Düsseldorf: "Das ist das Aus für alle Pläne in Hubbelrath"

Düsseldorf: "Das ist das Aus für alle Pläne in Hubbelrath"

Die Bergische Kaserne bleibt bis auf Weiteres Militärgelände. Damit liegen die Planungen, dort tausende neue Wohnungen zu bauen, erst einmal auf Eis. Politiker und Anwohner sind schockiert bis wütend. Doch es gibt auch schon einen Vorschlag für eine Lösung.

Die Bundeswehr will die Bergische Kaserne derzeit nicht veräußern. "Die Bundeswehr wächst wieder personell, und dieses Mehr an Personal hat auch Auswirkungen auf unsere Infrastruktur. Den genauen Bedarf ermitteln wir derzeit umfassend. Deshalb unterziehen wir die geplanten Abgaben von Liegenschaften einer erneuten Überprüfung. Dies gilt auch für die Bergische Kaserne in Düsseldorf", bestätigte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums unserer Redaktion. Damit liegen die Planungen für mehrere tausend neue Wohnungen erst einmal auf Eis.

Politiker und Anwohner zeigten sich gestern von der neuen Entwicklung überrascht. "Das bedeutet, dass uns eine der wenigen noch vorhandenen Wohnbauflächen verlorengeht", sagte etwa der Vorsitzende des Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss Alexander Fils (CDU). Seit Jahren sei man über Parteigrenzen hinweg damit beschäftigt gewesen, das Grundstück zu entwickeln, so sei etwa die Umwidmung der Fläche im Regionalplan erst im vergangenen Jahr erreicht worden. Das alles sei jetzt Makulatur, ebenso die Verkehrsplanungen. "Das ist das Aus für alle Pläne in Hubbelrath", sagte Fils. Vielleicht könne die Bundeswehr statt der Bergischen Kaserne das ehemalige Hauptquartier der Briten Rheindahlen in Mönchengladbach nutzen. "Dort steht genügend Platz bereit", sagte Fils.

Auf dem Gelände stehen einige Gebäude unter Denkmalschutz. Ihr Zustand ist sehr unterschiedlich, da sie zum Teil seit mehreren Jahren leerstehen. Foto: Bretz Andreas

Norbert Czerwinski (Grüne) findet die Entwicklung "skurril". "Das sind verstörende Nachrichten und man fragt sich ehrlich, ob die Bundeswehr wirklich weiß, was sie da tut", sagt der Politiker. Er ist dagegen, die Planungen für eine Wohnbebauung einzustellen, auch wenn die durch den Beschluss der Bundeswehr in weite Ferne gerückt sei.

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Auch für die Anwohner in Hubbelrath kam die Nachricht überraschend. Allerdings hatte es hier ja auch im Vorfeld einen gewissen Widerstand gegen die Bebauung gegeben, weil die Verkehrsprobleme noch nicht gelöst waren. "Wir sehen dem Ergebnis einer erneuten Prüfung der weiteren Nutzung gelassen entgegen", sagte der Vorsitzende des Bürgervereins Bergisches Viertel, Andreas Goßmann. Sollte die Bundeswehr die Kaserne irgendwann nicht mehr nutzen, könnte hier immer noch der neue Mittelpunkt des Viertels entstehen, so Goßmann, mit Nahversorgung, Kita und Sportstätten und mit "Nutzung der denkmalgeschützten Kasernengebäude". Dabei sei die Anzahl der Wohnungen abhängig von der "längst überfälligen Lösung der Verkehrsprobleme auf der Bergischen Landstraße", fügte er hinzu.

Wandbilder und Einrichtung sprechen die Sprache der Zeit ihrer Erbauung: 1937 Foto: Bretz Andreas

Die Kaserne wurde 1937 unter der Leitung des Düsseldorfer Architekten Carl Bassler errichtet. Als Material wurden Ruhrsandstein, Bruchsteine, Westerwaldschiefer und Grobkieselputz benutzt. Die Kaserne diente bis Ende des Zweiten Weltkrieges dem Flugabwehrkanonenregiment 64 als Unterkunft. Nach dem Krieg fanden zunächst Briten und Amerikaner, dann ein Fernmeldebataillon der Bundeswehr sowie ein Heeresmusikkorps hier Obdach.

Die Installationen der Kaserne sind entweder nicht mehr vorhanden oder marode. Foto: Bretz Andreas
(RP)