Aktion Stolpersteine in Düsseldorf: Buch erzählt Schicksale der Nazi-Opfer

Aktion Stolpersteine in Düsseldorf: Buch erzählt Schicksale der Nazi-Opfer

Als Abschluss der Aktion Stolpersteine in Düsseldorf hat die Mahn- und Gedenkstätte ein Buch mit den Lebensgeschichten der Opfer herausgebracht. Es zeigt anschaulich mit Bildern und Dokumenten, wie groß das Leid der Verfolgten war. Das Buch ist ein Fundament für die Arbeit der Mahn- und Gedenkstätte.

231 so genannte Stolpersteine erinnern in der Stadt an Menschen, die durch das Terror-Regime der Nationalsozialisten umgekommen sind. Mit ihren Inschriften von Namen und Geburtsdaten weisen sie darauf hin, wo die Verfolgten einmal gelebt haben. Aber ein Stein ist stumm, erzählt bis auf die dürren biographischen Angaben nichts über das Leben der Opfer. Deshalb hat die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf jetzt ein Buch herausgebracht, das die Lebenswege schildert.

Damit ist auch die Aktion in Düsseldorf beendet, die 2003 auf Anregung des Künstlers Gunter Demnig begonnen wurde. Er hatte die Idee, ein dezentrales Mahnmal zu schaffen, indem mit Steinen vor den Häusern auf die letzte frei gewählte Wohnung der Opfer hingewiesen wurde. Inzwischen wurde die Aktion auf ganz Europa ausgeweitet. "Die Menschen, an die erinnert wird, sollen aber nicht nur als Opfer gesehen werden. Sie hatten einen Beruf, lebten in Familien, hatten Hobbys und Leidenschaften. Das sollen die Biographien in dem Buch deutlich machen", erklärte Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte.

Diese genauen Biographien sind größtenteils nur möglich durch die Informationen des Archivs der Mahn- und Gedenkstätte, das seit Jahrzehnten systematisch aufgebaut wurde, berichtet Hildegard Jakobs, Mitarbeiterin der Gedenkstätte und Mitherausgeberin des Buches. "Wir hatten beispielsweise noch die letzte Postkarte, die Hulda Hornstein aus dem Ghetto Theresienstadt geschrieben hat, bevor sie nach Birkenau deportiert und ermordet wurde", berichtet Jakobs.

Anschaulich werden die Lebensläufe auch durch die Bilder, auf die die Herausgeberinnen oft zurückgreifen konnten, beispielsweise vom Arbeiten in der Küche, vom Kreis der Familie oder auch von den Wohnhäusern. "Wenn solche Bilder aus dem privaten Nachlass nicht vorhanden waren, gab es die offiziellen Polizei-Fotos aus den Akten", berichtet Jakobs. Von Siegfried Steineberg liegen zwei offizielle Fotoreihen vor, zwischen denen drei Jahre Haft liegen. "Es ist deutlich zu sehen, was Steineberg durchgemacht haben muss."

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Die Stolpersteine erinnern nicht nur an jüdische Mitbürger, sondern an alle Gruppen der Verfolgten. Etliche wurden wegen ihrer politischen Einstellung verhaftet wie Anna Jacobs, die in der kommunistischen Partei aktiv war. Josef Herkenrath wurde ermordet, weil ihm Homosexualität nachgesagt wurde, Behinderte wurden getötet, Kritiker des Regimes und Widerstandskämpfer wurden hingerichtet oder ins KZ deportiert, wie der katholische Geistliche Franz Boehm.

Sein Schicksal zeigt, dass die Erinnerung nicht nur schwer auf Düsseldorf begrenzt werden kann, sondern in die Nachbarstädte ausgedehnt werden muss.

"Boehm war Kaplan in Gerresheim, wurde nach Bonn versetzt, aber wegen einer kritischen Predigt in Monheim verhaftet", sagt Mitarbeiterin und Mitherausgeberin Andrea Kramp. Deshalb nimmt das Buch auch Bezug auf die Stolperstein-Aktionen in Erkrath, Hilden, Langenfeld, Mettmann, Monheim und Ratingen. Ein Beispiel für die Vernetzung: Rosa Hirsch hatte ihre Familie in Ratingen, war dann 1939 zu Angehörigen ihres verstorbenen Mannes nach Düsseldorf gezogen.

1944 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Das Buch ist auch ein wichtiges Fundament für die Arbeit der Mahn- und Gedenkstätte: "Besucher bekommen einen tiefen Einblick in die Schicksale, die Erinnerungen durch Stolpersteine werden so fassbarer", sagt Jakobs.

(rl)
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