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Das inklusive Projekt Wiesencafé in Garath

Inklusion : Hier entsteht ein Ort für alle

Die Künstlerin Ute Reeh arbeitet mit Förderschülern an einem inklusiven Begegnungszentrum in Garath.

Ein Erlebnis aus ihrer inzwischen fünfjährigen Arbeit am Wiesencafé ist Ute Reeh besonders in Erinnerung geblieben: Ein Architekturstudent und ein Junge von einer Förderschule beugen sich über Grundrissskizzen. „Häuser sind normalerweise eckig“, kommentiert der Student den Entwurf. „Ich finde rund besser“, antwortet der Junge. „Warum willst du rund bauen?“, fragt der Student. Die Antwort: „Weil dann niemand in der Ecke stehen muss.“ Das fertige Modell, dass bei Ute Reeh im Atelier auf seine Umsetzung wartet, ist rund.

Die 60-jährige Düsseldorfer Künstlerin Ute Reeh hat bei einem Projekt mit der Alfred-Herrhausen-Förderschule in Garath erkannt, wie viel Potential in Menschen steckt, von denen man Kreativität nicht erwartet. „Die Gesellschaft ist darauf ausgerichtet, Inhalte von außen nach innen in die Menschen zu transportieren“, sagt Reeh, „aber es kann auch wirklich schön sein, Inhalte aus den Menschen heraus in die Gesellschaft zu bringen.“ Die Arbeit mit den Förderschülern war dabei besonders ertragreich: „Meine Erfahrung ist: Wo es Probleme gibt, gibt es auch Energie, und daraus kann etwas Schöpferisches entstehen“, erklärt die Künstlerin.

Aus dieser Erkenntnis entstand auch das Projekt Wiesencafé: „Ich habe mit Kindern und Jugendlichen gesprochen, was sie sich für ihr Viertel Garath wünschen“, erzählt die Künstlerin. Das Ergebnis: Zum einen fehle Nahversorgung, zum anderen ein Treffpunkt. Für Ute Reeh ist damit die Idee eines inklusiven Begegnungsortes am Wittenberger Weg geboren. „Bauen ist in Deutschland ein Hoheitsrecht. Ich finde, man muss den Mut haben, selber zu bauen“, so die Künstlerin. Im Sommer 2013 begann sie mit den Förderschülern die Planung. Die Aktion Mensch und verschiedene Stiftungen kamen als Förderer dazu, die Entwürfe der Schüler wurden mit Architekturstudenten verfeinert. „Die Kinder und Jugendlichen geben ihre Ideen nicht an die Profis ab, sondern arbeiten mit ihnen zusammen“, erklärt Reeh zufrieden.

Die Planung und Umsetzung gehen schrittweise voran: Aktuell sind die Fliesen fertig, auch die Möbel, es gibt Pläne und Modelle, auf dem Gelände am Wittenberger Weg selbst findet sich jedoch nur eine Bodenplatte. „Da ist aber bereits etwas Tolles passiert“, freut sich die Künstlerin, „die Menschen haben begonnen, sich die Platte anzueignen. Kinder spielen dort, sie ist Treffpunkt für Jugendliche geworden.“

2019 soll es weiter gehen mit dem Projekt, dass bei der Stadt inzwischen unter „Kommunikationszentrum Wittenberger Weg“ geführt wird. „Verschiedene Namen geben dem Ort schon ein ganz anders Image, nicht wahr?“, scherzt die Künstlerin. Die Bauphase soll offen gestaltet werden: Nicht nur die Schüler der Alfred-Herrhausen-Schule helfen den Arbeitern, auch andere Schulen und Kitas sind eingeladen, sich zu beteiligen. Ausgrenzung bestimmter Gruppen sei immer eine Verschwendung von Potential.

Auch die Lehrer unterstützen das Projekt. „Wir erarbeiten im Unterricht Skizzen, Ideen und Modelle“, erklärt Schulleiter Peter Zerfaß. Vor allem für die Förderschüler sei das Wiesencafé nicht nur ein Begegnungsort, wenn es einmal fertig ist, sondern die Bauphase eine Möglichkeit, sich und ihre Ideen sinnvoll in die Gesellschaft einzubringen. Es sind Aussagen wie diese, die Ute Reeh motivieren, weiter Arbeit in das Projekt zu stecken: Für die Künstlerin ist der Prozess, in dem etwas entsteht, genauso wichtig wie das Ergebnis – und diese Meinung dürften die Förderschüler teilen.