Engagement: Bürger engagieren sich für Golzheimer Friedhof

Engagement: Bürger engagieren sich für Golzheimer Friedhof

Aus einer Bürgerinitiative entwickelte sich der Verein „Der Golzheimer Friedhof soll leben“, der das denkmalgeschützte Gelände regelmäßig kontrolliert, Führungen organisiert und auch Patenschaften für historische Grabsteine betreut.

Arbeiten gegen das Vergessen: Das ist eines der Hauptanliegen des Vereins „Der Golzheimer Friedhof soll leben“. Der mehr als 200 Jahre alte Friedhof in Golzheim wird seit 1907 nicht mehr genutzt und verschwand seither immer mehr aus dem Bewusstsein der Menschen. Schließlich wollte die Victoria-Versicherung ein Bürogebäude in unmittelbarer Nähe des südlichen Friedhofsteils an der Fischerstraße errichten. Gegen diese Pläne an dem denkmalgeschützten Friedhof richtete sich die Bürgerinitiative „Rettet den Golzheimer Friedhof“. Der Bürgerentscheid scheiterte mangels Teilnahme, brachte aber den Verein „Der Golzheimer Friedhof soll leben“ hervor.

„Der Victoria-Bau konnte nur stattfinden, weil der Friedhof vergessen wurde“, sagt der Vereinsvorsitzende Dieter Sawalies. Daher versuchen die 50 Vereinsmitglieder ihr Bestes, die Grabstätte wieder bekannt zu machen und sie zurück ins Stadtbild zu holen. Feste Pflichten haben die Mitglieder nicht, aber viele engagieren sich: Sie kontrollieren den Friedhof auf Spuren von Vandalismus oder Verschmutzungen, verteilen Flyer, machen Besucherzählungen und schauen einfach, was dort passiert.

„In den letzten Jahren sind ganze Gräber regelrecht verschwunden. Leute vom Gartenamt sind einfach über Grabplatten gefahren und haben sie zerstört. Wie kann denn so was passieren?“, fragt Sawalies. Noch 350 Grabsteine sind erhalten, viele davon sind in einem schlechten Zustand. Um diese wieder ins richtige Licht zu rücken, vergibt der Verein zusammen mit dem Gartenamt Patenschaften für Grabsteine. Eine Vereinsmitgliedschaft ist dafür nicht nötig. Einmal im Jahr kommen die Paten bei einem Putztag zusammen, um die Steine zu reinigen und Unkraut zu entfernen. Ob ein Pate noch mehr machen will, liegt bei ihm. Wichtig ist dem Verein, dass den Paten keinerlei Kosten entstehen.

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Eine von 70 Paten ist Angelika Liedhegener. Als damals das Bürgerbegehren durchgeführt wurde, saß sie als Wahlvorsteherin im Wahlbüro. „Da habe ich mich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt und fing an, mich für eine Patenschaft zu interessieren.“ Den Friedhof kannte sie schon: 1983 war die Golzheimerin an die Fischerstraße gezogen. „Damals wurden auch schon mal schwarze Messen auf der Gräberanlage abgehalten“, erinnert sie sich. Zusammen mit der Historikerin Inge Zacher schaute sie sich die Gräber an, um ein geeignetes Patengrab zu finden. „Der Stein durfte nicht zu hoch sein, damit ich gut rankomme, und es sollte auf dem südlichen Teil liegen, damit ich von meinem Fenster darauf schauen kann“ erklärt Liedhegener ihre damaligen Wünsche. Am Ende fand sie zwei passende Objekte. „Ich habe dann das Grab von Anna Catharina Püttmanns geb. Hegemann gewählt. Sie war eine sozial engagierte Frau. Und die Inschrift auf dem Stein hat mich sehr beeindruckt.“

Bei einer Patenschaft blieb es aber nicht. „Ein paar Tage später habe ich auch den zweiten Stein genommen. Mir tat es leid, dass er nur zweite Wahl war.“ Und als Sturm Ela den Grabstein nebenan zerstörte, hat sie diesen auch noch übernommen. Die Patenschaft hat für die ehemalige Verwaltungsbeamtin noch eine andere Bedeutung: „Die Steine symbolisieren für mich unser Familiengrab, das nicht mehr existiert.“ Auch Führungen über den Friedhof finden statt. „Die Gräber armer Leute sind verloren gegangen. Aber die repräsentativen der Reichen (wie Maximilian Friedrich Weyhe und Wilhelm von Schadow) haben überlebt“, erklärt Sawalies. Im Stadtarchiv kann man noch viele Informationen über die Begrabenen erhalten. „Wir haben eine große Freude am Wissen und möchten das weitergeben. Dadurch wird der Friedhof wieder lebendig“, findet Sawalies. „Es ist uns wichtig, nicht nur die Grabmäler, sondern auch die Geschichte zu erhalten.“ Darum setzt der Verein auch dafür ein, ein Denkmal für die Revolution 1848/49 auf dem Friedhof aufstellen zu dürfen.

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