CSD in Düsseldorf: Regenbogen-Marsch für mehr Toleranz

CSD in Düsseldorf : Regenbogen-Marsch für mehr Toleranz

Unter dem Motto "Die Welt gehört uns allen" feierte Düsseldorf am Wochenende den Christopher Street Day. Auch wenn Schwule und Lesben jetzt heiraten dürfen, gibt es noch immer Missstände - wie das Stiefkind-Adoptionsverfahren.

Laut tönten die Bässe aus den Lautsprechern. Menschen tanzten auf der Straße, bliesen in ihre Trillerpfeifen und freuten sich über Konfetti-Kanonen. Etwa 2000 Teilnehmer in rund 35 Gruppen waren gekommen, um beim Christopher Street Day, kurz CSD, für sexuelle Gleichberechtigung zu demonstrieren. Vereine, Parteien, die Lehrer-Gewerkschaft, die Awo und Mitarbeiter des Sponsors Vodafone zeigten den Zuschauern laut und bunt, was ihnen am Herzen lag. Mittendrin die Travestie-Künstlerinnen Käthe Köstlich und Nina Nussig, die in einem Cabrio chauffiert wurden. Von der Friedrich-Ebert-Straße aus ging es über die Kö, durch die Altstadt bis zum Johannes-Rau-Platz. Organisatorin Betti Tielker war zufrieden. "Alles lief glatt. Zum ersten Mal haben wir für eine kleine Kundgebung alle zusammen auf dem Schadowplatz Halt gemacht. Das war ganz toll."

Auch wenn im vorigen Jahr die Gleichstellung der Ehe eingeführt wurde, gäbe es noch vieles, was geändert werden müsse, so Tielker. So sah das auch Ann Katscher, die sich mit ihrer Regenbogen-Familie die Demonstration ansah. "Wir wollen auf die Missstände aufmerksam machen, die auch nach der Eheerlaubnis noch bestehen." Lesben hätten beispielsweise keine Möglichkeiten, Samenbanken zu nutzen. Insbesondere das Stiefkind-Adoptionsverfahren störte die 35-Jährige. "Es ist nicht richtig, dass ein Kind, obwohl es in einer Ehe geboren wurde, von einem Elternteil adoptiert werden muss", fand Katscher. "Da muss rechtlich was geändert werden."

Viele Zuschauer fühlten sich bei der Demo an Karneval erinnert. So war denn auch der erste Eyecatcher der Demonstration der Mottowagen der Karnevalsgesellschaft Spiesratze. Diese hatten sich beim Rosenmontagszug mit ihrem Wagen für die Ehe für alle eingesetzt. Der Wagen hatte den Organisatoren so gut gefallen, dass sie darum gebeten hatten, ihn für die CSD-Parade verwenden zu dürfen. Statt Jecken saßen allerdings die CSD-Maiköniginnen auf dem Gefährt. Natürlich war auch der größte schwul-lesbische Karnevalsverein Deutschlands mit seinem Wagen dabei. Die KG Regenbogen begeisterte die Zuschauer mit ihrer gewohnten Fröhlichkeit und wurde laut bejubelt.

"Für mich ist das Ganze auch wie Karneval, nur mit einem politischen Motto", fand Nico Timm, der mit seinen Freunden zur Parade gekommen war. "Das Tolle ist, dass man hier einfach frei sein kann", setzte sein Freund Henning hinzu. "Wir können hier eine Seite zeigen, die man sonst nicht so präsentieren kann, weil man komisch angeschaut wird, wie wenn man beispielsweise Nagellack trägt." Es sei schade, dass viele Menschen immer noch mit so vielen Vorurteilen und vorgefertigten Bildern auf Homosexuelle reagieren würden, fanden die Jugendlichen. "Es ist bedauerlich, dass man diese Demo überhaupt als politisches Statement braucht", meinte Helene Forstmann. Es sei doch schöner, wenn man einfach nur feiern könne. Kaum war der Zug vorüber, zogen die Zuschauer zum Johannes-Rau-Platz.

Sänger Enkelson präsentierte dort das erste Mottolied des CSD, das wie das Hauptmotto "Die Welt gehört uns allen" heißt. Die amtierende Maikönigin des Düsseldorfer CSD fand den Platz hier als Veranstaltungsort ganz gut gewählt, "es wäre aber schöner, wenn das Ganze etwas zentraler stattfinden würde. Dann gäbe es mehr Laufkundschaft", fand die Drag-Queen, die noch einen Kritikpunkt hatte: "Die Stadt zeigt zu wenig Flagge und könnte sich mehr beteiligen." Trotzdem sei es im Vergleich zu Köln in Düsseldorf viel entspannter und kommunikativer.

(RP)
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