Das Festival „Next Level“ in Düsseldorf blickt in die Zukunft der Computerspiele

Spiel-Festival : Blick in die Zukunft der Computerspiele

Das Festival „Next Level“ zeigt im NRW-Forum an diesem Wochenende zum dritten Mal die Trends der Branche.

Grieselig und geisterhaft ist der schwarz-weiße Bildschirm, auf dem Düsseldorf und der Ehrenhof von oben zu erkennen sind. Mit einigen Handbewegungen über einen ballähnlichen Controller gleitet man schwerelos über das NRW-Forum bis man genau auf dem eigenen Standpunkt landet. Dabei gibt der Körper beim Landeanflug und dem Blick auf den überdimensionierten Bildschirm tatsächlich physische Rückmeldungen, die an das Gefühl bei einem echten Flug erinnern. Geschaffen hat diese Modelllandschaft Düsseldorfs der niederländische Medienkünstler Marnix de Nijs für das Festival „Next Level“, das dieses Wochenende im NRW-Forum stattfindet.

„Ich beschäftige mich damit, wie sich die Wahrnehmung von Städten durch die digitalen Medien verändert“, erklärt de Nijs. Dabei wolle er aber nicht eine wahrheitsgetreue und farbige Darstellung der Stadt erstellen, sondern sie poetisch aufladen und dem Betrachter einen Freiraum lassen. Verstärkt wird die Empfindung des Fliegens dazu noch durch das Vibrieren des Controllers und durch musikalische Untermalung.

Doch „Ghosted Views“ ist nur ein kleiner Teil des Spielefestivals im NRW-Forum. „Bis Sonntag darf bei uns bis zum Stromausfall gezockt werden“, sagt Hausherr Alain Bieber. Bereits zum dritten Mal findet das Festival, das in Kooperation mit dem NRW-Kultursekretariat und dem Land organisiert wird, im NRW-Forum statt. Eine große Beachtung finden hier Spiele abseits der Handyspiele aus dem App­store. Das zeigt eindrucksvoll der Spieleparcours „Kein leichtes Spiel“, in dem zum Teil frustrierend schwere Spiele getestet werden können. „Die Spieleindustrie will den User möglichst lange und ohne Frust an das Spiel binden“, sagt der Kurator von „Kein leichtes Spiel“, Sebastian Quack. Dabei seien Grenzerfahrungen und Frustration in Spielen wahnsinnig interessant. Und genau diese können Zocker in einer Art Sisyphos-Spiel erleben. Mit der Maus wird eine Figur gesteuert, die einen Berg erklimmt. Beim kleinsten Fehler fällt sie bis ganz zum Anfang hinunter. „Es gibt eine sehr vielfältige Spielszene, das wollen wir hier aufzeigen. Alle Spiele, die wir hier zum Probespielen bereitstellen, werden auch über das Internet vertrieben“, sagt Quack.

Neben digitalen Spielen gibt es in „Kein leichtes Spiel“ aber auch analoge Brettspiele zum Ausprobieren und ein VR-Projekt der britischen Tageszeitung The Guardian. So kann man mit einer Virtual-Reality-Brille und O-Tönen von Häftlingen das Leben von Gefangenen in Einzelhaft in US-amerikanischen Gefängnissen nacherleben.

Die Ausstellungen im NRW-Forum werden von einer ganzen Reihe von Veranstaltungen begleitet. „Das Symposium ,Kunst und digitale Produktion’ hat sich mit Fragen der Kunstproduktion und ihrer Verwertung sowie der Vermittlung und Partizipation von digitalen Medien beschäftigt“, erklärt Martin Maruschka vom NRW Kultursekretariat. An Kinder, Jugendliche und Erwachsene richtet sich das digitale Laboratorium. Im sogenannten Makerspace können die Besucher unter Anleitung selbst kreativ werden und 3D-Druck und einen Laser-Cutter ausprobieren. „Die Next Level Academy findet am Samstag statt“, sagt Maruschka. „Im Barcamp-Format werden dann Themen abseits des Spielemainstreams bearbeitet, wie zum Beispiel Archeo­gaming, das Erkenntnisse aus der Archäologie mit den Erlebniswelten moderner Spiele kombiniert und so ganz neue Welten eröffnet.“

Zum Abschluss des Festivals am Sonntag ist von 18 bis 20 Uhr ein multimediales Konzert geplantt, bei dem das gRoBA-Orchester das Spiel „Stories: The Path of Destinies“ live vertonen wird.

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