Düsseldorf: "Bürger wissen nicht, dass Bäume ihr Eigentum sind"

Düsseldorf : "Bürger wissen nicht, dass Bäume ihr Eigentum sind"

Der Naturschützer und Ehrenamtler Klaus Backhaus ruft zu Baumpatenschaften und Mithilfe bei der Grünpflege auf. Denn seiner Ansicht nach ist die Stadt damit überfordert.

Eine Mülltüte hat Klaus Backhaus immer dabei. Sieht er eine verdreckte Baumscheibe oder Rasenfläche, reinigt er sie mit einer Gabel. Auch die trägt er als BUND-Mitglied zu diesem Zweck immer bei sich.

Das erwartet er nicht von jedem, dass aber in seinen Augen die Verantwortlichkeit für die Grünflächen in der Stadt allein bei der Stadt gesehen wird, stört ihn. Er regt an, die Bäume, Büsche und Hecken nicht nur als "Straßenbegleitgrün" anzusehen, sondern als mit Steuern finanziertes Eigentum, um das es sich zu kümmern lohnt.

Jeder sollte die Pflanzen in seiner Nähe pflegen, findet Backhaus

"Das Gartenamt ist soweit runtergedünnt, dass es einige Aufgaben nicht selbst übernehmen kann", sagt der 60-Jährige. Nicht nur deshalb hält er es für nötig, dass Anwohner, Ladenbesitzer und Stadtteilbewohner sich auch selbst für die Pflege der Pflanzen in ihrer Nähe einsetzen:

Indem sie Müll in die Mülleimer werfen und nicht auf die "minimalistischen" Baumscheiben, indem sie die kleine Grünfläche vor der eigenen Haustür säubern oder bei extremer sommerlicher Trockenheit auch einmal die Pflanzen wässern, die jenseits der Grundstücksgrenze wachsen.

Die Natur gehört uns allen

60 Baumpatenschaften habe Backhaus in der Stadt übernommen. "Die Leuten fragen mich dann, wie ich das schaffe", sagt er. Dabei sei es ein Leichtes, auf dem Weg durch die Stadt einmal kurz nach dem Rechten zu sehen, Laub zu sammeln und Müll zu entsorgen: "Das ist auch eine Form von Ehrenamt."

Die meisten Menschen würden bei ihren Wegen durch die Stadt klar zwischen jenen Flächen unterscheiden, um die sich jemand anderes zu kümmern habe, und jenen, die einem selbst gehören. "Dabei sind wir doch selbst ein Teil der Natur", sagt Backhaus.

Die sei in der Stadt bis auf kleinste Areale zurückgedrängt und daher schutzbedürftig. Zudem sei es in einer wachsenden Großstadt noch wichtiger, die vorhandenen Ökosysteme zu erhalten. Kahle Baumscheiben, die zu wenig Fläche für die Regenwasseraufnahme bieten und durch fehlendes Unterholz keinen Verdunstungsschutz haben, seien das Gegenteil davon, erklärt Backhaus.

Umso wertvoller seien Orte wie der Zoopark, in dem nicht nur Einzelbäume gepflanzt wurden, sondern auch ein wenig Natur herrsche. "Diese Inseln müssen wir erhalten", sagt Backhaus. "Im Stadtwald wurden nach dem Pfingststurm Ela 20.000 neue Bäume gepflanzt. Wenn wir jetzt auch 20.000 neue Baumpaten finden, dann bin ich zufrieden."

Kontakt Schreiben Sie uns auch Ihr Anliegen mit dem Betreff "Bürgermonitor" und ihrer Telefonnummer an duesseldorf@rheinische-post.de. Oder rufen Sie an unter 0211 5052361.

(bur)
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