Nachfolger von Ulrich Lehner: Däne wird neuer Henkel-Chef

Nachfolger von Ulrich Lehner: Däne wird neuer Henkel-Chef

Der IT-Fachmann Kasper Rorsted soll ab April 2008 den Düsseldorfer Waschmittel- und Klebstoff-Konzern als Nachfolger von Ulrich Lehner führen. Er gehört der Henkel-Geschäftsführung erst seit einem Jahr an.

Düsseldorf Geräuschlos, unaufgeregt und schnell - so trifft das Familienunternehmen Henkel seine Top-Personalien am liebsten. Und auch diesmal hat sich der Gesellschafterausschuss unter Führung von Familienpatriarch Albrecht Woeste ohne laute Begleitmusik auf den 44-jährigen Dänen Kasper Rorsted als neuen Henkel-Chef ab 2008 geeinigt.

Mit dem gebürtigen Dänen wird zum ersten Mal ein IT-Spezialist Chef des Düsseldorfer Markenartiklers. Das ist durchaus als Programm zu sehen. Denn die Markenprodukte von Henkel - Persil, Dixan, Pril, Pattex oder Pritt - laufen fast von allein. "Das Thema Innovation und Kosteneffizienz steht deshalb ganz im Mittelpunkt der kommenden Jahre", findet etwa Sven Dopke, Chemie-Analyst beim Bankhaus M.M.Warburg in Hamburg.

Für solche Themen bringt Ror-sted, der im April 2008 nach der Hauptversammlung den langjährigen Henkel-Chef Ulrich Lehner ablösen soll, die besten Voraussetzungen mit. Er ist zwar erst 2005 in die Geschäftsführung des Düsseldorfer Konzerns gewechselt. Davor hat er aber mehrfach in der Computerindustrie bewiesen, dass er in Prozessen zu denken versteht.

Sein Meisterstück legte er bei der Fusion der beiden PC-Riesen Compaq und Hewlett Packard ab. Als Europa-Chef war er für die Zusammenlegung der beiden Geschäftsbereiche auf dem alten Kontinent verantwortlich und baute in kurzer Zeit eine neue Einheit mit 40000 Mitarbeitern und 20 Milliarden Euro Umsatz auf.

  • Wellem-Medaille : Jonges ehren Ulrich Lehner
  • Korrektur : "Jonges ehren Ulrich Lehner"

Gedankt wurde ihm die Aufbau- und Integrationsleistung nicht. Die exzentrische Chefin von Hewlett Packard, Carly Fiorina, schickte ihn zusammen mit anderen Managern in die Wüste, als die Kapitalmärkte die gestiegene Umsatz- und Ergebnis-Leistung als zu gering einstuften. Damit war Rorsted wieder auf dem Markt. Henkel-Firmenpatriarch Woeste griff damals zu, als ihn Personalberater auf den aufstrebenden Dänen aufmerksam machten. Schon damals dachte Woeste offenbar an einen Nachfolger für Ulrich Lehner (60), der 2008 aus Altersgründen aufhören wird.

Beim Henkel-Konzern selbst ist Rorsted neben der Informationstechnologie auch für das Personal, den Einkauf und die Einsatz- und Prozessplanung zuständig, die im Betriebswirtschafts-Jargon auch Supply Chain genannt wird. "Er hat damit einen breiten Überblick über das Unternehmen", meint ein Insider.

Gemessen wird Rorsted aber vor allem an den Ergebnissen. Henkel hat ehrgeizige Ziele für seine Gewinn-Marge. Spätestens im Jahr 2008 will der Konzern eine Umsatzrendite von zwölf Prozent erwirtschaften (2005: zehn Prozent) und das Ergebnis je Aktie jährlich um zehn Prozent steigern. Rorsted wird deshalb Organisation und Prozessabläufe deutlich verändern müssen, um diese Vorgaben zu erreichen.

Schon zum Januar 2007 wird Rorsted in der Geschäftsführung zum Stellvertreter Lehners aufrücken und noch stärker als bisher das gesamte operative Geschäft des Konzerns bestimmen. Der Däne lebt schon seit Jahren in Deutschland, beherrscht die Sprache sehr gut und pendelt zwischen den Wohnsitzen Düsseldorf und München, wo er zuletzt als Compaq- und HP-Manager tätig war. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und hält im Fußball außer zu Dänemark auch zum FC Bayern München.

(RP)
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