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Pendant zum Arag-Haus geplant: Büros — höher, edler, teurer

Pendant zum Arag-Haus geplant : Büros — höher, edler, teurer

An der Mercedesstraße soll ein 120-Meter-Hochhaus als Gegenüber des Arag-Hauses gebaut werden. Es muss sich gegen die große Konkurrenz von neuen Bürogebäuden durchsetzen. Rund 900 000 Quadratmeter Büroflächen stehen leer.

Einen. Zwilling des Arag-Hochhauses am Mörsenbroicher Ei will Architekt Matthias Sauerbruch bauen. Das 120 Meter hohe Büro- und Hotelgebäude an der Mercedesstraße ist fast so hoch und schlank wie die schräg gegenüberliegende Zentrale des Versicherungskonzerns.

Damit sind aber auch schon die Ähnlichkeiten des Hochhauses erschöpft, das gestern vom Investor Maximilian Hägen (Immobilienfirma Haberent) vorgestellt wurde. Einen zwei-eiigen Zwilling nennt Sauerbruch daher seinen Entwurf, der bei einem Wettbewerb unter sechs ausgesuchten internationalen Architekturbüros als Sieger hervorging. Der auffälligste Unterschied sind die abgerundeten Schmalseiten und die Fassade, die in Regenbogenfarben getönt ist und wie ein Tuchgewebe wirkt.

Große Konkurrenz

Hägen braucht diese besondere Architektur als Argument, wenn er sich auf dem Düsseldorfer Markt behaupten will. Denn bis 2013, bis zur geplanten Eröffnung des Hauses, sind längst eine Reihe anderer Häuser bezogen, beispielsweise das Sky-Office am Kennedydamm oder die Spitze der Speditionstraße.

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Und die Konkurrenz ist hart. Rund 600 000 Quadratmeter Bürofläche stehen derzeit in Düsseldorf leer, rechnet man das unmittelbare Umfeld dazu, sind es sogar knapp 900 000 Quadratmeter. Die Zahlen werden von Büro-Experten wie Jones Lang Lasalle oder Trombello Kölbel bestätigt. Trotzdem werden dauernd neue Objekte gebaut — wie jetzt die Hochhäuser am Mörsenbroicher Ei oder im Hafen.

Neue Flächen haben aber dennoch gute Chancen am Markt, weil die Kunden veraltete Flächen ablehnen und bestimmte Maßstäbe an die neuen Angebote legen. Marc Abel (Jones Long Lasalle) berichtet zum Beispiel vom neuen Trend der so genannten Nachhaltigkeit. Wer ein Gebäude mietet, der will die Garantie, dass es beim Energieverbrauch und beim vernünftigen Einsatz von Baumaterialien top ist. Mitarbeiter müssen die Chance haben, mit Bussen oder Bahnen anzureisen. Für die Radler muss es Fahrradständer geben. "Green building" lautet der Überbegriff.

Darauf hat Architekt Sauerbruch reagiert und eine raffinierte Klimatechnik konzipiert. Denn jeder Raum wird über eine eigene Anlage gekühlt oder geheizt. "Das spart Energie, ist komfortabel und lässt variable Aufteilungen zu ", erläutert er. Die Anlagen an der Fassade sind in die Architektur integriert, wirken wie Noppen, die die glatte Fläche auflockern.

Renate Kölbel (Trombello Kölbel) bestätigt den Trend zum "Green building", hält die Lage aber am Ende immer noch für das nicht zu schlagende Argument. Kölbel: "Ein weiteres GAP 15 am südlichen Ende der Kö können sie morgen sofort vermieten, egal ob es als green building gilt oder nicht." Außerdem müsse das Umfeld stimmen. Mitarbeiter müssen sich wohlfühlen, essen oder einkaufen gehen können.

Auch das neue Hochhaus hat einen vorteilhaften Standort am nördlichen Rand der City, glaubt Baudezernent Gregor Bonin. Es passe gut in die Pläne der Stadt, das Viertel aufzuwerten.

Der Optimismus, das Gebäude zu vermarkten, speist sich auch aus den Zahlen für 2008 — auf jeden Fall ein hervorragendes Jahr für den Büromarkt. Rund 450 000 Quadratmeter werden voraussichtlich vermarktet, rechnet Wulff Aengevelt (Aengevelt-Immobilien) vor, lange lag der Schnitt bei 300 000 Quadratmeter. Alle Experten sind sich einig: Veraltete und schlecht liegende Büros sind kaum oder gar nicht zu vermieten. Auf etwa 180 000 Quadratmeter schätzt Aengevelt diese Flächen. Wer eine solche Immobilie besitzt, muss sie von Grund auf sanieren — wie etwa das Ranger am Seestern. Bei der Renovierung blieben nur die Außenmauern stehen. Danach war es rasch vermittelt — als wäre es neu.

(RP)