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Düsseldorf: Das Geschäft mit dem grünen Daumen

Düsseldorf : Das Geschäft mit dem grünen Daumen

Zwei Frauen gründeten das Start-up Green For Me. Auf der Internetplattform analysiert eine Landschaftsarchitektin Gärten und gibt Pflanzentipps - mit Einkaufsliste.

Plötzlich war er da, der eigene Garten, gehörte zur neuen Wohnung in Bilk. Nicht besonders groß, von alten Backsteinmauern umgeben, von einer Kastanie überragt. Welche Pflanzen würden im Schattenreich dieses Baums gedeihen, denn Sonne würden sie allenfalls in ein paar Morgenstunden genießen?, fragt der unerfahrene Stadtmensch und ahnt: Das wird ein steiniger Weg, bis er sein grünes Wunder erlebt. "So geht es vielen Menschen, gerade die Jüngeren haben oft überhaupt kein Pflanzenwissen", weiß Natalie Odermann. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Julia Hack gründete sie "Green For Me", ein Start-up, das zurzeit jede Menge Blüten treibt.

Sie wollen die Welt ein bisschen grüner machen, bekennen die beiden Gründerinnen auf ihrer Internetplattform. Studiert haben sie Betriebswirtschaft, waren Kolleginnen in einem Unternehmen, verstanden sich gut. Und dann zog Natalie Odermann in eine neue Wohnung mit Garten - ohne besondere Kenntnisse der Botanik. Im Internet fand sie jede Menge Fotos von Pflanzen. Aber keine Antworten auf die Frage: Was denn auf ihrem Grundstück gedeihen würde und welche Pflanzen Nachbarschaft mögen. "Es gibt entweder Inspiration oder Information, aber nicht beides zusammen." Wenn man nicht mit einem grünen Daumen ausgestattet ist, sei es schwierig die schönen Fotos mit dem notwendigen Wissen zu vereinbaren. Das war für ihre Kollegin Julia Hack schon leichter, hatte sie doch während des Studiums jahrelang in einer Gärtnerei gejobbt. Gemeinsam beschlossen die beiden, die Saat für ein gemeinsames Business zu legen: eine Online-Plattform für die Gestaltung von Garten, Terrasse und Balkon.

Aber erst mal holten sie sich Experten ins Team, eine Landschaftsarchitektin und ein IT-Spezialist, der die Software entwickelte, schließlich kündigten beide Frauen ihre Jobs, um sich auf die Gründung konzentrieren zu können, nun soll ihre Idee Wurzeln schlagen. Nutzer von "Green For Me" können auf der Plattform zunächst ihre grünen Vorlieben anklicken, mögen sie eher Gräservielfalt, einheimische Blütenträume oder die exotische Pflanzenwelt? Auch werden sie befragt, wie viel Licht ihr Garten bekommt, ob der Boden eher trocken oder feucht ist (mit Anleitung zum Testen) und wie viel Zeit sie denn in die Natur investieren wollen.

Sekunden später wird der Vorschlag der Landschaftsarchitektin geliefert - mit Shoppingliste zum Ausdrucken, Pflanzensteckbriefen und Pflegehinweisen. Für den Bilker Garten mit Morgensonne (und Kastanienschatten) und dem Wunsch der Bewohner nach Blütenvielfalt, rät die Fachfrau zu einem weiß-blühenden Garten, in dem weißer Riesenlauch und brauner Storchenschnabel (der trotz seines Namens weiß blüht) Akzente setzen. "Mit dem Plan muss man dann nur noch in eine Gärtnerei gehen", so Julia Hack. Das Basis-Angebot des Start-ups ist kostenlos, Geld verdienen wollen die Gründerinnen mit ihrem Premium-Paket, bei dem das Konzept individueller ist, mit detaillierten Pflanzplänen und 3-D-Animation. Spätestens im Herbst werden sie wissen, ob ihre Saat aufgeht. Doch schon bevor Green For Me an den Start ging, hatte das Unternehmen bereits Gründer-Wettbewerbe gewonnen, von den Fördermitteln wurde die Software entwickelt. Auf Sand gebaut haben die Gründerinnen ihr Geschäft offenbar nicht.

(RP)