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Düsseldorf: Das Ausland macht Schüler selbständiger

Düsseldorf : Das Ausland macht Schüler selbständiger

Bis zu 20 Prozent der Zehntklässler nehmen an Austauschprogrammen teil. Zwei berichten, was ihnen ihr Auslandsjahr gebracht hat.

Ihr Kinderzimmer gegen die Welt zu tauschen, ist der Traum vieler Jugendlicher. Sie gehen mit 15 Jahren bis zu einem Jahr in die Ferne — allein. Von einem Jahrgang des international ausgerichteten Gymnasiums in Niederkassel entscheiden sich bis zu 20 Prozent aller Schüler der zehnten Klassen für einen Auslandsaufenthalt. Mit verblüffenden Resultaten. Stefanie Theuer, Koordinatorin des Schüleraustauschs: "Sie gehen als Kinder und kehren als Erwachsene zurück."

Vor Chiara Slavescu (16) steht ein Becher für Mate-Tee, ihr liebstes Souvenir aus Argentinien. Dabei war ihr Aufbruch in die Fremde im August 2012 durchaus mit Stolpersteinen gepflastert. Drei Länder hatte sie als Wunschziel angegeben, einen Platz bekam sie in Feuerland, im äußersten Zipfel des südamerikanischen Kontinents. Vor ihrer Abreise sprach sie kein Wort Spanisch, ihre Gastfamilie sprang kurz vorher ab und musste ersetzt werden, die (experimentelle) Schule entpuppte sich als Flop: "Der Unterrichtsstoff war dürftig, außerdem lag man während der Schulstunden auf dem Boden." Aber Chiara hielt durch, wechselte die Gasteltern, später auch die Schule. Etwa 8000 Euro hat das Feuerland-Abenteuer gekostet.

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Hat sie nie daran gedacht, einfach nach Hause zu fliegen? "Das hätte ich unmöglich gefunden." Schließlich überwogen die positiven Erfahrungen: Die intensive Freundschaft zu ihrer Gastschwester, eine Reise durch Argentinien nach Buenos Aires und weiter nach Paraguay, zu der sie ihre Gastfamilie eingeladen hatte. Im Juni kehrte sie zurück nach Düsseldorf, fließend spanisch sprechend, den Kopf voller Erlebnisse. Dass sie hier das letzte Schuljahr wiederholen muss, nimmt sie hin. Anderes zählt für sie mehr: "Ich bin viel selbständiger und reifer geworden", sagt sie selbstbewusst. Und sie würde das Leben zu Hause jetzt mehr schätzen, versteht sich inzwischen sogar mit ihrem Bruder, mit dem es früher oft Streit gab. Hat sie nichts vermisst in Feuerland? "Doch das Essen, vor allem leckeres Brot."

Ute Rasch

(RP)