Düsseldorfer Wahlkreis 107: CDU-Ratsfrau gegen SPD-Parteichef

Düsseldorfer Wahlkreis 107: CDU-Ratsfrau gegen SPD-Parteichef

Der Bundestagswahlkreis 107, auch Düsseldorf II genannt, reicht von Bilk bis zum südlichen Stadtrand. Mit Sylvia Pantel (CDU) und Andreas Rimkus (SPD) treten für die großen Parteien zwei Neulinge an. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Um Sylvia Pantel zu beschreiben, reicht ein Blick in ihre vergangene Woche: Am Sonntag war sie, wie es sich für eine Düsseldorfer Christdemokratin gehört, beim Wahlkampfauftakt mit Kanzlerin Merkel im ISS Dome. Ihre Familie, gleichzeitig ihr Wahlkampfteam, war ebenfalls dort. Was vermutlich für alle ein Glück war, denn in genau dieser Zeit brannte es im Hause Pantel in Wersten. Das Einfamilienhaus ist unbewohnbar, Sylvia Pantel und ihr Mann Rolf schlafen im Wintergarten, bis wieder alles hergerichtet ist.

Andreas Rimkus. Foto: Bretz, Andreas (abr)

All das hielt die Ratsfrau aber nicht davon ab, am Montag den Wahlkampf fortzusetzen, bei einer Diskussion im Zakk auf dem Podium zu sitzen und spätnachts noch schriftlich Wahlfragen zu beantworten. Den Brand und die Unannehmlichkeiten hängte Pantel nicht an die große Glocke. So was macht sie mit sich selbst aus — und natürlich mit ihrer Familie. Die ist groß, Pantel ist Mutter von fünf erwachsenen Kindern. Einige davon leben im Ausland, die anderen müssen jetzt helfen, das Haus auf Vordermann zu bringen. Denn am späten Abend des 22. September steigt dort die große Wahlsiegparty.

Pantel hat keinen Zweifel daran, dass sie den Wahlkreis direkt gewinnt, obwohl sie zum ersten Mal für das Parlament kandidiert. Aber das ist bei ihrem SPD-Mitbewerber Andreas Rimkus auch so. Anders als er hat sie aber einen völlig aussichtslosen Platz auf der Landesliste ihrer Partei. Sie muss siegen. Die Prognosen sehen für sie seit Wochen einen knappen Vorsprung. Leicht wird es jedoch nicht. Gilt doch der südliche Wahlkreis eher als SPD-Revier. Doch Pantels Vorgängerin, Beatrix Philipp (CDU), die nach 19 Jahren aus dem Bundestag ausscheidet, hat den Wahlkreis 2009 auch direkt geholt. Am nötigen Selbstbewusstsein und Kampfgeist mangelt es Pantel nicht.

Zur Politik kam die 52-Jährige über ihr Engagement in Bürgerinitiativen — für Schülertickets, Schulsanierungen und bedürftige Kinder. Schulpolitik ist bis heute eines ihrer wichtigsten Themen. Ebenso wie die höhere Rente von Müttern, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. Hat Pantel eine Position, behauptet sie die, auch wenn sie die Masse gegen sich hat — oder die eigenen Parteifreunde. Das hat viele zu erbitterten Gegnern gemacht. Manche werfen ihr vor, rücksichtslos den Weg zum eigenen Erfolg zu gehen, andere monieren — wie auch bei ihrem Kandidatenkollegen Thomas Jarzombek (CDU) — keine abgeschlossene Ausbildung zu haben. Doch Pantel lächelt das weg. Sie ist stolz auf das, was sie geleistet hat: Kinder bekommen, nebenbei nachts Zeitungen ausgefahren, das Haus gebaut. Vize-Fraktionschefin ist sie nicht mehr, dafür Vize-Parteichefin. Die Frauen Union in Düsseldorf führt sie an, ist Mitglied des Landesvorstands und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Auch wenn ihre konservativen Positionen nicht allen gefallen. Selbst politische Gegner loben ihre Fairness und Standfestigkeit.

www.sylvia-pantel.de

So richtig trifft sein Wahlplakat Andreas Rimkus nicht: Ernst blickt er, trägt Anzug und Krawatte, dahinter das neue Lila, das seine Partei, die SPD, gewagt mit dem traditionellen Rot verknüpft. Rimkus ist mehr Rot als Lila. Was nicht heißt, dass er sich der Moderne verschließt. Im Gegenteil. Der 50-Jährige twittert, postet fleißig bei Facebook, hält seinen Internetauftritt aktuell, meldet sich dort vor der Kamera seines Senders zu Wort — den er selbstironisch "Rote Socke TV" nennt.

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Dennoch ist der Familienvater mit tiefen Düsseldorfer Wurzeln ein Genosse, der die 150-jährige Tradition seiner Partei verkörpert wie heute nur noch wenige in dem knapp 3000 Mitglieder zählenden Düsseldorfer Unterbezirk. An dessen Spitze steht Rimkus seit zweieinhalb Jahren — und hat die bis dahin tief zerstrittene Partei wieder zu einer Einheit gemacht. Unzufriedene gibt es natürlich noch immer, aber die Zeit der offenen Grabenkämpfe ist seitdem vorbei.

Weil der Chef endlich wieder einer aus dem Arbeitermilieu ist? Vermutlich. Rimkus ist Elektromeister, Stadtwerker, Betriebsrat. Er spricht die Sprache der sozialdemokratisch Sozialisierten, die noch immer in den Arbeitervierteln von einst leben, im bescheidenen Häuschen, zwischen Awo und Ortsverein, mit der Sehnsucht nach Solidarität und Gerechtigkeit.

Auch Rimkus lebt mit seiner Frau und den zwei Kindern in einem Häuschen — genossenschaftlich, versteht sich. Ein Modell, das er sich noch häufiger beim Wohnungsbau in Düsseldorf wünschen würde. Denn das, so ist er überzeugt, würde das Wohnen für viele erschwinglicher machen. Preiswerter Wohnraum ist seit Jahren sein Thema — und er hat es richtig gesetzt. Längst treffen die steigenden Mieten in der an Einwohnern wachsenden Stadt Düsseldorf (wie auch in anderen deutschen Großstädten) die mittleren Einkommen. Die Bundes-SPD hat das sogar ins Zentrum des Bundestagswahlkampfs gerückt. 30 Prozent sozial geförderten Wohnraum fordert Rimkus verbindlich für Neubauprojekte. Das Konzept, das CDU, FDP und Grüne im Rathaus für mehr bezahlbaren Wohnraum erarbeitet haben, sieht flexible Regelungen vor. Dem Ratsherrn Rimkus reichte das nicht. Mit seiner Fraktion verweigerte er die Beteiligung an dem Konzept — und beraubte sie damit auch der Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Nicht jeder Genosse hatte dafür Verständnis.

Rimkus ist heimatverbunden, Bilker, Fortune, Mitglied in Heimat-, Schützen- und Karnevalsvereinen. Überzeugter Schrebergärtner. Und ausgestattet mit reichlich Humor: Durch den Wahlkampf fährt er mit einem rot lackierten Mini-Trecker einer Friedhofsgärtnerei. Begraben hat er die Hoffnung trotz dürftiger Umfragewerte seiner Partei jedoch nicht. Holt er den Wahlkreis nicht direkt, zieht vielleicht sein Platz 19 auf der Reserveliste.

www.andreas-rimkus.de

(RP)
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