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ARD-Empfang gestört: DAB+: Digitalradio stört weiter

ARD-Empfang gestört : DAB+: Digitalradio stört weiter

Das digitale Antennenradio DAB+, das seit 1. August bundesweit ausgestrahlt wird, bleibt ein Ärgernis: Weil die digitale Antennenfrequenz die gleiche ist wie die analoge ARD-Frequenz im nordrhein-westfälischen Kabelnetz, ist in der Nähe der Sendemasten der Empfang des ersten Programms weiter gestört.

Kabelnetzbetreiber Unitymedia verteilt an seine betroffenen Kunden gratis Antennenanschlusskabel, die besser gegen die Einstrahlung der digitalen Radiowellen abgeschirmt sein sollen.

Bei der Fülle von Nachfragen "kann der Versand schon einmal länger dauern", sagt Unitymedia-Sprecher Johannes Fuxkötter. Und obwohl Unitymedia als Kabelnetzbetreiber die Störung nicht zu verantworten habe, das Kabelgeschenk als "Beweis unserer Servicequalität gedacht" war, richtet sich der Unmut der Kabelkunden nun gegen den Netzbetreiber. Zumal es für Hausbesitzer, deren Verteilanlage von DAB+ gestört wird, keine Gratiskabel gibt.

Bevor Hauseigentümer nun ihre gesamte Verkabelung erneuern, rät Haus & Grund, erst einmal einen Techniker mit der Überprüfung zu beauftragen, um die Kosten niedrig zu halten. Sauer sind die Eigentümer trotzdem, und auch Verbandsjurist Werner Fliescher versteht nicht ganz, warum der Schutz gegen DAB+ zu Lasten der Hausbesitzer gehen soll. "Es kann doch nicht sein, dass da plötzlich ein Störsender auftaucht und nicht für die Kosten, die er in bis dahin funktionierenden Anlagen verursacht, haftet." Haus & Grund will sich deshalb nun schriftlich an den Betreiber des Digitalen Antennenradios DAB+ wenden — auch wenn viele Empfangsprobleme durch den Austausch von Anschlussdosen zu beseitigen seien. "Letztlich sind auch das Kosten, die ohne die Störung durch den Sender nicht nötig gewesen wären."

Unterdessen stört DAB+ in Düsseldorf nicht bloß den ARD-Empfang, sondern auch den Funkverkehr von Polizei und Feuerwehr. Bei beiden ist seit dem 1. August der Zwei-Meter-Band-Bereich eingeschränkt, jener Funk, über den die Einsatzkräfte den Kontakt zu Kollegen im Fahrzeug oder den Leitstellen halten. Den zu verlieren, kann vor allem für Feuerwehrleute im brennenden Gebäude lebensgefährlich sein. Wenn sie denn überhaupt dorthin kommen: Auch die Alarmpiepser der Feuerwehrleute können durch das digitale Antennenradio beeinträchtigt werden.

Dessen Betreiber teilte unserer Zeitung gestern mit: "Das Problem der möglichen Beeinträchtigung von Sprechfunkgeräten wurde vom Sendernetzbetreiber und der Polizei untersucht. Es konnten Lösungen gefunden werden, die das Problem minimieren. Daher gehen wir momentan nicht davon aus, dass es zu einer Senderabschaltung oder Sendeleistungsverringerungen kommt."

Diese Aussage sorgte im Landesamt für zentrale polizeiliche Dienste (LAZPD), das seit Wochen mit der Bundesnetzagentur am Funk-Problem arbeitet, für Erstaunen. "Wir haben teilweise die Frequenzen für den Polizeifunk geändert", sagte LAZPD-Sprecherin Heidi Lichtenhagen. "Bei polizeilichen Großlagen müssen wir engen Kontakt mit der Netzagentur halten." Eine dauerhafte Lösung des Funkproblems könne das aber "sicher nicht" sein.

(RP)