Düsseldorf: Bürger retten Gaslaternen in Flingern

Düsseldorf: Bürger retten Gaslaternen in Flingern

Die historischen Laternen wären beinahe abmontiert worden, weil veraltete Pläne der Stadt zugrunde gelegt wurden. Die Stadt bedauert den Irrtum. Anwohner wünschen sich mehr Mitsprache bei den Planungen der Stadt.

Die Düsseldorfer müssen ihrer Stadtverwaltung offensichtlich auf die Finger sehen, damit Pannen vermieden werden. Hätten Ines und Peter Dauth das nicht getan und sich auch nicht durch langes Schweigen und Hinhalten der Verwaltung beirren lassen, dann wären jetzt die historischen Gaslaternen Typ Alt-Düsseldorf von der Daelenstraße für immer verschwunden. Denn ohne Vorankündigung wurden in der Meistersiedlung mit den historisch bedeutenden Häusern moderne Masten für elektrische Leuchten neben den Gaslaternen aufgestellt. Bauarbeiter sprachen von der Demontage der alten Beleuchtung. "Aber die Aktion war ein Irrtum, aus unerklärlichen Gründen wurden für den Umbau der Straße veraltete Pläne zugrunde gelegt", sagt Patrick Stiehler, Abteilungsleiter im Amt für Verkehrsmanagement. Inzwischen sind die Masten für elektrische Leuchten wieder abgebaut.

Der Hintergrund: Die Daelenstraße der Meistersiedlung liegt im neuen Wohnquartier Grafental, das zurzeit neben der Metro in Flingern gebaut wird. Im Zuge der Erschließung werden auch viele Straßen angelegt oder verändert. Weil es Jahre dauerte, bis die heutige Konzeption feststand, wurden auch Pläne für die Erschließung neu bearbeitet — und alte offensichtlich nicht aus dem Verkehr gezogen. "Die neuen Pläne berücksichtigen die Verabschiedung des Masterplans Straßenbeleuchtung, der ausdrücklich den Erhalt der Alt-Düsseldorfer Laternen vorsieht", sagt Stiehler.

Der Widerspruch zwischen den Vorgaben des Masterplans der Stadt und der Installation der Elektro-Beleuchtung hätte der Stadt auffallen müssen, meint Anwohnerin Ines Dauth. Als sie bemerkte, dass auf der Baustelle vor ihrer Haustür plötzlich neue Masten für moderne elektrische Laternen aufgestellt, war sie empört. "Denn der Rat und die Stadtverwaltung hatten zugesichert, dass vor einem Abbau der Laternen Bürger informiert und um ihre Meinung gefragt werden", sagt sie. Sie legte deshalb Widerspruch ein, bekam aber wochenlang keine Antwort. Erst nach einer neuerlichen Anfrage räumte die Stadtverwaltung den Irrtum ein.

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Dieser Erfolg ist für die Anwohner aber nur ein schwacher Trost. Denn aufgrund der Verwendung alter Pläne ist wahrscheinlich eine rund 100 Jahre alte Pappel gefällt worden. "In einem städtischen Gutachten aus dem Jahr 2011 galt der Baum als gesund", sagt Peter Dauth. Und "das Fällen einer Linde direkt vor dem Haus konnten wir gerade noch verhindern, auch sie sollte letztlich stehenbleiben".

Die Anwohner sind zudem verärgert, dass die Stadtverwaltung auf Nachfragen nicht oder erst nach langer Zeit reagiert. So sei ein Einspruch gegen die sechsgeschossige Bebauung des benachbarten Grundstücks unmöglich geworden. Auch die Planung einer neuen Bushaltestelle auf der Daelenstraße direkt an einer Engstelle der Straße sei mit den Bürgern nicht besprochen worden, "obwohl wir die Alltagssituation kennen, Probleme abschätzen und Verbesserungsvorschläge machen können", so Ines Dauth. Für sie ist es unverständlich, dass die Stadt die Kenntnis der Bürger nicht nutzt, obwohl Bürgerbeteiligung propagiert werde.

(RP)
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