Düsseldorf: Coworking wird immer beliebter

Düsseldorf: Coworking wird immer beliebter

Statt Büros dauerhaft zu mieten, gibt es gut ausgestattete Arbeitsplätze, die nur für eine begrenzte Zeit bezogen werden können.

Entstanden sind sie im Silikon Valley. Inzwischen haben sich Coworking Spaces auch in Düsseldorf etabliert - Tendenz steigend. Sie sind als Arbeitsform beliebt; Start-ups, Freelancer und Kreative mieten sich einen zeitlich flexiblen Arbeitsplatz - gerne in einem offenen Büro - und nutzen so den Vorteil des Zusammenarbeitens, also des Coworkings.

Im Satellite Office an der Kö gibt es ein Kaminzimmer. Gründerin Anta Gödiker setzt auf Premium-Raum. Foto: satellite office

Nach Angaben der Wirtschaftsförderer gibt es derzeit knapp 50 solcher Center, die rund 80.000 Quadratmeter Flächen bieten - Tendenz steigend. Und die nächste Eröffnung steht ins Haus - "Spaces" im Andreas Quartier. Zum Vergleich: In London sind es derzeit mehr als 1100 Standorte mit gut 700.000 Quadratmeter Fläche.

Schrille Farben, Sofas und Gemeinschaftstische - in der schönen neuen Arbeitswelt ist vieles möglich, was einst undenkbar schien. Martijn Roordink, Mit-Gründer von Spaces, der neuen Regus-Linie, geht noch weiter. "Wir schaffen gestylte Bürowelten, die an Wohnzimmer oder WG-Küchen erinnern." Unter dem Motto "welcome home, oops, we meant welcome to work", will "Spaces" professionelle Arbeitsumgebung mit modernster Technik und dem Komfort von zu Hause bieten. Noch wird in den Räumen gewerkelt, aber Ende Juni ist die Eröffnung der 50 Büros und vier Konferenzräume geplant.

Vorreiterin der schönen neuen Arbeitswelt ist Anta Gödiker. Als eine der ersten hat sie 1997 das Konzept der Business Center von Amerika auf den deutschen Markt gebracht und "Satellite Office" eröffnet. Seitdem entwickelt sie mitten in den Zentren von Hamburg, Berlin, München, Zürich und neu im Girardet-Haus an der Kö Premium-Raum für flexible Arbeitsplätze in denkmalgeschützten Immobilien. Mieter sind Rechtsanwälte, Coaches, Unternehmensberater, Politiker oder kreative Projektteams innovativer Konzerne. Das Ambiente stammt aus verschiedenen Designschmieden, vieles ist maßgeschneidert. So können auf einem Bildschirm im Konferenzraum die Mieter etwas schreiben, das sofort auf den Geräten der Kollegen weltweit sichtbar wird, mit denen sie gerade in einer Live-Konferenz sind.

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Bedenken, dass die neuen Mieter flügge werden, teilt die Unternehmerin nicht. Die Zeiten seien vorbei, als kleine Start-ups mit günstigen Arbeitsplätzen starten mussten und später in eigene Büros gezogen sind. Heute sind die Orte so kreiert, dass sie auch höchsten Anforderungen entsprechen. "Bis zur Sekretärin, dem eigenen Café, dem Kaminzimmer und der Dachterrasse."

"Der Bedarf an Coworking Spaces wird in Düsseldorf in den nächsten Jahren rasant wachsen", davon ist Christiane Kubny, IHK-Referentin für Existenzgründung und Unternehmensförderung, überzeugt. Und jedes neue Center wird so individuell sein wie seine Mieter. So wie das "Super7000". Der Name ist Programm: 7000 Quadratmeter eines Hinterhofareals zwischen Rather Straße und Bahntrasse werden zu einem Ort der Zusammenarbeit umgebaut. Als "die Mutter aller Coworking Spaces" bezeichnet Silke Roggermann die neue "Spielwiese" in Derendorf. Die Transformation des Gebäudekomplexes hat Architekt und Kunstakademie-Direktor, Karl-Heinz Petzinka zusammen mit Philipp Bilke und Micky Damm vom Bau-Kunstkollektiv N222 übernommen. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie möchten Leute heutzutage arbeiten? Im "Super7000" sind Büroeinheiten und Konferenzräume durch Garagentore voneinander getrennt. "Architektur-Sampling" nennen es die Baukünstler von N222 - und die Tore stammen aus der abgerissenen "Garage Bilk".

Es ist ein Anliegen der Betreiber und Architekten, der Eigentümer um Professor Petzinka und einer Gruppe von Investoren, dass auf der Rather Straße ein Ort für Neues wächst. Auf dem Gelände soll die historisch gewachsene Atmosphäre aus Kopfsteinpflaster, Graffiti, Proberäumen und Clubs erhalten bleiben, wobei parallel spannende, laute und raue Räume entstehen.

Düsseldorf scheint ein gutes Pflaster für Coworking Spaces zu sein. Für Anita Gödiker war die Stadt "in unserer Wachstumsskala" nur folgerichtig. "Eines unserer Alleinstellungsmerkmale ist, dass wir immer in historischen, revitalisierten Stadtpalais zu finden sind. Außerdem sind viele unserer Kunden im Mode- und Designbereich tätig."

(dh)