Achenbach-Restaurants: Das Monkey’s — ein Millionengrab

Achenbach-Restaurants : Das Monkey’s — ein Millionengrab

Die drei Restaurants hätten ihn dorthin gebracht, wo er heute ist, sagte Helge Achenbach Mittwoch vor Gericht. Erstmals spricht der des Betruges angeklagte Kunstberater über seine Motive für den Einstieg in die teure Gastronomie.

Es sollten nur ein paar Nachfragen des Vorsitzenden Richters an den Angeklagten Achenbach werden. Doch dann wurde der neunte Verhandlungstag vor der großen Strafkammer in Essen zur Stunde der Bekenntnisse. Offensichtlich unter dem Eindruck seiner inzwischen sieben Monate währenden Untersuchungshaft gewährte der 62-Jährige tiefe Einblicke in seine Geschäftsideen, seine Firmengruppe und die derzeitige Seelenlage.

"Ich plante für die Next Generation"

Er habe seine Firmenanteile an sämtlichen Unternehmen reduziert, nur zehn Prozent behalten. Den Rest habe Sohn Benjamin bekommen, stellvertretend für seine Geschwister. "Ich habe sechs Kinder, die mir nahe sind", sagt Achenbach. "Ich wollte ihnen den Weg ebnen." Dass er so viele Firmen gründete, erklärt er so: "Ich habe meiner Kreativität freien Lauf gelassen." Hatte er eine neue Idee, gründete er eine Firma — auch, wenn aus der Idee dann gar nichts wurde.

"Wir wollten an die Börse gehen"

Die State of the Art AG habe er gegründet, um die Monkey's Restaurants, die Kunst- und Autogeschäfte zu bündeln, als "das Beste des Augenblicks". Die Idee sei gewesen, damit an die Börse zu gehen, sagt Achenbach mit bitterem Lachen. "Das ist ja jetzt nicht mehr möglich."

"Die Monkey's-Geschichte ist fatal"

Mit der spontanen Idee im Frühjahr 2003 auf der brachliegenden Spitze der Speditionstraße "ein Ibiza zu schaffen" hatte Achenbach einen Mega-Erfolg. Doch nach drei Jahren "wollte uns der damalige Oberbürgermeister dort weghaben", erzählt er dem Richter. Das sei "im Nachhinein Okay", das an dieser Stelle entstandene Hotel sei "ein gutes Hotel geworden". Damals aber war Achenbach nicht so milde, sondern "beschloss, diesem OB ein Monkey's mitten in der Innenstadt vor die Nase zu setzen". So sei Monkey's Plaza mit drei Restaurants am Graf-Adolf-Platz entstanden. Im ersten Jahr habe der Betrieb mehr als 1,5 Millionen Euro Verlust eingefahren, alle Mitbegründer seien abgesprungen. "Plötzlich besaß ich 100 Prozent der Anteile, war allein, und einige der Gründer saßen im Aufsichtsrat und erteilten Ratschläge." Sohn Benjamin habe helfen wollen, engagierte einen Sternekoch. "Ich sagte, ich will das beste Restaurant Düsseldorfs — das hätte ich ihm nicht sagen sollen. Denn da gab der richtig Gas." Am Ende habe er zehn Millionen Euro mit den Monkey's Restaurants verloren. "Es hat mich dahin gebracht, wo ich heute bin."

"Ich hatte keinen Plan"

Seinem Sohn sei gelungen, die Verlust der Restaurants zu reduzieren. Doch Gewinn machten sie nie. "Ich nutzte sie als meine Bühne, als Netzwerk, um Kontakte zu knüpfen. Wir gaben Kunstdinner, machten Autopräsentationen". Hätte er im Monkey's nicht zufällig einen VW-Vorstand getroffen, "gäbe es heute keine Verbindung zwischen Volkswagen und dem New Yorker Museum of Modern Art", sagt Achenbach. Für ihn habe die Idee der Restaurants als Plattform funktioniert. Für das Drumherum habe es "keinen Plan" gegeben.

(RP)
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