Bürgerverein Volmerswerth in Düsseldorf finanziert Denkmal für Benedikt Schmittmann

Heimat in Düsseldorf : Ein Denkmal für Benedikt Schmittmann

Der Bürger- und Heimatverein Volmerswerth hat bei Steinmetz Christian Bosch die Anfertigung in Auftrag gegeben.

1200 Kilo bringt die Stele auf die Waage. Rund vier Wochen hat Steinmetz Christian Bosch eingeplant, um aus dem Anröchter Grünstein ein Ehrenmal zum Gedenken an Benedikt Schmittmann zu erschaffen.

„Mir gefällt die Idee, etwas Fundamentales zu gestalten, um jemandem damit ein Denkmal zu setzen, der so engagiert war“, stellt Christian Bosch heraus. Vor zwei Monaten hat der gebürtige Düsseldorfer das Traditionsunternehmen von Steinmetz Frank Müller am Südfriedhof übernommen. „Ich habe dort meinen Meister gemacht, und der Name stand immer für eine enge Verbindung mit der Kunst- und Kulturszene“, gibt er zu Protokoll. Deshalb musste Bosch auch nicht lange überlegen, als der Bürger- und Heimatverein Volmerswerth mit der Bitte an ihn herantrat, einen Gedenkstein für Benedikt Schmittmann zu gestalten. Dessen Geschichte bewegt die Mitglieder des Vereins auch noch 80 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod im Konzentrationslager Sachsenhausen.

Benedikt Schmittmann ist vor allem als Sozialwissenschaftler und Politiker bekannt. Der engagierte Düsseldorfer trieb die Einführung einer Landeskranken- und Unfallpflege, insbesondere in den ländlichen Gebieten des Rheinlands, voran und führte TBC-Stationen in den Krankenhäusern, zur gezielten Behandlung der Volkskrankheit Tuberkulose, ein. 1919 erhielt er eine Professur in Sozialwissenschaften an der Uni Köln.

1933 wurde er von der SA festgenommen und mit einem Lehrverbot belegt. Obwohl ihm sowohl die Nationalsozialisten als auch sein Freund Konrad Adenauer nahelegten, Deutschland zu verlassen, zog sich Schmittmann in sein Haus in Flehe zurück. Am 1. September 1939 wurde er dort erneut verhaftet und ins KZ Sachsenhausen deportiert. Dort starb er 13 Tage später nach schwersten Misshandlungen.

„Wir möchten an seinem Todestag am 13. September, den Stein feierlich seiner Bestimmung übergeben“, erklärt Theo Hilger, Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins. Dann soll er mit dem noch erhaltenen Gartenhaus der ehemaligen Schmittmann-Villa in Flehe ein Ensemble bilden. Für die Umsetzung ist Bernd Pohl, 2. Vorsitzender des Vereins, als Bauleiter verantwortlich. Auf der Fassade des Gartenhauses hat ein Künstler im Auftrag des Vereins die Konstruktionszeichnung aus dem Jahr 1913 gesprayt. Das Fundament für den Gedenkstein, der davor gesetzt werden soll, hat der Verein ehrenamtlich selbst ausgehoben. „Ich habe mich dazu entschieden, ihn wie einen Fels zu gestalten, mit einem breiten Sockel und nach oben konisch zulaufend“, erläutert Christian Bosch den Vereinsmitgliedern und drei Studenten des Schmittmann-Kollegs, die eigens aus Köln angereist sind, um für eine Gedenkschrift zum Todestag des Kolleg-Namensgebers zu recherchieren. Eine Aussparung im oberen Teil des Steins soll später den Blick auf das Gartenhaus lenken. „Ich mag die Farben und die Art des Materials. Der Stein ist von der Natur schon so strukturiert, dass man kaum etwas daran verändern muss“, sagt Steinmetz Bosch.

„Mit dem Projekt des Bürger- und Heimatvereins wird anders als sonst, nicht nur der Politiker und Wissenschaftler gewürdigt, es steht vielmehr der Mensch im Mittelpunkt“, lobt Theo Becker, Vorsitzender der Schmittmann-Stiftung, die neben dem Schmittmann-Kolleg die zweite Säule seines Erbes bildet. Denn sie vergibt unter sozialen und leistungsbezogenen Kriterien Stipendien an Studierende, die im Kolleg wohnen können.

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