Rolf Tups: Bürger sollen mitentscheiden

Rolf Tups: Bürger sollen mitentscheiden

Die Bezirksvertretung 4 wurde 2016 mit weiteren großen Bauvorhaben und der neuen Bahnlinie U81 konfrontiert.

Herr Tups, das linksrheinische Düsseldorf steht vor einem Umbruch. Einiges ist umstritten wie die Verdichtung der Wohnviertel und die neue Bahnlinie der U81. Können Sie den Bürgern die Ängste nehmen?

Tups Es ist noch nichts entschieden. Wir können nur immer wieder mahnen, die Bürger, vor allem bei Großprojekten, frühzeitig und umfassend zu informieren. Dazu bedarf es einer ausgereiften Planung, die bis ins Detail aufzeigt, was die Bürger zu erwarten haben. Das heißt aber auch, dass die Bürger an den Informationsveranstaltungen teilnehmen und ihre Bedenken äußern sollten.

Zum Beispiel für das 111 Meter hohe Hochhaus, das an der Emanuel-Leutze-Straße gebaut werden soll.

Tups Ja, ich gehe sogar einen Schritt weiter und erwarte zunächst ein Modell, damit wir klar sehen können, ob und wie sich das geplante Hochhaus in die Umgebung einfügt. Denn das, was wir bisher gesehen haben, reicht nicht. Ich bin nicht grundsätzlich gegen ein Hochhaus, aber skeptisch, ob das überhaupt realisiert werden kann.

Warum?

Tups Zunächst muss ja auch die Nachbarschaft gehört werden, die dem Vorhaben zustimmen muss. Noch kann niemand abschätzen, welche Auswirkungen dieser Wohnturm auf den Stadtteil haben wird.

Denken Sie, dass es wieder eine unendliche Geschichte werden könnte, wie die Bebauung des alten Oberkasseler Güterbahnhofs?

Tups (lacht) Es sollte nicht 27 Jahre dauern, bis wir wissen, ob das Hochhaus kommt oder nicht. Die Bebauung des Bahngeländes hat ja deshalb so lange gedauert, weil Pläne um Pläne gemacht wurden, einer schöner als der andere. Doch am Ende fand sich kein Investor, der die anspruchsvollen Konzepte umsetzen wollte. Ein Fehler war, dass die Stadt das Gelände nicht gekauft hat, denn so hatte sie keinen Einfluss auf das, was da gebaut wurde.

Was halten Sie davon, die Wohngebiete nach dem Motto "innen vor außen" zu verdichten?

Tups Bei der großen Fläche der Grünau mag das gut funktionieren, aber ich halte nichts von einer Hinterhofbebauung. Bei dem versiegelten Garagenhof an der Quirinstraße habe ich gegen zusätzliche Wohnungen nichts einzuwenden. Aber wir werden die Wohnungen, die wir in den nächsten Jahren brauchen, nicht im Bestand bauen können. Außerdem ist das Bauen in Höfen teurer. Deshalb wäre es viel einfacher, freie Flächen mit Wohnungen zu bebauen. Und: Wer will denn in einem Hinterhof wohnen und teure Mieten zahlen? Denn bei den hohen Grundstückspreisen und Auflagen bleibt dem Investor nichts anderes übrig, als Kaufpreis und oder Mieten so zu gestalten, dass es sich für ihn noch lohnt.

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Hält das Verkehrskonzept dem Bevölkerungszuwachs stand oder muss die U81 zügig realisiert werden?

Tups Wenn die Städte immer weiter wachsen, dann muss auch die Verkehrserschließung gegeben sein. Die U81 ist für uns wichtig, zumal ja der Individualverkehr gedrosselt werden muss. Deshalb müssen wir Alternativen anbieten. Auch die Nachbargemeinden werden sich weiterentwickeln. In Neuss und Meerbusch gibt es Freiflächen, die noch bebaut werden können. Deshalb sind sie dort auch für die U81. Auch meiner Meinung nach führt kein Weg daran vorbei.

Woher nehmen Sie die Gewissheit?

Tups Ich habe acht Jahre im Regionalrat mitgearbeitet und weiß, welche Möglichkeiten die Nachbarstädte für weiteren Wohnungsbau haben. Es kommt einiges auf uns zu.

Brücke oder Tunnel?

Tups Es gibt ja verschiedene Varianten. Geprüft werden muss, ob ein Tunnel bautechnisch möglich ist und was er kosten würde. Ich denke, die Chancen dafür sind gering. Alle Varianten müssen aber offen diskutiert werden, denn noch weiß niemand, wie die Brücke aussehen wird. Das, was uns bisher gezeigt wurde, wird so wohl nicht realisiert. Aber so weit sind wir längst noch nicht. Auch die Sorge, dass wir im Linksrheinischen keinen Vorteil von der U81 haben, ist unbegründet. Denn heute fahren Autofahrer aus Nachbarstädten über die Oberlöricker Straße Richtung Theodor-Heuss-Brücke und abends wieder zurück.

Geht angesichts des Wandels nicht auch Lebensqualität verloren?

Tups Die Gesellschaft verändert sich und darauf muss reagiert werden. Doch stellt sich die Frage: Was wollen wir eigentlich? Wollen wir permanent wachsen, immer größer werden und vorhandene Strukturen aufgeben und damit die Lebensqualität einbüßen? Ich bin für ein gesundes Wachstum in Kooperation mit den Nachbargemeinden.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE HEIDE-INES WILLNER

(RP)
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