Düsseldorf: Das Reiterparadies im Norden

Düsseldorf: Das Reiterparadies im Norden

In Lohausen gibt es viele Pferde, Vereine und Höfe. Dazu zählt auch die Reitanlage Bergerhof, die direkt am Rhein liegt.

Christian Richter geht an den Pferdeboxen vorbei. Am Ende des Ganges öffnet er das Stalltor. Der Blick fällt direkt auf den Rhein. Dazwischen liegen nur noch Wiesen. Richter gehört die Reitanlage Bergerhof. Er führt sie zusammen mit seiner Frau Monika und seiner Tochter Mandy Richter-Plum. 1986 kaufte der 81-Jährige das Anwesen. Der Vorteil des Standorts liegt klar auf der Hand: Der Rhein befindet sich direkt vor der Tür. Das hat auch die Islandpferdereiter in den Norden Düsseldorfs gezogen.

"Den Rhein erreicht man mit dem Pferd in zehn Minuten. Der Kalkumer Wald und der Flughafen sind auch so nah", sagt Barbara Achterfeld, die Vorsitzende des Vereins der Islandpferdereiter. Seit zehn Jahren ist die 52-Jährige schon mit ihren beiden Isländern Odin und Mjöllnir - so heißt Thors Hammer - in dem Verein. "Die Lage des Hofes ist optimal. Von hier aus können wir auch zu der Sechs-Seen-Platte in Duisburg reiten", sagt Achterfeld.

Saskia Schröder lässt sich zur Pferdewirtin ausbilden. Die 20-Jährige reitet hier auf Finnley. Foto: Elena Erbrich

Seit 1974 hat der Verein seinen Standort am Neusser Weg auf einem gepachteten 3,4 Hektar großen Gelände der Stadt. Vorher war er auf dem Gelände des Flughafens. Damals hieß er noch Ponyclub, gegründet von zehn Familien. "Einer der Gründer wohnte in Lohausen. Aber das war nicht der einzige Grund, warum sich der Verein hier ansiedelte", sagt Achterfeld. "In Lohausen gibt es viele Pferde und Höfe. Da passte der Verein einfach hin. Lohausen ist ein pferdefreundlicher Stadtteil." 30 Pferde kommen auf dem Gelände der Islandpferdereiter unter, und die Warteliste ist lang. Die Islandponys sind das ganze Jahr über draußen. Achterfelds Isländer Mjöllnir steht auf einer besonderen Wiese. Dort sind nur die Pferde, die eine Heustauballergie haben. "Das ist wie eine Hausstauballergie bei Menschen", sagt Achterfeld.

Die Mitglieder der Haltergemeinschaft kümmern sich um alles selbst. Für externe Pferdefreunde öffnet sich der Verein bei Veranstaltungen, zum Beispiel an Ostern oder bei den Feriencamps für Kinder. Dort lernen Kinder, wie sie Pferde putzen, und dürfen an der Longe reiten. Reitkurse für Kinder gibt es auch auf dem Bergerhof. "Das Kind von Schalke-Fußballspieler Naldo lernt hier zum Beispiel reiten", sagt Christian Richter. Rund 60 Pferde kommen auf dem Hof unter, der laut Richter mehr als 100 Jahre alt ist. Neben alten Backsteingebäuden stehen Stallungen, die optisch an die ursprünglichen Hofgebäude angepasst sind. Als Richter den Hof kaufte, gab es dort nur eine einzelne Reithalle. Er baute eine zweite dazu und noch weitere Ställe. "Hier war nichts, als wir den Hof gekauft haben. Nur sechs Pferde standen auf dem Gelände", sagt der ehemalige Bauunternehmer.

Auch das Pony Voodoo fühlt sich auf der großen Reitanlage Bergerhof in Lohausen wohl. Foto: Elena Erbrich

Richters Familie ist pferdebegeistert und schon lange aktiv im Pferdesport. Die Leidenschaft für die Tiere begann, als die älteste Tochter Simone mit sechs Jahren das Reiten lernen wollte. "Das ist jetzt schon 50 Jahre her", sagt Richter. Die ganze Familie engagierte sich also beim Reit- und Ponyclub Eller. Richter war sogar im Vorstand. Auf ihrem Hof züchtet die Familie heute Deutsche Reitponys: Die Rasse ist die erfolgreichste deutsche Ponyzüchtung. Mandy Richter-Plum betreibt auf dem Hof zudem einen eigenen Reiterladen.

Der attraktive Standort am Leuchtenberger Kirchweg mit seiner Nähe zum Rhein ist übrigens nicht ganz ohne Sorgen. Die Vorteile sind zwar unbestritten: "Wenn man dort lang reitet, hat man einen herrlichen Blick auf die Schiffe", sagt Richter. Und auch Egon Klassen, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Lohausen, weiß um diesen Vorteil. Aber er macht sich Sorgen. Im Zuge der Deichsanierung drohe nämlich ein Reitverbot an der Rheinaue. "Das halte ich aber für überzogen. Wir pflügen ja nichts um", sagt er.

Aus Klassens Sicht bietet der Norden auch sonst "wunderschönes Gelände zum Ausreiten", zum Beispiel die vielen Waldflächen. Schon immer war die Region von Landwirtschaft geprägt. Irgendwann setzten auch viele Bauern auf Pferde, auch deshalb entwickelte sich das Gebiet zum Reiterparadies. Großer Konkurrent sei der Bereich um den Grafenberger Wald. "Dort gibt es auch sehr viele Höfe", sagt Klassen. "Man kann von dort bis ins Bergische Land reiten. Das geht vom Düsseldorfer Norden aus natürlich nicht so gut."

(eler)