Zeltstadt am Mörsenbroicher Ei: Cavalia - ein Besuch beim Pferdevolk

Zeltstadt am Mörsenbroicher Ei : Cavalia - ein Besuch beim Pferdevolk

Die weiße Zeltstadt am Mörsenbroicher Ei beherbergt knapp 60 Pferde. Sie werden jeden Tag bewegt und trainiert, während die zweibeinigen Artisten sich auf ihren Auftritt vorbereiten. Wie Pferdetrainer Frédéric Pignon mit seinen Tieren arbeitet, ist selbst für Fachleute verblüffend.

Gracil macht seinem Namen alle Ehre. Zierlich die Bewegungen, mit denen der goldfarbene Hengst sich um seinen Trainer, Frédéric Pignon, dreht. Auf einen Wink des schmalen Mannes mit den langen Haaren wendet das Pferd, geht im Spanischen Schritt oder piaffiert. Hebt Pignon die Stimme, hebt sich der Hengst auf die Hinterbeine. Lockt er ihn, kommt er und reibt seine Nüstern an Pignons Gesicht.

Das Pferd trägt kein Halfter, keinen Zaum, es bewegt sich frei - und zwar inmitten einer kleinen Reitbahn, in der es von Pferden wimmelt, die gerade geritten werden.

Anderswo undenkbar, denn freie Pferde sind meist unkontrollierte Pferde. Im Trainingszelt von Cavalia, der Pferdeshow am Mörsenbroicher Ei, ist es jedoch Alltag. Sehr kontrollierter Alltag. Pignon arbeitet mit seinen Hengsten in der Mitte der Bahn, während die Mitglieder seines Teams ihn umrunden. Es ist, als sei der Lusitano Gracil über unsichtbare Schnüre mit Pignon verbunden. Geht der Mann weg, folgt der Hengst - und steht wartend neben ihm, während der Franzose etwas mit seiner Frau Magali Delgado bespricht.

Dann bekommt der bildschöne Gracil eine Zahnfleisch-Massage: "Das mag er so gern, dass er eines Abends nicht auf die Bühne gehen wollte", erzählt Trainerin Magali. "Ich hatte ihn vorher massiert, um ihn zu beruhigen - und er wollte mehr davon."

Im Moment will sich Gracil aber mal näher ansehen, was seine Kollegen um ihn herum so machen: Er dreht sich um und läuft zu seinem Erzfeind, einem Quarter-Horse-Hengst, der noch nicht lange beim Pferdevolk von Cavalia ist. Was in jedem normalen Reitstall mit einer bösen Keilerei enden würde, erstickt Frédéric hier mit einem Ruf und einer Handbewegung: Gracil merkt auf und konzentriert sich sofort wieder auf seinen Menschen.

Nicht zu fassen.

Kein Wunder, dass ausgewiesene Fachleute von einer besonderen "Gabe" sprechen, mit der das Paar Pignon-Delgado gesegnet ist - und die es akribisch fortgebildet und ausgefeilt hat. Mit Gestik, Mimik und fast unmerklichen Lauten sprechen sie mit ihren Rössern.

In der Zwischenzeit haben Estelle Delgado - Magalis Schwester - und Mathieu Pignon - sein Bruder - ihre Pferde bewegt und die anderen 13Reiter unauffällig beaufsichtigt. Auch Magali hat ihren Schimmel Dao trainiert - am Halsring hat sie ihn in den Lektionen der Hohen Schule geritten. Eine Performance, die Pferd und Frau auch in der Show zeigen, die nun im vierten Jahr tourt und aus Kanada kommt.

"Hier in Düsseldorf", erzählt Frédéric, "merken wir jeden Abend, dass die Leute etwas von Pferden und der Reiterei verstehen. Wir merken am Applaus, an den Reaktionen des Publikums, dass es weiß, welche Arbeit dahintersteckt. Offenbar sind wir hier in einer Pferderegion - das ist fantastisch, denn es ist längst nicht überall so."

120 feste Mitarbeiter hat Cavalia inzwischen - aus Amerika, Australien und Europa kommen sie. Hinter den Kulissen der Pferdeshow wird französisch und englisch, spanisch und russisch gesprochen, flämisch ist zu hören, auch polnisch.

20 Reiter und 17 Pferdepfleger bilden allein das Team rund um die Tiere. Hinzu kommen 35 Artisten, die für die spektakulären Einlagen auf dem Boden, dem Pferderücken und unter dem Zeltdach sorgen.

Gerade wärmen sie sich unter der Aufsicht von Cheftrainer Frédéric Barette auf. Der hat selbst lange bei der Show geturnt und gibt sein Können nun weiter. Zum Beispiel an Vitali und Philippe, bei deren Salti dem Zuschauer der Atem stockt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pferdeshow Cavalia gastiert in Düsseldorf