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Diskussion um Benderstraße: Bürgerinitiative gegen den Umbau

Diskussion um Benderstraße : Bürgerinitiative gegen den Umbau

Gegner und Befürworter eines Umbaus der Gerresheimer Geschäftsstraße stehen sich unversöhnlich gegenüber. Ein Kompromiss ist nicht in Sicht. Die Gegner wollen sich organisieren und das Zweite-Reihe-Parken weiter dulden.

Nichts wird derzeit im Düsseldorfer Osten so heiß diskutiert wie der geplante Umbau der Benderstraße. Dabei zieht sich ein tiefer Graben durch die Bürgerschaft in und um Gerresheim. Das machte die Diskussion am Samstag bei der "Redaktion vor Ort" der Rheinischen Post in Gerresheim deutlich: Die einen wollen breitere Bürgersteige, mehr Bummel-Faktor und weniger Parkplätze. Die Gegner sperren sich gegen solche Pläne. Sie wollen weiter die Regelung, dass mit dem stillschweigenden Dulden des Zweite-Reihe-Parkens die Einkäufe schnell erledigt werden können. Ihr Widerstand gegen die Umbau-Pläne wächst: Sollte die Gerresheimer Geschäftsstraße auch nur teilweise für den Auto- und Parkverkehr eingeschränkt werden, wollen etliche Geschäftsleute und Anwohner eine Bürgerinitiative gründen. Das Ziel: Alles soll (weitgehend) so bleiben wie es ist.

Deshalb formiert sich hinter dem frühere LTU- und Klüh-Chef Jobsi Driessen bereits eine starke Opposition gegen eine Veränderung der Benderstraße. Auch der frühere Bezirksvorsteher Günter Pruchniewski (CDU), vehement gegen die Veränderung, kündigte bei dem RP-Treff an, er plane die Gründung einer Bürgerinitiative, die mit allen ihr zur Verfügung stehenden juristischen Möglichkeiten gegen die Umbaupläne zu Felde ziehen werde. Denn der alteingesessene Gerresheimer hält sie nicht nur für falsch, sondern auch für gefährlich. Die Straße werde dadurch in ihrem Charakter zerstört, der Einzelhandel werde leiden.

CDU, SPD, Grüne, die Werbe- und Interressengemeinschaft Gerresheim (WIG) als auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) befürworten die Umbaupläne. Die Einkaufsstraße, die auch von vielen Bewohnern benachbarter Stadtteile genutzt wird, soll eine schmalere Fahrbahn bekommen, dafür werden die Gehwege breiter. Die FDP und etliche Geschäftsleute führen die Opposition an: Weiterhin soll das Zweite-Reihe-Parken geduldet werden.

Das ärgert Michael Hilker. Er klagte bei der RP-Diskussion, dass der Umbau der Rheinbahn-Haltestellen die Chance auf eine grundsätzliche Verbesserung sorgen könnte. "Die Bürgersteige müssen breiter werden. Für Fußgänger, für Kinder, für ältere Menschen mit Rollatoren. Dann kommen auch mehr Menschen nach Gerresheim zum Einkaufen." Klaus Schlinke erinnerte mahnend daran, dass bei einem eventuellen Umbau die Anlieger an den Kosten beteiligt würden. Das sei von Privatleuten kaum zu bezahlen. Günther Drenker reicht der Platz auf den Bürgersteigen. Wichtig sei: "Die Geschäftsleute dürfen nicht geschädigt werden." Rolf Müller, Optiker an der Benderstraße, wehrt sich massiv: "Die Benderstraße ist keine Flaniermeile. Wir können nicht konkurrieren mit der Kö oder der Schadowstraße. Der Vorteil ist die direkte und schnelle Erreichbarkeit der Geschäfte", sagt er. Zudem zählten nicht nur Gerresheimer zu den Kunden, sondern auch viele aus benachbarten Stadtteilen.

Ohnehin gebe es an der Benderstraße einen völlig anderen Sortiment-Mix als in der Innenstadt, sagte Jochen Tegtmeyer. In Gerresheim herrsche kein Verdrängungswettbewerb, hieß es bei einigen. Jobsi Driessen drohte gar: Man brauche "keine Champs-Élysées" und "sollten die Politiker nicht die Finger von der Sache lassen", werde das heftige Konsequenzen haben. Die erste: eine Bürgerinitiative, um den Umbau zu stoppen.

Wilfried Kratzsch schüttelte da nur den Kopf. Er plädiert für breitere Bürgersteige - für Behinderte und Kinder. "Hier treffen sich die Gerresheimer. Dafür braucht man mehr Platz." Der 16-jährige Sohn von Christine Mummelthey habe erlebt, wie gefährlich es sei, mit dem Rad die Benderstraße zu befahren. "Er war in den Straßenbahnschienen gestürzt. Zum Glück kam in dem Augenblick kein Auto, sonst wäre noch Schlimmeres passiert", berichtet sie. Gute Radwege auf der Benderstraße seien dringend notwendig. Frank Haarmeyer ergänzte: "Es geht immer nur ums Auto. Dabei sollte es um Menschen und um Lebensqualität gehen."

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