Düsseldorf: Dartturnier: Drei Treffer ins Schwarze und die Masse tobt

Düsseldorf : Dartturnier: Drei Treffer ins Schwarze und die Masse tobt

Einhundertachtzig. Darum geht es. Wer 180 Punkte schafft, ist König. Oder zumindest so etwas Ähnliches. Denn immer dann, wenn jemand auf der Bühne im großen Saal des Maritim-Hotels mit seinen Dartpfeilen drei mal ins Schwarze trifft und die besagten 180 Punkte schafft, rastet die Masse im Zuschauerraum aus.

Es ist Samstagabend und die "European Darts Open" sind auf ihrem Höhepunkt. Gerade steht Simon Whitlock auf der Bühne und kämpft gegen einen Gegner, dessen Name irgendwie im Gebrüll der Fans untergegangen ist, um den Einzug ins Viertelfinale des Dartturniers. Whitlock ist einer der ganz Großen im Dartsport, steht auf Platz Vier der Weltrangliste und ist neben Nummer Eins Michael van Gerwen und Adrian Lewis nur eine von vielen internationalen Größen, die zu dem Turnier nach Düsseldorf gekommen sind. Für ihn und die anderen Profis geht es um viel Geld: Insgesamt werden bei den "European Darts Open" 100 000 britische Pfund ausgespielt.

Verglichen mit dem, was sich neben der Bühne abspielt, erscheint das jedoch nachgeordnet. Denn während sich Whitlock und Co. darauf konzentrieren, den Pfeil richtig zu platzieren, findet daneben eine Party statt, die den Feiern auf Fußball-WM-Fanmeilen durchaus Konkurrenz machen könnte. Es wird gesungen, gejubelt und literweise Bier getrunken. Und immer dann, wenn einer die berühmten 180 Punkte schafft, halten die Menschen im Publikum ein Schild mit der 180 nach oben und der Lautstärkepegel vervierfacht sich mal eben.

Mittendrin sind Wolfgang Ludermann, Guido Boltem und Meinolf Ständer. Zu übersehen sind sie nicht, denn Dank selbst gebastelter Perücke und angeklebten Bärten sehen sie ihrem Idol Simon Whitlock zum Verwechseln ähnlich. "In England ist das beim Dart ganz normal sich zu verkleiden. Das ist immer eine riesige Party", sagt Meinolf Ständer. Und tatsächlich: Überall im Publikum sieht man Fans mit bunten Hüten, Perücken und sogar Ganzkörper-Kostümen. Ständer und seine Freunde besuchen häufig Dartturniere. "Wir haben das im Fernsehen gesehen und dann war's um uns geschehen", sagt er.

Aber warum Dart? Weil es eine Party ist, sagen die einen. Weil es spannend bis zum letzten Wurf ist, die anderen. Die schönste Erklärung für die Faszination für das Spiel kommt von Rod Harrington. Lange war der Brite Profi, ist heute TV-Experte und sagt: "In keiner anderen Sportart siehst du Menschen verschiedener Nationen so friedlich zusammen feiern. Hier bejubeln Deutsche die Holländer. Wo gibt's das schon?" Und irgendwie hat er recht. Wer im Publikum für wen ist, ist kaum zu unterscheiden, gejubelt wird immer. Am meisten wohl für Peter Wright aus Schottland. Denn er gewinnt am Ende das Turnier.

(lai)
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