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Düsseldorf: Clowns, Magier und Tier-Projektionen

Düsseldorf : Clowns, Magier und Tier-Projektionen

Das neue Programm "Storyteller" des Circus Roncalli hatte Premiere am Robert-Lehr-Ufer. Traditionelle Zirkus-Kunst hält Chef Bernhard Paul hoch, bei dem neuen Programm setzt er aber auch auf digitale Technik.

Vielleicht denken Sie ja, beim Zirkus kommt es auf die Akrobatik an, auf perfekt eingeübte Nummern, den entscheidenden Salto mehr und dazu einen ordentlichen Schuss Clownerie. Es ist ja auch nicht so, dass Bernhard Paul und sein Zirkus Roncalli darauf verzichten, im Gegenteil - sie haben nur verstanden, dass ihre Zuschauer eigentlich für etwas anderes kommen. Nämlich um überrascht zu werden und ein wenig davongetragen, für ein paar Stunden Staunen - und eine Dosis Glitzer. Das finden sie dick aufgetragen? Vielleicht, aber auch das gehört ja zum Zirkus dazu

Im neuen Programm "Storyteller. Gestern - heute - morgen", das jetzt im Zelt im Rheinpark Premiere hatte, bietet Roncalli Zirkuskunst quer durch alle Genres und mischt nostalgische Blicke auf die Klassiker der Manege mit moderner Unterhaltung, man muss wohl sagen: Entertainment. Da sind, auf der einen Seite, etwa die "Queens of Baroque" Vivian Paul und Natalia Rossi, die an einem überdimensionalen Kronleuchter hoch über der Manege spektakuläre Akrobatik zeigen. Der fingerfertige Magier Mike Chao, der auf die leiseren Töne setzt, still lächelnd seine Karten- und Kugel-Tricks zeigt, seine Finger verknoten sich nie, die Augen der Zuschauer aber schon. Oder die Ikarier, vier junge Männer aus Ecuador, die einander temperamentvoll durch die Luft schleudern und zwischen den Sprüngen mit breitem Lächeln die Herzen der Besucher erobern. Ein einziges Mal landet einer mit Karacho daneben, er hat sich offenbar wehgetan, macht aber weiter, begleitet von warmem Applaus. Bei so viel Perfektion und Präzision wie an diesem Abend ist ein kleiner Patzer mehr als verzeihlich, er wirkt als Beweis: Es ist alles echt.

Und da sind, auf der anderen Seite, die modernen Nummern, die wahren Überraschungen. Wie die aufwendige neue Holografie-Technik, mit der goldfarbene Pferde auf ein fast transparentes Tuch projiziert werden und darauf im Kreis um die Manege galoppieren, wie es Zirkuspferde nun einmal tun, auch die digitalen. Roncalli ist seit dieser Saison, so hat es Bernhard Paul zur Begrüßung verkündet, komplett tierfrei: "Sie werden aber trotzdem Tiere sehen. Das ist Zauberei." Und so folgen auf die Pferde noch hochauflösende Goldfische und leicht durchsichtige Elefanten - und dann kommt, jenseits der Holografie, ein riesiges Schlachtross, in dem Artisten stecken und es so anmutig und realistisch bewegen (Hufeklappern inklusive), dass man zweimal hinschaut. Etwas offensichtlicher sind die Menschen in den Dickhäutern, die nach der Pause zur "Elefantenreprise" ins Zelt trotten. "Ich bin's, der Koch", raunt einer den verspäteten Gästen zu, die am Eingang warten, und das ist er wirklich, aber wie so viele hat er hier mehrere Aufgaben, und er macht die eine wohl so gern wie die andere.

Die wirklichen Stars des Abends sind die, die die Menschen zum Lachen bringen. Viele Clowns gehören zum aktuellen Programm, und kein Auftritt ist wie der andere. Die Zuschauer lieben Eddy und Anatoli, die sich gemeinsam an einer Zaubernummer versuchen, die dann freilich nicht sonderlich geheimnisvoll ausfällt, aber die beiden sind zufrieden. (Kleiner Spoiler: Wenn Anatoli von einem Ort zum anderen gezaubert werden soll, achten Sie mal auf die riesige Beule im Teppich!) Oder Kai Elkermann als lebender Cola-Automat, der mit seinen Mensch-Maschine-Bewegungen nicht von dieser Welt zu sein scheint. Und da ist der junge Chistirrin aus Mexiko, der sofort zum Publikumsliebling Nummer Eins avanciert. Vielleicht, weil er in seiner Nummer so hartnäckig, so ungeniert und dreist (und erfolgreich) um Aufmerksamkeit kämpft, wie mancher von uns es sich gerne auch mal trauen würde. Nur dass der Clown zu diesem Zweck auch alle möglichen Instrumente beherrscht und tanzen kann und Flickflacks springen und so kunstvoll hinfallen, dass man jedes Mal denkt: Diesmal war's echt. Er steht trotzdem jedes Mal wieder auf, und am Ende darf er im großen Finale sogar poetisch werden und singen. Da hat er eh längst alle im Sack.

Am Ende: Begeisterter Applaus.

(RP)