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Corona-Krise: Kontroverse Debatte um Tests in Düsseldorfer Pflegeheimen

Corona-Krise : Debatte um Tests in Düsseldorfer Pflegeheimen

Köln testet das gesamte Heimpersonal, Düsseldorfer Träger sehen das kritisch. Die Kontroverse ist spannend, denn 69 Pflegekräfte ohne erkennbare Symptome wurden in der Dom-Stadt bislang positiv getestet. Sie hätten zu einer Gefahr für die Bewohner werden können.

Die Liga der Düsseldorfer Wohlfahrtsverbände, deren Mitglieder zahlreiche Alten- und Pflegeheime betreiben, stehen einer vorsorglichen Testung von Mitarbeitern auf das Corona-Virus skeptisch gegenüber. „Die Pflegekraft, die heute negativ getestet wurde, kann zwei Tage später infiziert sein. Ein solches Ergebnis ist immer nur eine Momentaufnahme und müsste, um wenigstens teilweise effektiv zu sein, ständig wiederholt werden“, sagt Liga-Sprecher und Caritas-Chef Henric Peeters.

Der Liga gehören in der Landeshauptstadt neben der Caritas auch das Deutsche Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt, die Diakonie, der Paritätische sowie die Jüdische Gemeinde an.

Spannend in diesem Zusammenhang ist, dass der Kölner Stadtdirektor und Düsseldorfer CDU-Oberbürgermeister-Kandidat Stephan Keller vom genauen Gegenteil überzeugt ist und für den Erfolg einer präventiven Strategie auch Belege liefern kann.

„Wir haben bis zum Donnerstag dieser Woche 3500 der insgesamt 7500 Mitarbeiter, die in den Kölner Altenheimen arbeiten, auf das Corona-Virus sowie auf Antikörper geteset, immerhin 69 dieser Pflegekräfte wurden positiv getestet ohne erkennbare Symptome zu haben“, sagt Keller. Zwar böten auch Reihenuntersuchungen keine absolute Garantie, „aber wir haben diese 69 Infizierten umgehend in die Quarantäne geschickt. Ohne Test hätten sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einige der ihnen anvertrauten Bewohner infiziert“.

Weitere 400 bis 500 Pflegekräfte würden in der kommenden Woche pro Tag getestet. „Und wenn wir alle 7500 Mitarbeiter erfasst haben, beginnen wir von vorne“, kündigt der frühere Düsseldorfer Dezernent, der vor drei Jahren als Stadtdirektor nach Köln wechselte, an.

Peeters, der sich am Donnerstag mit den Spitzenkräften der anderen Sozialverbände zur einer Sitzung getroffen hatte, ist dagegen davon überzeugt, dass es „vollkommen vertretbar“ ist, nur Mitarbeiter zu testen, die mindestens ein Symptom aufweisen oder aber Kontakt zu möglicherweise Infizierten hatten. Eine Reihentestung ohne Grund könne kontraproduktiv sein, „weil sie eine Sicherheit vortäuscht, die es gar nicht gibt“.

Für die in Düsseldorf bislang angewandte Strategie spreche zudem, dass bis auf die Infektionen im Dorothee-Sölle-Haus in Oberkassel bislang in keinem weiteren Haus, das von den Trägern der Liga betrieben werde, positive Tests gemeldet worden seien.

Ähnlich schätzt das auch die Stadt ein. „Da eine Testung von asymptomatischen Personen laut Gesundheitsamt nicht zielführend ist, sollte dies vorerst nur bei Personen vorgenommen werden, die mindestens ein Krankheitssymptom zeigen sowie gegebenenfalls bei besonderen Gruppen wie Mitarbeitern im medizinischen Bereich“, teilte ein Sprecher am Nachmittag mit.

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