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Corona-Krise in Düsseldorf: Eltern und Schüler kritisieren frühzeitige Schulöffnung scharf

Corona-Krise in Düsseldorf : Eltern und Jugendliche üben harsche Kritik an frühzeitiger Schulöffnung

Eltern und Schüler in Düsseldorf fordern von der Landesregierung Vorrang für den Gesundheitsschutz und einen Verzicht auf verbindliche Abschlussprüfungen.

Gedacht als faires Angebot an junge Prüflinge, die womöglich jede Chance nutzen wollen, ihren Notenschnitt zu verbessern, löst die frühe (Teil-)Öffnung der Schulen in NRW bei Eltern und Heranwachsenden durchweg negative Reaktionen aus. „Prüfungen sind als eine nicht unabdingbare Ansammlung von Menschen ein unnötiges Infektionsrisiko“, stellt der Jugendrat fest. Der ab kommenden Donnerstag geplante Vorbereitungsunterricht verschärfe dieses Risiko nur.

Hinzu komme die enorme Belastung in der Coronakrise. „Gerade bangen zahlreiche Schüler mit ihren Eltern um deren Existenz. Viele Arbeitsplätze und damit auch der Familienunterhalt sind gefährdet.“ Deshalb sei der Verzicht auf verbindliche Abschlussprüfungen in diesem Jahr die einzig richtige Entscheidung.

Die Einschätzung des Jugendrats teilt auch die Düsseldorfer Bezirksschülervertertung (BSV). „Sind Prüfungen nur möglich, wenn am kommenden Donnerstag die Schulen wieder öffnen, sollte man besser auf sie verzichten. In diesem Fall fordern wir für 2020 einen Abschluss ohne Prüfungen, denn unter diesen Verhältnissen solche Prüfungen absolvieren zu müssen, ist für niemanden zu verantworten“, meint BSV-Mitglied Sander Hinsch. Hinzu komme, dass noch niemand wirklich genau wisse, wie der Neustart für die älteren Jahrgänge konkret umgesetzt werden soll. „Die Regierung hat in unseren Augen diese große Verantwortung einfach in die Hände der überforderten Schulen und Schüler gegeben“, bemängelt Hinsch.

Scharfe Kritik übt auch Andrea Lausberg-Reichardt, Vorsitzende der Elternschaft Düsseldorfer Schulen (EDS). Der Unmut der Eltern sei enorm, die Stimmung nach den Pressekonferenzen am Mittwochabend komplett gekippt. „Niemand kann verstehen, warum unser Bundesland hier vor dem 4. Mai eigene Wege gehen will“, sagt sie.

Nicht von ungefähr nehme sich die Kultusministerkonferenz bis zum 29. April Zeit, belastbare Hygienekonzepte zu erarbeiten. „Gesundheit muss Vorrang haben“, sagt die Mutter eines Abiturienten. Darüberhinaus gebe es unzählige Probleme im Detail. So müssten einige Schüler noch Vorabi-Klausuren schreiben. „Ein Abitur auf Basis bereits erbrachter Noten ist für mich deshalb die gerechteste Lösung“, betont Lausberg-Reichardt.

Auch Oberbürgermeister Thomas Geisel mahnt: „Jetzt ist das Land am Zug. Was noch fehlt, ist eine Weisung mit praktischen Hinweisen zur Durchführung des Unterrichts.“

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