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Covid-19-Patientin erzählt: "Corona ist nicht wie eine normale Grippe"

Düsseldorferin übersteht Virus-Erkrankung : „Corona ist nicht wie eine normale Grippe“

Birgit Schentek ist 54 Jahre alt und hat keinerlei Vorerkrankungen. Trotzdem kam die Düsseldorferin mit Covid-19 auf die Intensivstation. Sie erzählt, wie es ihr heute geht und mit welchen Folgen sie immer noch zu kämpfen hat.

Ich habe mich Anfang März mit dem Coronavirus infiziert – mir aber zuerst nichts dabei gedacht. Mein Mann und ich sind sehr aktiv im Karneval und tragen danach eigentlich jedes Jahr eine Erkältung mit uns herum. So auch, als wir mit unserer Tochter ins Allgäu gefahren sind. Traditionell verbringen wir einen Tag unseres Urlaubs im Paznauntal und machen anschließend einen Après-Ski-Stopp in Ischgl . Auch diesmal: Am 6. März waren wir für zweieinhalb Stunden in der Trofana Alm – wie man später erfahren sollte, ein absoluter Hotspot. Damals wussten wir davon nichts, die Stimmung in der Bar war super.

Ein paar Tage später sind wir zurückgefahren, da hatte ich einen leichten Husten – habe das aber auf die noch nicht auskurierte Erkältung geschoben. In der Woche waren wir auf einem Geburtstag, haben Freunde getroffen und waren beide im Büro. Das war die Woche, in der entschieden wurde, die Kitas zu schließen – als Verwaltungsleiterin einer Kirchengemeinde hatte ich alle Hände voll zu tun. Am Wochenende ging es mir dann aber deutlich schlechter, den Sonntag habe ich komplett im Bett verbracht und das erste Mal überlegt, ob es doch Corona sein könnte. Montags haben wir dann das Gesundheitsamt angerufen, um uns testen zu lassen – weil wir kein Fieber hatten, wurde das aber abgelehnt. Eine Entscheidung, die mich bis heute wütend macht.

Nach Rücksprache mit unserem Hausarzt haben wir uns trotzdem erst einmal in Quarantäne begeben. Kurz darauf hatte ich dann „endlich“ Fieber – dann hieß es vom Amt aber plötzlich, es gebe keine Testkapazitäten für nicht systemrelevante Berufe. Ich habe mich derweil immer schlechter gefühlt, hatte hohes Fieber und Atemnot, sodass mein Mann irgendwann den Krankenwagen gerufen hat. Der Sanitäter kam im Vollschutzanzug ins Zimmer, das war wie im Horrorfilm, und hat die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen – und die war so schlecht, dass ich sofort Sauerstoff bekommen habe und ins Augusta-Krankenhaus eingeliefert wurde. Dort wurde ich dann endlich auf Corona getestet und schon am nächsten Tag auf die Intensivstation verlegt. Es hieß, ich sollte ins künstliche Koma versetzt werden und beatmet werden – das wollte ich aber auf keinen Fall. Meine Mutter ist mit 55 Jahren an einer Meningitis im künstlichen Koma gestorben, ich habe deshalb große Angst davor.

Um das zu umgehen, habe ich mehrere Tage lang immer wieder für einige Stunden eine Art Maske getragen, über die ich Sauerstoff bekommen habe. Das war anstrengend, hat aber funktioniert. Ich wurde hervorragend betreut, die Pfleger haben mir zum Beispiel Polster unter die Maske gelegt, damit ich keine Druckstellen bekomme. Dazu habe ich Übungen gemacht, mit den Armen gekreist, konnte das künstliche Koma umgehen und die Intensivstation nach ein paar Tagen verlassen.

Insgesamt lag ich 17 Tage lang im Krankenhaus. Besonders schlimm war, wegen des Besuchsverbots so viel allein sein zu müssen. Heute geht es mir wieder gut, ich konnte aber bis Juli nicht voll arbeiten gehen und nehme immer noch blutverdünnende Medikamente, weil ich zwischendurch Thromben in der Lunge bekommen habe. Außerdem bin ich je nach Tagesform immer noch kurzatmig, mein Mann hat seit seiner Infektion Bluthochdruck. Corona ist nicht mit einer normalen Grippe zu vergleichen, die Begleiterscheinungen und Folgeschäden sind oft viel gravierender. Angst vor einer erneuten Infektion habe ich nicht, achte aber natürlich darauf, Abstand zu halten und Maske zu tragen. Dass manche sich nicht an die Regeln halten, kann ich nicht verstehen – und die sogenannten Corona-Leugner machen mich einfach nur wütend. Die Situation ist für alle schwierig, aber wir müssen dieses Virus ernstnehmen.

Protokolliert von Marlen Keß.