Düsseldorfer Süden: Das langsame Sterben der Fabriken

Düsseldorfer Süden: Das langsame Sterben der Fabriken

Stora Enso, Carbo Group, Kematen und zuletzt ThyssenKrupp – Pleiten und Rückzüge prägen das Geschehen im industriellen Süden Düsseldorfs in den vergangenen Jahren. Brachen bleiben zurück. Doch gibt es auch neue Ideen und Initiativen. In einer kleinen Serie schauen wir genauer hin.

Stora Enso, Carbo Group, Kematen und zuletzt ThyssenKrupp — Pleiten und Rückzüge prägen das Geschehen im industriellen Süden Düsseldorfs in den vergangenen Jahren. Brachen bleiben zurück. Doch gibt es auch neue Ideen und Initiativen. In einer kleinen Serie schauen wir genauer hin.

Zum Vergrößern bitte die Foto: Jenny Möllmann

Der einstige Werks-Parkplatz Am Trippelsberg liegt unter Schnee, das Tor ist geschlossen. Seit Ende August 2009 ist die Produktion im früheren Kematen-Werk stillgelegt, im November desselben Jahres kam das komplette Werk unter den Hammer.

Das Kematen-Werk ist längst dicht, doch ist noch kein Käufer gefunden. Foto: Göttert

Im Auftrag des Frankfurter Insolvenzverwalters Thomas Kaiser verkaufte der Erdinger Unternehmensverwerter Peter Hämmerle das Inventar. Ein Käufer oder Mieter für Werk und Gelände des Pleite gegangenen österreichischen Kosmetik-Produzenten ist bis heute nicht gefunden. Zwischenzeitliche Hinweise, der Kosmetik-Hersteller Marbert wolle einziehen, bestätigten sich bisher nicht. "Es gibt Gespräche mit Mietinteressenten", sagt Hämmerle. "Ansonsten herrscht Ruhe."

Industriebrachen wie die an der Telleringstraße mit der inzwischen abgerissenen Thyssen-Werkshalle weiten sich aus. Foto: Fenkenheuer

Stora/Segro Schneebedeckt und nach wie vor brach liegt auch das frühere Werksgelände von Stora Enso an der Bonner Straße. Der Projektentwickler Segro hatte das abgeräumte Industriegrundstück erworben und will dort auf 16 Hektar einen modernen Gewerbepark errichten.

Der noch vor einigen Monaten für Ende 2010 angekündigte Baubeginn der ersten Phase des "Rheinparks" mit Büros, Gewerbe- und Logistikhallen verzögert sich offenbar. "Anfang 2011 wollen wir beginnen", sagt Segro-Regionalmanager Sebastian Schmelz.

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ThyssenKrupp/Nirosta Der angekündigte Rückzug von ThyssenKrupp-Nirosta an der Hildener Straße wird dem Düsseldorfer Süden in etwa sechs Jahren eine weitere Industriebrache bescheren. Die Produktionsanlagen von Nirosta werden nach Krefeld verlegt, das Werk abgerissen, das Gelände planiert, hatte das Unternehmen verlauten lassen.

Damit erweitert sich die Brache im Umfeld des Benrather Stadtviertels Paulsmühle. Dort stehen bereits seit vielen Jahren an der Telleringstraße frühere Industrie-Areale leer, wie das von ThyssenKrupp inzwischen geräumte und zum Verkauf angebotene Gelände an der Paulsmühlenstraße sowie das frühere BEA-Gelände, das Aldi an einen noch unbekannten Investor veräußert hat.

Carbo Group/Saint Gobain Bewegung gibt es auf dem früheren Carborundum-Gelände an der Kappeler Straße. Das dortige, östlich der Straße gelegene Gelände der im April 2009 in die Insolvenz gegangenen Carbo Group hat nun die Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf (IDR) erworben. "Das Gelände wird saniert", sagt IDR-Chef Heinrich Pröpper der RP. Auf dem Areal soll eine Logistikhalle entstehen.

Pröpper: "Einen Mieter gibt es bereits." 200 Mitarbeiter hatten 2009 bei der Carbo Group ihren Job verloren. Der Schleifmittelhersteller Naxos Diskus übernahm Rechte und Kunden des Benrather Werks und produzierte im kleineren Rahmen weiter. Auch auf dem 1996 von Carborundum übernommenen Nachbargrundstück hängt der Werkssegen schief.

Das Industrie-Keramik-Unternehmen Saint-Gobain, das feuerfeste Auskleidungen für Hochöfen produziert, hatte Mitte Oktober seinen 76 Mitarbeitern angekündigt, das Werk 2011 schließen zu wollen.

(RP)
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