Cirque Bouffon Düsseldorf Simon Gatzweiler Platz Heerdt

Cirque Bouffon: Die Magie des Mondes

Der Cirque Bouffon erschafft in seinem neuen Programm „Lunatique“ eine zauberhafte Welt voller Kunst, Können und Komik.

Dem Vollmond hängt seit Jahrtausenden ein Mythos an, und es soll Menschen geben, bei denen das in der Nacht ungewohnt helle Licht zu Schlafstörungen oder gar zum Schlafwandeln führt. „Lunatique“, das neue Programm des Cirque Bouffon, das im Chapiteau auf dem Simon-Gatzweiler-Platz in Heerdt eine umjubelte Premiere feierte, wirkt dagegen wie eine den häufig unruhigen Geist des modernen Menschen entschleunigende Schlaftherapie. Mit reichlich zirzensischer Poesie angereichert, wirkt sie bei jedem, gleich ob Kind oder erwachsen, der sich einen Sinn für den Zauber alter Gaukler-und Narren-Kunst bewahrt hat und sich von der körperlichen Schwerelosigkeit atemberaubender Akrobatik, perfekter Jonglage, umwerfender Komik sowie einer mal temperamentvollen, mal sanften und beseelten Musik in eine andere sinnliche Welt entführen lassen will. In eine Zirkuswelt, in der es nicht nach Sägespänen riecht, weil die einzigen Tiere, die im Cirque Bouffon vorkommen, ein künstlicher Goldfisch im Glas sowie drei gelbe Spielzeug-Enten sind, die der urkomische Clown Gregor Wollny mit ein wenig peitschender Nachhilfe durch einen Reifen springen lässt.

Das verrückte „Lunatique“ benötigt nicht den penetrant lauten Tusch der Höher-schneller-weiter-Zirkus-Ideologie, wie er in modernen Darbietungen so oft zu finden ist. Direktor und Regisseur Fréderic Zipperlin, der drei Jahre mit dem kanadischen Cirque du Soleil tourte, kennt bessere, leisere, schönere Rezepte, um wundersames Fasziniertsein in der Manege zu erzeugen. Als Rahmen dient die Geschichte eines Schlafwandlers (Sasha Koblikov), der sich kaum auf den Beinen halten kann und auch mitten im spannendsten Geschehen schon mal einnickt. Man weiß es nicht genau, ob er die einzelnen Darbietungen verschläft – da hätte er tatsächlich einiges verpasst! – oder unterbewusst doch alles mitbekommt. Später schafft er es jedenfalls schlafwandlerisch sicher, jonglierend zehn Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten.

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Die Artistik am Vertikalseil sowie Multichords von fünf jungen Frauen in weißen Nachthemden fasziniert nicht nur wegen der anmutigen Bewegungen, sondern entlockt dem Publikum auch schon mal ein erschrockenes „Uuaaah“, wenn ein spektakulärer Absturz in die Tiefe droht, der jedoch stets in letzter Sekunde, gekonnt und mit der nötigen Eleganz, abgefangen wird. Ein Programmhöhepunkt ist sicherlich auch der Auftritt des Norwegers Chris Pettersen am Schlappseil sowie mit der Schweizer Partnerin Mara Aline Zoe an der rotierenden Leiter. Musikalisch wird das Ganze teils mit schnellen, folkloristisch inspirierten Rhythmen des nicht nur instrumental, sondern auch in Sachen Komik versierten Trios mit Sergej Sweschinskij (Komponist, Kontrabassist und musikalischer Leiter des „Lunatique“-Programms), Sergej Lukow (Knopfakkordeon) sowie Adam Tomaszewski (Xylophon und Perkussion) untermalt. Mit einem überwiegend getragenen, unter die Haut gehenden Gesang bildet Christine Gogolin, die Sopranistin hatte bereits 2011 im Apollo einen großen und viel beachteten Auftritt, einen stimmungsvollen Gegenpol. Die zwölfköpfige Truppe agiert absolut homogen, sodass hautnahes Zirkuserleben im liebevoll mit zahlreichen skurrilen Antiquitäten ausstaffierten Chapiteau kein leeres Versprechen ist. Und so kommt es, dass das begeisterte Publikum nach den Nummern nicht nur frenetisch jubelt, sondern das Finale gemeinsam mit den Artisten feiert. Ein magischer Abend, auch wenn am Tag nach Neumond kein Mond am Himmel zu sehen war.

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