Düsseldorf: Das Rheinufer als Zweitwohnsitz

Düsseldorf : Das Rheinufer als Zweitwohnsitz

Die Weisenbergers fahren am Wochenende gerne nach Düsseldorf und übernachten im Wohnmobil. Nun soll der Stellplatz verschwinden.

Der niederländische Nachbar zur Linken parkt gerade aus. Beim Nachbarn zur Rechten hockt der Hund am Steuer. Und dazwischen sitzen Christiane und Hans Weisenberger an einem kleinen Tisch in ihrem Wohnmobil, einem Bürstner Fifty Five.

Sie brüht gerade für alle Instant-Kaffee auf; die Milch hat sie, in einer PET-Flasche abgefüllt, mitgebracht. Er fängt da schon einmal an zu erzählen. Ein Teller voller Quarkbällchen und eine Schale mit Gummibärchen stehen vor ihm, die er nicht anrühren wird während des gesamten Gesprächs. Am Fenster fährt gerade ein Tankschiff vorbei.

Gerade am Wochenende war das Ehepaar im Museum Kunstpalast gegenüber, hat sich die erstaunlichen Fotos von Wim Wenders angesehen. Danach sind die beiden durch die Stadt gebummelt: Schadowstraße, Flinger Straße, Kö, das Übliche also. Und am Abend? Da waren Christiane und Hans Weisenberger, gebürtige Franken, ehemalige Düsseldorfer, jetzt Grevenbroicher, in den Brauereien der Stadt.

Die 57-Jährige und ihr 62-jähriger Mann trinken gern frisches Alt in der Altstadt. Statt danach umständlich mit dem Taxi, der Bahn oder sonst wie nach Hause zu kommen, haben die beiden in ihrem Zweitwohnsitz am Rheinufer übernachtet. Dem Wohnmobil.

Seit zwei Jahren, seit sie aus der Landeshauptstadt weggezogen sind, um sich ein eigenes Nest in der Nähe zu suchen, kommen die Weisenbergers nun Monat für Monat hier her. Sie gehen dann in die Stadt, in Museen, in Restaurants, ins Kino, ins Kommödchen, in die Oper, ins Schauspielhaus. "Das bringt schon viel von unserer Lebensqualität", sagt Hans Weisenberger also. "Im Prinzip ist es dann so, als wenn man hier wohnen würde."

Genau damit soll aber bald Schluss sein. Wenn es nach dem Willen der FDP geht, dann sollen die Wohnmobilstellplätze unterhalb der Rheinterrasse verboten werden (die RP berichtete). "Die Meldung hat uns schon erschreckt", sagt Hans Weisenberger. Und seine Frau ergänzt: "Das wäre für uns ganz traurig, wenn das so kommen würde." Deutlich seltener würden sie dann sicher her fahren, in die Stadt, die sie so lieb gewonnen haben, für die sie mehr schwärmen, als manch Düsseldorfer.

Die Frühlingskirmes hat den Weisenbergers - wie immer, wenn am Rheinufer eine Veranstaltung ist - den offiziellen Wohnmobilstellplatz, der auch im ADAC-Führer ausgewiesen ist, streitig gemacht. Sie mussten etwas nördlicher parken, unterhalb der Abfahrt, wo es zum Parkplatz geht. "Das ist doch optimal hier, wir behindern niemanden, der Blick auf den Rhein bleibt frei", sagt Christiane Weisenberger. Nicht, dass sie sich anmaßen würde, der Stadt vorzuschreiben, was sie zu tun habe. Aber vorschlagen kann sie das ja mal.

"Die Spaziergänger sollen auf den Rhein und nicht auf die Satellitenschüsseln der Wohnmobile blicken", hatte FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann gesagt. Das sei dort kein guter Platz für Dauercamper. "Das ist kein Campingplatzverhalten hier", entgegnet ihr Hans Weisenberger, der immer noch vor den unberührten Quarkbällchen sitzt. "Es gibt bestimmt schönere Plätze, um auf den Rhein zu sehen." Ihnen ginge es bloß um die Nähe zur Innenstadt. Um die Chance, nach dem Feierabend-Alt am Wochenende zu ihrem Zweitwohnsitz zu laufen. Immerhin zahlen sie ja auch dafür. 13 Euro am Tag.

Sie bleiben ja auch nur von Freitag bis Sonntag, manchmal fährt Christiane Weisenberger auch schon donnerstags vor. Aber von Dauercampen ist keine Rede. Ohnehin gibt es keinen Stromanschluss, keine Abwasserentsorgung. "Man darf sich das nicht so vorstellen, dass ich mich hier hinstelle und Nudeln koche", sagt sie. "Dieses ungarische Restaurant neulich, herrlich", sagt Hans Weisenberger. Dort würden sie gern noch häufiger hingehen.

(RP)