Daimler AG: Stellenabbau - Mitarbeiter sind geschockt

Düsseldorf: Daimler-Mitarbeiter sind geschockt

Der Autobauer Daimler verlagert die Produktion von 25 000 Sprintern für den US-Markt nach Übersee. Laut IG Metall sind 1800 Arbeitsplätze in Gefahr.

Die Mitarbeiter wollen die Hoffnung aber noch nicht aufgeben.Der Vorstand der Daimler AG hat beschlossen, die Produktion von Sprinter-Bussen für den US-Markt von Düsseldorf nach Nordamerika zu verlagern.

"Wir können nur vor Ort rentabel produzieren", sagte Daimler-Produktionschef Frank Klein gestern in einer eilig einberufenen Telefonkonferenz. Zwei Stunden lang habe der Daimler-Vorstand über die Pläne für das Düsseldorfer Werk beraten. Jetzt soll in Nordamerika nach einem neuen Standort für ein Sprinter-Werk gesucht werden.

Geplant ist, den Nachfolger des heutigen Sprinter dort zu bauen, wohl ab 2018. IG-Metall-Beauftragter Volker Consoir befürchtet den Abbau von 1800 Stellen. Daimler wollte keine Zahl nennen. Durch das Ende der Zusammenarbeit mit VW und den Wegfall der US-Aufträge verliert das Werk ein Drittel seiner Aufträge. Als Grund für die Verlagerung nannte der Manager vor allem die hohen Kosten für die Zerlegung des Fahrzeugs, um einen US-Zoll zu umgehen. "Das ist keine Entscheidung gegen die Düsseldorfer Belegschaft, sondern für sie", sagte Klein weiter. Nur durch Investitionen im Ausland könnten deutsche Standorte gesichert werden.

Die Belegschaft empfindet diese Argumentation als Schlag ins Gesicht. Düsseldorf ist ein profitables Werk. Mit den hier erwirtschafteten Mitteln werden jetzt ausgerechnet Düsseldorfer Jobs abgeschafft, sagen Mitarbeiter. Betriebsratschef Thomas Weilbier will nun weiter verhandeln. Daimler hat 300 Millionen Euro an Investitionen in den Rest-Standort angekündigt. Für IG-Metaller Consoir nur eine Beruhigungspille. Zudem teilte Daimler mit, der Nachfolger des Sprinter für die EU werde weiter in der Landeshauptstadt gebaut. Sicherlich eine gute Nachricht, aber eine, die von den Beteiligten so erwartet wurde.

Die Stimmung am Werkstor war gestern angespannt. Peter Eiteljorgkam von seiner Schicht. Aufs Foto wollte der 53-Jährige nicht, aber er hatte eine Meinung: "Ich bin in einem gnädigen Alter", sagte er. "Aber für alle, die noch mehr als vier oder fünf Jahre hier arbeiten wollten, wird das bitter." Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) zeigte sich nach Gesprächen mit dem Werksleiter erleichtert, "dass es keine Standortnachteile für Düsseldorf gibt". Zu einem möglichen Abbau von Arbeitsplätzen mochte er sich noch nicht äußern, sondern die von auch Daimler angekündigten Verhandlungen mit der IG Metall abwarten. "In Düsseldorf kann Daimler nicht mehr wachsen. Wenn das Unternehmen in den USA wachsen will, muss es verlagern", so Geisel.

"Das ist bitter", sagte Grünen-Fraktionschef Norbert Czerwinski zu der Verlagerung. Nun müsse man prüfen, welche Auswirkungen das konkret für die Belegschaft und den Standort Düsseldorf habe. Dass vermutlich eine beträchtliche Zahl an Arbeitsplätzen wegfallen wird, bezeichnete FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann als "traurig und ärgerlich". Daimler müsse mit den Sozialpartnern, also Betriebsrat und Gewerkschaft, nun eine möglichst gute Lösung für die Mitarbeiter finden. Positiv findet Strack-Zimmermann, dass die Sprinter-Produktion in Düsseldorf insgesamt nicht gefährdet sei. Ähnlich argumentierte auch CDU-Fraktionsvize Andreas Hartnigk: "Natürlich ist es traurig für Düsseldorf, andererseits gilt es, die Wettbewerbsfähigkeit eines internationalen Unternehmens zu erhalten." Denn wenn das nicht gelinge und es gar nicht mehr weitergehe, sei niemandem gedient. Das Beispiel Holzmann habe gezeigt, dass es nichts bringe, einen Standort unbedingt erhalten zu wollen. "Ich sehe die Arbeitsplätze aber nicht dauerhaft verloren", sagte Hartnigk. Denn es könne gut sein, dass die Sprinter-Produktion wegen steigender Nachfrage wieder hochgefahren werden müsse.

(RP)