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Corona-Krise in Düsseldorf: Gastronomen protestieren mit leeren Stühlen

Mahnwache vor dem Rathaus : Düsseldorfer Gastronomen protestieren mit leeren Stühlen

Mit der Aktion vor dem Rathaus wollten die Wirte auf ihre angespannte wirtschaftliche Situation in Folge der Corona-Krise hinweisen. Von der Politik fordern sie nun finanzielle Hilfen und vor allem einen Fahrplan für eine Wiedereröffnung.

Mit rund 400 leeren Stühlen protestierten am Freitag 120 Gastronomen vor dem Düsseldorfer Rathaus. Die unbesetzten Stühle waren Symbole für die aktuell leeren Plätze in den Restaurants und Kneipen, die wegen der Corona-Krise geschlossen bleiben müssen. Die Wirte fordern deshalb von der Politik weitere Hilfen sowie einen klaren Fahrplan, wie und vor allem wann ihre Betriebe wieder öffnen dürfen.

Vorbild für die Mahnwache war eine ähnliche Aktion, die in der Vorwoche in Dresden stattfand. Neben Düsseldorf beteiligten sich an diesem Freitag auch zahlreiche andere Städte an dem Protest. Die Lage für die Gastronomen werde immer prekärer, erzählte Giuseppe Saitta, örtlicher Vorsitzender des Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und Inhaber von drei Lokalen. „Wir brauchen jetzt zuverlässige Aussagen“, sagte er. Das betreffe nicht nur ein mögliches Datum für die Wiedereröffnung, wofür die NRW-Landesregierung offenbar Mai ins Auge gefasst hat, sondern auch ein Konzept, wie der Betrieb der Restaurants dann aussehen soll.

Dabei geht es zum Beispiel um den Abstand zwischen den Tischen, der insbesondere Betrieben mit kleinen Gasträumen zu schaffen machen würde. In Saittas Osteria blieben in diesem Fall von knapp 60 Plätzen nur noch 20 übrig. „Damit ist dort kein profitabler Betrieb möglich“, so Saitta. Auch eine Öffnung für wenige Stunden, wie es zu Beginn der Corona-Krise an Mittagen möglich war, helfe nicht. Die Betriebskosten seien damals höher gewesen als der Ertrag.

Nicht viel besser sieht das beim Außer-Haus-Verkauf aus, wie Kerstin Rapp-Schwan berichtet. „Es lohnt sich marginal“, sagt sie. Die Umsatzausfälle durch die Zwangsschließung könne somit nicht ansatzweise ausgeglichen werden. Sämtliche Rücklagen und selbst die Altersvorsorge würden durch die Corona-Krise wegbrechen. Auch Frank Engel, Pächter an den Kasematten, steht unter Druck. Normalerweise schaffe er mit den Einnahmen aus dem Sommer ein Polster für die geringeren Erträge im Winter. Somit werden die jetzigen Umsatzausfälle auch noch lange in den Winter hineinwirken. Zwar habe er wie Kerstin Rapp-Schwan einen Kredit zur Überbrückung bekommen, doch auch der will irgendwann zurückbezahlt werden. „Ich stopfe ein Loch mit dem nächsten“, sagt er.

Deshalb fordern die Gastronomen neben einer baldigen Wiedereröffnung auch mehr finanzielle Unterstützung der Politik. Es könne nicht sein, dass Konzernen wie Tui und Lufthansa geholfen werde, aber die Wirte im Stich gelassen würden. „Wir sind ja auch ein Teil des Bildes und der Kultur der Stadt“, so Engel.

Einen kleinen Erfolg konnten die Wirte jedoch bereits vor der Aktion erzielen:  Ab dem 1. Juli soll nach Entscheidung des Koalitionsausschusses in Berlin die Mehrwertsteuer für Speisen für ein Jahr auf sieben Prozent reduziert werden. Diese Regelung gilt allerdings nicht für Getränke, wodurch insbesondere Barbesitzer kaum Vorteile dadurch haben werden. Und ausreichen, da sind sie sich alle einig, werde auch diese Maßnahme ohnehin nicht.

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