Das Leben auf 17 Quadratmetern in Mikro-Appartements in Düsseldorf

Wohnen in Düsseldorf : Das Leben auf 17 Quadratmetern

Mikro-Appartements entstehen jetzt überall in der Stadt. Solidare gewährt Einblicke in zwei neue Objekte an der Merowinger Straße. Auch Silverlake plant zwei solche Projekte in Oberbilk und Pempelfort. Richtig günstig wohnt man in den Kleinstwohnungen nicht.

Das Wohnen auf engstem Raum liegt zumindest Immobilien-Unternehmen zufolge im Trend. Auch in Düsseldorf gibt es erste Häuser, in denen Menschen in so genannten Mikro-Appartements leben – meist um die 20 Quadratmeter und voll möbliert vermietet, normalerweise für eine Pauschalmiete inklusive aller Nebenkosten. Zwei solcher Projekte verantwortet das Düsseldorfer Unternehmen Solidare Real Estate Group an der Merowingerstraße in Bilk: Dort werden zwei frühere Bürohäuser der Landwirtschaftlichen Versorgungskasse aus den 60er-Jahren umgebaut. Hausnummer 105/107 ist bereits fertiggestellt und bezogen, im benachbarten Haus Nummer 103 wird noch mächtig gearbeitet. Dass es genauso schnell vollvermietet sein wird wie das Nachbargebäude, davon ist Tim Semmelmann von der Solidare Service GmbH fest überzeugt: „Wir hatten beim ersten Gebäude fast 700 Anfragen für 70 Appartements.“

Und das, obwohl man hier als Mieter auf Verzicht eingestellt sein muss. Gerade 17 Quadratmeter groß sind die Standard-Appartements, die alle gleich ausgestattet sind. Ein schmales Bett, dank passender Kissen auch als Sofa nutzbar, ein Ess-/Schreibtisch, ein Kleiderschrank, eine kleine Küchenzeile mit Kühlschrank, zwei Kochplatten, Mikrowelle. Die Einrichtung sei wertig und vor allem durchdacht, betont Semmelmann und verweist auf Details. Wie einen kleinen Roll-Container, der Staufläche bietet, mit einem Kissen aber auch als Sitzplatz genutzt werden soll. Zum Appartement gehört außerdem ein zusätzlicher abschließbarer Spind im Keller – zu klein für Plattensammlung und Modell-Eisenbahn, aber groß genug für die Winterjacken im Sommer oder ein Bügelbrett: „Auf diese Weise schaffen wir noch etwas Stauraum.“ 575 Euro im Monat kosten die Appartements, warm und „all in“, also mit Strom, Heizung und DSL-Anschluss. „Nur die GEZ kommt noch dazu“, sagt Semmelmann.

Für viele Studierende dürften die Appartements dennoch zu kostspielig sein – 15 von ihnen sind unter den 70 Mietern des Gebäudes, der Rest sind Berufstätige. Als wichtige Zielgruppe von Mikro-Appartements gelten junge Arbeitnehmer, die voraussichtlich nur für einige Monate oder wenige Jahre an einem Ort tätig sein wollen, oder Wochenend-Pendler mit einem größeren Haupt-Wohnsitz in einer anderen Stadt. Trotzdem will man bei Solidare sicherstellen, dass die Mieter nicht ständig wechseln, die Mindest-Mietdauer beträgt sechs Monate. „Das hier sollen Wohnungen sein, die auch tatsächlich von Düsseldorfern genutzt werden“, sagt Semmelmann. Seit dem Einzug der Mieter im November 2018 hat er acht Kündigungen gezählt, „etwa halb so viele, wie wir kalkuliert hatten“.

Eine Studie im Auftrag der Silverlake Real Estate Group – die selbst gerade solche Wohnungen für Düsseldorf angekündigt hat – hat ergeben, dass Mikro-Appartements nicht nur fürs „Kurzzeitwohnen“ gesucht werden. Mehr als ein Viertel der Befragten (28 Prozent) soll demnach bereit sein, für bis zu ein Jahr in ein Mikro-Appartement zu ziehen, fast die gleiche Zahl (26 Prozent) kann sich demnach gar vorstellen, dort bis zu zwei Jahre zu wohnen.

Für jahrzehntelanges Wohnen eignen sich die Kleinst-Appartements dagegen nach Ansicht vieler Experten tatsächlich nicht: Für einen langsam wachsenden Haus­stand sind sie einfach zu klein – spätestens dann, wenn die Bewohner eine Familie gründen wollen. Kritiker dieser Wohnform monieren außerdem die recht hohen Mieten, die für voll möblierte Wohnungen aufgerufen werden. Als Vorteil gelten dagegen die Flexibilität, die durchaus dem Zeitgeist entspricht – und die Tatsache, dass mit vielen Einheiten Druck vom Wohnungsmarkt genommen wird.

Oftmals gleichen die Anbieter die geringen Dimensionen des privaten Wohnraums durch Gemeinschaftsbereiche aus – an der Merowingerstraße 105/107 gibt es dafür zwei Räume im Erdgeschoss, in denen Schreibtische stehen, in denen die Bewohner aber abends auch einfach so zusammensitzen. In einem stehen ein paar Bücher in einem Regal, eine private kleine Tausch-Bibliothek. Im Keller gibt es zwei Waschmaschinen und Trockner, die man per App vorbuchen kann; weitere sollen dazu kommen.

Einer der Gemeinschaftsräume mit Tischen und Smartphone-Ladestationen. Foto: Solidare Real Estate Group
Hausnummer 105/107 war vor dem Umbau ein Bürogebäude. Foto: Solidare Real Estate Group

Mikro-Appartements wird man bald in vielen Stadtteilen finden. An der Merziger Straße hat bereits ein von Cube Real Estates entwickeltes Konzept eröffnet, die Düsseldorfer Silverlake Real Estate Group will ihre angekündigten Kleinwohnungen bis zum Jahr 2021 errichten. „Bei der Deckung des akuten Wohnraumbedarfs spielen kleine Wohnungen eine immer wichtigere Rolle, gerade in Ballungszentren mit hohem Studierendenaufkommen wie Düsseldorf“, sagt Silverlake-Gründer John Bothe. Der Projekt- und Bestandsentwickler hat dazu Grundstücke an der Hüttenstraße 21 in Oberbilk sowie in der Sternstraße 63a/65 in Pempelfort gekauft. An der Hüttenstraße soll ein Neubau mit 35 Wohneinheiten zwischen 16,5 und 23 Quadratmetern entstehen; an der Sternstraße 63a und 65 sind es 46 Wohneinheiten von 22 bis 26 Quadratmeter; einige auch größer. Das Unternehmen rechnet damit, dass die Mieter vor allem Studenten, Kurz- und Zeitarbeiter sowie Senioren und Expats sein werden.