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Coronavirus in Düsseldorf - Stadt schließt Einrichtungen mit Bürgerkontakt

Reaktionen auf die Corona-Ausbreitung : Stadt Düsseldorf schließt Einrichtungen mit Bürgerkontakt

Die Stadt Düsseldorf schließt Museen, Sportanlagen und viele andere Einrichtungen. Für die Kitas gibt es einen Notfallplan. Die Stadtspitze ruft Senioren auf, zu Hause zu bleiben – und nicht die Kinderbetreuung zu übernehmen.

Das Coronavirus bringt das öffentliche Leben in Düsseldorf fast vollständig zum Erliegen – eine beispiellose Situation. Unmittelbar nach der Pressekonferenz von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Freitagnachmittag reagierte die Düsseldorfer Stadtspitze und verkündete zusätzlich zur Pause für Schulen und Kitas auch die Schließung fast aller kommunalen Institutionen mit Bürgerkontakt. Darüber hinaus wurde ein Notfallplan für die Kindertagesstätten vorgestellt.

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hatte eine flächendeckende Absage von Großveranstaltungen oder Schulschließungen lange kritisch gesehen. Nun folgt die Stadt der Linie von Bund und Land – und schließt Kultureinrichtungen, Sportanlagen, Volkshochschule, Büchereien, Bürgerhäuser und Seniorenzentren. Die Sportvereine werden aufgefordert, ihre Anlagen zu schließen, und können Schulsporthallen und -bäder nicht mehr nutzen. Auch der Betrieb der Bürgerbüros wird weitgehend eingestellt.

Vor 72 Stunden sei noch nicht vorstellbar gewesen, wie dynamisch sich das Geschehen entwickelt, so Geisel. Insbesondere ältere Menschen müssten vor Infektionen geschützt werden und möglichst „alle sozialen Kontakte vermeiden“, warnte er. Der Chef der städtischen Bädergesellschaft, Roland Kettler, will laut Stadtdirektor Burkhard Hintzsche die Bäder bislang nicht schließen. Er wolle auf eine Verfügung warten. Hintzsche, der als Sportdezernent für die Bäder verantwortlich ist, geht aber von einer Schließung aus. „Es ist jetzt nicht geboten, die Bäder offen zu lassen.“ Auch das politische Leben kommt zum Erliegen: Die für Montag geplante Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ist abgesagt.

Der Betrieb an den Schulen wird bis zum 19. April eingestellt. Montag und Dienstag wird für den Übergang noch eine Betreuung sichergestellt. Auch alle Kitas stellen nach der Weisung des Landes den Betrieb ein. Dort werden nur noch Kinder von Menschen in „systemrelevanten Berufen“, also vor allem dem Gesundheitswesen, betreut. In jeder der 367 Kitas in Düsseldorf soll es je eine Notgruppe geben. Dies habe die Stadt am Freitag kurzfristig als erste Lösung beschlossen. Laut Hintzsche sollen die Menschen zunächst selbst einschätzen, ob sie zur Zielgruppe gehören. Wie auch Ministerpräsident Laschet betonte Geisel, dass eine Betreuung durch die Großeltern nicht empfehlenswert sei, um diese nicht zu gefährden.

Die Schüler sollen trotzdem lernen. Am Comenius-Gymnasium will man die weitere Entwicklung tagesaktuell im Auge behalten und sich ab Montag mit der Frage beschäftigen, wie die einzelnen Jahrgangsstufen mit Unterrichtsmaterialien und -inhalten bis zu den Osterferien versorgt werden können. Das Albert-Einstein-Gymnasium hatte sich bereits als top-ausgestattete iPad-Schule auf eine mögliche Schließung vorbereitet. Der Unterricht wird auf Online-Betrieb umgestellt. „Wir machen die Schule komplett zu und bieten auch keine Notgruppen an. Die Schüler durften ihre iPads zum ersten Mal mit nach Hause nehmen und wir machen nun einen virtuellen Unterricht“, sagt der Schulleiter des Gymnasiums der Jüdischen Gemeinde, Michael Anger. Über eine App werden Lehrer, Schüler und Eltern vernetzt, können kommunizieren und Materialien austauschen.

Thorsten Graeßner, Schulpflegschaftsvorsitzender an der Hulda-Pankok-Gesamtschule, hält die Entscheidung der Landesregierung für richtig: „Auch wenn die Betreuung der Kinder jetzt manchmal schwierig wird.“ Graeßner selbst hat das Glück, im Home Office arbeiten zu können. „Aber das ist nicht die Allgemeinheit. Deshalb brauchen wir für Kinder, deren Elternteile beide berufstätig sind und nicht von zu Hause aus arbeiten können – oder wenn ein Elternteil alleinerziehend ist und arbeiten geht –, temporäre Betreuungen. Erschwerend kommt ja hinzu, dass die Großeltern, die sonst gerne einspringen, ausdrücklich nicht helfen sollen.“

Weitere neue Entwicklungen zu Corona in Düsseldorf:

Hotline für Hilfen Senioren sollen nach Möglichkeit zu Hause bleiben. Wer Unterstützung etwa für die Versorgung mit Lebensmitteln braucht, kann sich an eine Hotline der Stadt wenden: 0211-8998999. Sie ist ab Samstag montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr und samstags von 8 bis 14 Uhr besetzt und wird in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden organisiert.

Rheinbahn Busse und Bahnen öffnen an Haltestellen seit Freitag alle Türen. Die bessere Durchlüftung geschehe auf Empfehlung des Robert-Koch-Instituts zur Corona-Vorsorge, so das Unternehmen. Anders als in anderen Städten, ist der Einstieg in Busse durch die Vordertür weiter möglich. Etwa in Berlin ist diese Tür gesperrt, um die Fahrer zu schützen. In der Rheinbahn-Belegschaft führt die Entscheidung dem Vernehmen nach zu einiger Kritik.

Marathon Der Metro-Marathon ist zwar erst für den 26. April angesetzt, steht aber offenbar kurz vor der Absage oder einer Verlegung in den Herbst. Das wurde zumindest am Freitag am Rande der Pressekonferenz im Rathaus verkündet. Die Veranstalter dementierten das allerdings am Abend.

Umweltspur Kuriose Überlegung: Einige Bürger haben gefordert, die Umweltspuren auszusetzen. Denn diese sollen einen Anreiz zur Nutzung von Bus und Bahn geben. Besonders gefährdete Personen sollen den ÖPNV aber derzeit nicht nutzen. Geisel will das für die Zukunft nicht ausschließen, hält es aber für unnötig: Durch den Shutdown reduziere sich der Verkehr ohnehin deutlich. „Es gab heute schon keine Staus vor der Umweltspur.“

Hilfsfonds Der Zusammenbruch des öffentlichen Lebens stellt viele Firmen vor eine existenzielle Bedrohung. Geisel kündigte an, dass die Stadt einen Hilfsfonds auflegen wird, der zunächst mit 500.000 Euro budgetiert wird. Er soll Insolvenzen in der Überbrückungszeit vermeiden, bis Bundes- und Landeshilfen ausgezahlt sind.

Justiz Auf Freispruch wegen Corona kann keiner hoffen: Weder im Justizzentrum am Oberbilker Markt noch bei den Arbeits-, Finanz- und Sozialgerichten am Hauptbahnhof musste bislang ein Prozess ausgesetzt werden. Aber alle acht Gerichte haben ihr Krisenmanagement aktiviert. Das Verwaltungsgericht will seine Caféteria an der Bastionstraße ab Montag für auswärtige Besucher schließen. Im Oberlandesgericht (OLG) bitten seit neuestem Schilder im Eingangsbereich zur Begrüßung um „Lächeln statt Handschlag“.