1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

CDU Düsseldorf wählt Stephan Keller zum Spitzenkandidaten für OB-Wahl

Parteitag in Düsseldorf : CDU wählt Stephan Keller mit 98 Prozent zum Spitzenkandidaten

Der Düsseldorfer hielt auf dem Parteitag eine kämpferische Rede und inszenierte sich als Gegenentwurf von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Fraktionschef Rüdiger Gutt fiel bei seiner Kandidatur für einen Wahlkreis durch, bei Annelies Böcker gab es ein sehr spannendes Rennen.

Die Delegierten der Düsseldorfer CDU haben sich nahezu komplett hinter Stephan Keller als Herausforderer von OB Thomas Geisel gestellt. Der 49-jährige Jurist erhielt auf dem Wahlparteitag am Samstag von 279 gültigen 274 Ja-Stimmen, nur fünf Delegierte stimmten gegen ihn. Die Zustimmung von 98,2 Prozent folgte auf eine engagierte Rede, in der Keller zu vier Punkten konkrete Ausführungen machte, zudem jedoch immer wieder Geisel angriff – ohne ihn namentlich zu nennen.

Als Schlüsselerlebnis, das zu seiner Kandidatur führte, nannte Keller eine Fahrt mit dem Fahrrad von Wersten, wo er wohnt, über die Witzelstraße in Richtung Innenstadt. Dort hätten viele Autofahrer im Stau gestanden, die in diesem Moment „sicher ,Danke Geisel‘ dachten“, meinte Keller. Die Umweltspur dagegen sei eine leere Geisterspur gewesen. An deren Rand habe eine Gestalt mit einem Pappplakat gestanden, das sei Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) gewesen, „die auf die Straße gegangen war, um gegen ein Projekt zu demonstrieren, das sie selbst mit beschlossen hat“.

Die Konkurrenz war hinreichend attackiert, auch „der grüne Zeitgeist“, so dass sich Keller dann als der Neue präsentieren konnte, der mit den etwaigen Fehlentwicklungen in Düsseldorf nichts zu tun hat, die Stadt gleichwohl gut kennt, weil er in ihr lebt und hier Verkehrsdezernent war.

Kellers Leitmotiv war der Begriff Gemeinsamkeit. Mit einem großen Team will er den Wahlkampf führen und die Stadt regieren. Breite Beteiligung ist für ihn auch nötig, um Herausforderungen wie die Verkehrswende zu meistern. In all dem stellt sich Keller gegen Geisel, dem er Bevormundung der Bürger (Umweltspur), Alleingänge und hektischen Aktionismus vorwirft. Keller, aktuell Stadtdirektor in Köln, erntete immer wieder Applaus und auch Begeisterung – er hatte die mit rund 300 Personen gefüllte Aula des Comenius-Gymnasiums in Oberkassel im Griff.

Der Spitzenkandidat machte deutlich, wo er Akzente setzen möchte. Bei der Bildung will er „Düsseldorf in die Champions League“ führen, dazu gehören Digitalisierung und auch saubere Schultoiletten. Für Familien soll es mehr preiswerten Wohnraum geben, aber Keller verlangt „auch Ehrlichkeit“ und spricht von Grenzen des Wachstums, sprich: Düsseldorf soll nicht immer weiter zugebaut werden.

Rüdiger Gutt verlor gegen Rainer Kretschmann. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Gleichzeitig tritt er für massive Investitionen in den Radwegebau und den Ausbau des ÖPNV ein und fordert Mut für innovative Lösungen bis hin zu Flugtaxis in naher Zukunft. „Die Zeit ist reif für die Verkehrswende, das Geld ist da“, meinte er. Allein das Land stelle 900 Millionen Euro für die Wende, er wolle dafür sorgen, dass Düsseldorf davon viel erhalte. Verdoppelt werden soll das Personal des Ordnungs- und Servicediensts, das wären unter einem OB Keller dann rund 300 Uniformierte der Stadt.

Während Stephan Keller ohne Hürden nominiert wurde, erlitt CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt eine herbe Niederlage. Im Osten war er im Vorfeld gegen Hanno Bremer unterlegen, nun verlor er in Derendorf/Golzheim auch gegen Rainer Kretschmann, der satte 70 Stimmen Vorsprung hatte.

Und dann zeigte sich, wie die CDU mit ihren Altgedienten umgeht: Die kämpferische Annelies Böcker (80) wollte Stefan Golißa (42), Bezirksbürgermeister im Norden, wegen ihres Alters verdrängen. Böcker, seit 45 Jahren im Stadtrat, verteidigte ihre Position mit zwei Stimmen Vorsprung. Der Jung-Unternehmer Missagh Ghasemi schaffte es nicht, Hanno Bremer (75) abzulösen. Bremer siegte mit zehn Stimmen Vorsprung. Der Rückhalt der „alten Schlachtrösser“ war auch deswegen groß, weil sie schon lange an der Basis eine gute Politik machen und Zeit für die Menschen und ihre Anliegen haben. Sie waren vorab auch mit deutlichen Voten ihrer Ortsverbände ausgestattet worden.

Rüdiger Gutt verzichtete darauf, auf einen guten Platz auf der Reserveliste zu kandidieren. Dies hätte ihm noch eine Chance auf den Wiedereinzug in den Stadtrat eröffnet. Seine politische Karriere ist damit im Herbst vorerst beendet.