1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Bundestagswahl: Diese Düsseldorfer haben es nach Berlin geschafft

Bundestagswahl 2021 : Diese Düsseldorfer haben es nach Berlin geschafft

Die Landeshauptstadt wird im neuen Parlament mit fünf Abgeordneten vertreten sein. Die beiden Direktmandate gewannen Andreas Rimkus (SPD) und Thomas Jarzombek (CDU), über Liste zogen Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Zanda Martens (SPD) und Sara Nanni (Grüne) ein. Alle Abgeordneten im Kurzporträt.

Thomas Jarzombek (CDU) Er ist einer der erfahrenen Abgeordneten aus Düsseldorf und hat sich auch in Berlin schon seine Schwerpunkte gesucht: Thomas Jarzombek, Kreisvorsitzender der Düsseldorfer CDU, gewann 2009 erstmals das Direktmandat im nördlichen Wahlkreis 106 seiner Geburtsstadt und ist seitdem durchgehend im Parlament vertreten. Bevor er sich ganz auf die Politik konzentrierte, verdiente er sein Geld als IT-Unternehmer.

Der 48-Jährige ist sowohl Beauftragter der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt als auch Start-up-Beauftragter des Wirtschaftsministeriums – und für diese Themen setzt er sich besonders ein. Unter anderem hat er hat den Fonds über 30 Milliarden Euro für die Gründerszene maßgeblich mit auf den Weg gebracht.

Auch in Düsseldorf bewegen ihn diese Themen naturgemäß am meisten,  hier hat er ebenfalls die Rahmenbedingungen für junge Start-ups im Blick. Auch der Verkehr in der Landeshauptstadt steht weit oben auf dem Themenzettel des engagierten Radfahrers: Im Wahlkampf erregte Jarzombek Aufsehen mit seinem Vorschlag einer Fahrrad-Hochstraße über das Mörsenbroicher Ei.

  • Vorläufiges amtliches Endergebnis : SPD holt Südkreis – Grüne über 20 Prozent
  • Wer hat wo die meisten Zweitstimmen geholt? : Tops und Flops der Parteien in Nordrhein-Westfalen
  • Bundestagswahl 2021 Ergebnisse : Das sind die vorläufigen Ergebnisse im Wahlkreis Düsseldorf I
  • Bundestagswahl 2021 Ergebnisse : SPD wird im Wahlkreis Düsseldorf II stärkste Kraft - Andreas Rimkus holt das Direktmandat
  • Bundestagswahl 2021 in Solingen und Remscheid : Ingo Schäfer (SPD) gewinnt Direktmandat
  • Wahlsieger Rainer Keller (Mitte) umgeben von
    „Bin überwältigt“ : SPD-Politiker Rainer Keller gewinnt den Wahlkreis Wesel I

Nach der erfolgreichen Wiederwahl, die diesmal im Vorfeld weniger klar schien als bei vorangegangenen Wahlen, dürfte für den Politiker der nächste Wahlkampf schon in Sichtweite sein.

Denn in der Düsseldorfer CDU ist die Stimmung seit dem Hoch im Kommunalwahlkampf merklich abgekühlt. Das wird wohl auch beim Wahlparteitag zu merken sein, der wegen Corona vorerst verschoben wurde.

Andreas Rimkus (SPD)  Es ist nur ein paar Wochen her, da schien Andreas Rimkus auf dem sicheren Weg in die politische Rente. Als Vorsitzender des Düsseldorfer SPD-Verbands hatte er sich bereits nach dem desaströsen Ergebnis bei der Kommunalwahl zurückgezogen.

Und die Chancen auf einen Wiedereinzug in den Bundestag schienen nach zwei Wahlperioden angesichts der notorischen Schwäche der SPD gegen Null zu gehen. Dann winkte für den 58-Jährigen plötzlich doch wieder Berlin. Am Ende distanzierte er im Südkreis die bisherige Mandatsträgerin Sylvia Pantel von der CDU klar und holte für seine Partei zum ersten Mal seit 2005 ein Direktmandat in der Landeshauptstadt.

Nicht zum ersten Mal erlebte er die Aufs und Abs des politischen Betriebs hautnah mit: Bei der Bundestagswahl 2017 musste er länger als alle anderen Abgeordneten zittern und kam als letzter Nachnominierter zum Zug.

Im Parlament hat sich Rimkus vor allem mit Energie- und Verkehrsthemen befasst, vor allem mit  Wasserstoff-Antrieben, in denen er große Chancen sieht. Das Themengebiet liegt bei seinem beruflichen Werdegang nahe: Der Elektriker hat sein gesamtes Berufsleben bei den Düsseldorfer Stadtwerken verbracht und war dort für elf Jahre Betriebsrat.

Er ist in Oberbilk aufgewachsen, lebt in Bilk, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Rimkus betont seinen nichtakademischen Werdegang – schließlich ist er im Politikbetrieb fast ein Alleinstellungsmerkmal: Rimkus war der einzige Handwerksmeister der SPD-Fraktion in der vergangenen Wahlperiode.

Mit dem Mandat ist eine tragende Rolle bei der Neuaufstellung der Düsseldorfer SPD nach der Ära Geisel verbunden. In der Parteispitze hat er zwar kein Amt mehr, als einer der bekanntesten und am besten vernetzten Sozialdemokraten bleibt er aber einflussreich.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP)  Die Szene, die aus ihren ersten vier Jahren im Bundestag vielleicht am meisten in Erinnerung bleiben wird, zeigt Marie-Agnes Strack-Zimmermann übernächtigt, ernst und schweigend. Sie ist zu sehen neben Parteichef Christian Lindner, als er am 19. November 2017 das Aus für die Gespräche mit CDU und Grünen verkündet und sagt: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“

In der zweiten Amtszeit als Bundestagsabgeordnete könnte die Düsseldorfer FDP-Frontfrau gleich wieder an Koalitionsgesprächen beteiligt sein – und bringt möglicherweise sogar den einen oder anderen Tipp aus Düsseldorf mit. Dort hat sie im Stadtrat bereits mit der CDU regiert (was sie für Berlin besser fände), aber auch in einem Ampel-Bündnis mit SPD und Grünen.

Die große Erfahrung in der Kommunalpolitik gilt als einer der Gründe, warum Lindner sie in die erste Reihe holte, als die Liberalen nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag im Jahr 2013 einen Neuanfang brauchten.

Für Kommunales ist Strack-Zimmermann auch in der Bundestagsfraktion zuständig, an Profil gewann sie aber vor allem durch ihr anderes Thema: die Verteidigung. Nach dem katastrophalen Scheitern des Afghanistan-Abzugs etwa kritisierte sie die Bundesregierung scharf. Sollten die Liberalen bald selbst mitregieren, könnte das auch einen Karriereschritt für die 63-Jährige bedeuten, die mit der Politik 1999 in der Bezirksvertretung in Gerresheim angefangen hat. Vereinzelt wird sie sogar als Ministerin gehandelt.

Bis jetzt hat sich Strack-Zimmermann bewusst für einen Spagat zwischen Düsseldorf und Berlin entschieden – auch wenn ihre Kandidatur als Oberbürgermeisterin gescheitert ist. Sie führt den Parteiverband und hat auch ihr Ratsmandat behalten.

Zanda Martens (SPD) Als überzeugte Vertreterin klassischer SPD-Positionen darf Zanda Martens bezeichnet werden, die den Kampf für den Erhalt guter Arbeitsplätze weit oben auf ihrer Themenliste hat. Die 36-Jährige, die in Lettland geboren ist und aus einer Arbeiterfamilie stammt, trat als relative Newcomerin bei dieser Bundestagswahl an.

Erst seit 2018 ist sie Mitglied der SPD (ist aber bereits deren stellvertretende Vorsitzende in Düsseldorf), kandidierte bei der jüngsten Kommunalwahl erstmals (und erfolglos) für den Stadtrat. Außerhalb der eigenen Partei war sie nur wenigen ein Begriff. „Ich bin keine Selbstdarstellerin und lege Wert auf verlässliche Politik“, sagt die 36-Jährige über sich selbst – und legte entsprechend mehr Wert auf Inhalte als darauf, als Person bekannt zu werden.

Mit ihrem klaren Eintreten für ihre Positionen hat sie sich im Wahlkampf aber einen Namen gemacht. Und während man ihr im traditionell konservativ wählenden Düsseldorfer Nord-Wahlkreis geringere Chancen einräumte (auch wenn die Prognosen sich mit der Zeit mehr in ihre Richtung verschoben), konnte sie sich auf der Landesliste den als durchaus aussichtsreich geltenden Listenplatz 28 sichern. Wegen des starken SPD-Ergebnisses im Bund zieht sie deshalb erstmals in den Bundestag ein.

Dort möchte Martens die SPD klassisch als die Stimme der arbeitenden Bevölkerung vertreten. Sie will sich für die Belange der Beschäftigten einsetzen, die sich in der heutigen Zeit Sorgen machen, dass ihre gut bezahlten Facharbeitsplätze durch prekäre und geringqualifizierte Jobs ersetzt werden. Das gelte inzwischen für zahlreiche Branchen, betont sie. Besonders wichtig ist der Wahl-Düsseldorferin auch eine faire Bezahlung der Menschen in der Gesundheitsbranche.

Sara Nanni (Grüne) Sara Nanni ist die erste Düsseldorfer Grüne im Bundestag nach 32 Jahren – und hat ihr Mandat vergleichsweise still errungen. In der Stadt ist sie wenig bekannt, in der Kommunalpolitik hat sie nie mitgemischt. Ihr Thema ist die Friedenspolitik, und damit hat sie sich offenbar intern einen guten Namen gemacht.

Sie engagierte sich in einer parteiinternen Arbeitsgemeinschaft zum Thema, zeitweise auch als Sprecherin. Bei der Listenaufstellung für die Bundestagswahl erhielt sie den Rückhalt für den starken Landeslistenplatz 17 in NRW. Nun kann die 34-Jährige, die in Waltrop (Kreis Recklingshausen) aufgewachsen ist, ihre Sachen für vier Jahre Parlament in Berlin packen. Als letztem Grünen mit Wahlkreis in Düsseldorf gelang das 1987 Otto Schily, der zwei Jahre später zur SPD wechselte.

Ihr politisches Thema hat sie auch akademisch beschäftigt: Nanni hat einen Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung absolviert und arbeitete zuletzt bis Ende Juli in einem Forschungsprojekt der Hochschule Düsseldorf, in dem es um politische Radikalisierung ging. Im Bundestag hofft Nanni auf einen Platz im Verteidigungsausschuss, da der sich mit Fragen von Krieg und Frieden befasst (Düsseldorf wäre dort dann gleich doppelt vertreten, da auch die FDP-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu diesem Gremium gehört.)

Nanni will sich politisch für bessere Strategien einsetzen, um Konflikte in aller Welt zu befrieden, bevor sie ausbrechen. Als persönliche Ziele nennt sie auch eine bessere Armutsbekämpfung und ein Eintreten für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sara Nanni ist verheiratet, hat ein Kind und wohnt in Lierenfeld.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sind die Düsseldorfer Bundestagsabgeordneten