dass Christian Hülsmeyer den Grundstein dieser Erfindung gelegt hatte. Das löste offenbar Diskussionen "bis in höchste Regierungskreise aus", da Winston Churchill gerade dem Briten Robert Watson-Watt für die Erfindung des Radars den Adelstitel verleihen wollte.

Zu dieser Zeit erlebte ihn seine Enkelin Antje Turanli, Jahrgang 1942, als einen Mann, der durch sein Auftreten und seinen Lebensstil (er bewohnte eine Villa im englischen Landhausstil) alle Züge eines Patriarchen trug. Sonntags hatten seine sechs erwachsenen Kinder zum Mittagessen zu erscheinen. "Sonst hielt er sich meistens im Herrenzimmer auf, aber zum Abendbrot, Punkt 19 Uhr, erschien er in der Küche, um mit Großmutter und mir zu essen." Dabei hörte er "Echo des Tages", und die Familie hatte zu schweigen. Ein Märchen erzählender Opa war Hülsmeyer sicher nicht. Aber manchmal durfte die Enkelin mit ihm im "Bildersaal deutscher Geschichte" blättern. Sie besitzt das Buch noch heute.

Im Jahr 1953 begegneten sich die beiden Erfinder Watson-Watt und Hülsmeyer als Gäste einer Radarkonferenz in Frankfurt, dabei wurde dann die Formulierung gefunden, dass der Brite nicht "der alleinige Erfinder" des Radars sei. Christian Hülsmeyer starb im Jahr 1957, kurz nachdem er doch noch von Bundeskanzler Konrad Adenauer geehrt worden war.

Zum 100. Jahrestag seiner Erfindung hatten Ingenieure die Idee, sein Telemobiloskop noch einmal nachzubauen. Sie verwarfen jedoch ihren Plan, denn heutzutage würde das Gerät durch all die Funkverbindungen, Radio- und Fernsehstationen gestört, durch diesen Mix im Äther käme es zu ständigem Fehlalarm.

(RP)