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Interview mit Frederik Herzberg: Brücke zwischen Politik und Kirche

Interview mit Frederik Herzberg : Brücke zwischen Politik und Kirche

Der neue Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU, Frederik Herzberg, spricht in einem Interview mit unserer Redaktion über die Rolle der Christen bei der Stadtentwicklung, über den Einsatz für christliche Schulen und das Zurückdrängen des Zeitgeistes.

Herr Herzberg, Sie sind Mitglied der CDU und aktiver Christ und haben jetzt den Vorsitz des Evangelischen Arbeitskreises in der CDU (EAK) Düsseldorf übernommen. Was sind Ihre Beweggründe?

Herzberg: Meine persönlichen Glaubenserfahrungen, die ich während eines Studienaufenthaltes in England gemacht habe, waren letztlich ausschlaggebend für diesen Entschluss. Mit meinem Glauben will ich mich für die Politik einsetzen und dabei wachsam sein gegen unheilige Allianzen zwischen Politik und Kirche.

Wie können unheilige Allianzen aussehen?

Herzberg: Das Evangelium und eine politische Ethik dürfen nicht vermischt werden. Im dritten Kapitel des Römerbriefs beschreibt Paulus, in welchem Sinne die christliche Botschaft nicht von dieser Welt ist: Vor Gott kann kein Mensch durch politische Ziele und politisches Handeln gerechtfertigt werden, sondern dies geschieht allein durch Gottes Gnade. Die Wachsamkeit gegenüber einer Politisierung des Evangeliums ist eine Aufgabe des Evangelischen Arbeitskreises.

Trotzdem halten Sie aber einen Evangelischen Arbeitskreis in der Partei für wichtig.

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Herzberg: Ja. Denn der Evangelische Arbeitskreis will eine Brücke zwischen Kirche und Politik schlagen. Das C im Parteinamen der CDU soll seinen Stellenwert in der Ausrichtung der Partei haben. Der Arbeitskreis hat dabei eine dienende Funktion und kann die Anliegen des evangelischen Kirchenkreises in Düsseldorf in die Parteiprogrammatik einbringen. Auch die Wachsamkeit gegenüber Verfremdungen des Evangeliums im öffentlichen Leben ist eine Aufgabe des Evangelischen AK.

Worauf ist zu achten?

Herzberg: Die Kirche muss sich genau so stark gegenüber dem postmodernen Zeitgeist abgrenzen wie vom wiedererstarkenden Atheismus. Der zeitgenössische Atheismus, der religiöse Gewalt vergangener Jahrhunderte anprangert, blendet aus, dass viele atheistische Regime schwerste Menschenrechtsverletzungen begehen. Der postmoderne Zeitgeist propagiert Beliebigkeit mit seiner Auffassung, dass es nur die absolute Wahrheit gibt, dass es keine absolute Wahrheit gibt.

Was bedeutet das für die konkrete Kommunalpolitik?

Herzberg: Eine Zusammenarbeit zwischen Kirche und Politik ist beispielsweise sinnvoll, um eine evangelische Hauptschule in Benrath durchzusetzen. Die Bezirksregierung sperrt sich gegen eine solche Schule. Dabei ist eine Vermittlung von Werten in der Gesellschaft wichtig.

Aus welchem Grund?

Herzberg: Wir brauchen christlich ausgerichtete Schulen, zumindest Religionsunterricht. Wir müssen daher auf Parteien wie Die Linke achten, die den Religionsunterricht abschaffen will. Das aber rüttelt an dem Staatsverständnis des Grundgesetzes. Deutschland sieht sich nicht als wertneutraler, laizistischer Staat wie Frankreich, sondern setzt auf christliche Grundhaltungen, weil er selbst keine Wertprämissen schaffen kann.

Gibt es weitere Zusammenarbeit?

Herzberg: Auch bei der Stadtentwicklung kann Kirche mitsprechen. So muss die Gefahr gesehen werden, dass einige Stadtteile zu sozialen Brennpunkten werden. Dies könnte beispielsweise in Hassels der Fall werden. Um das zu vermeiden, ist ein abgestimmtes Vorgehen von Stadt und Kirchenkreis nötig.

Kirche ist also das Gewissen der Politik?

Herzberg: Das wäre eine Idealvorstellung, die nicht immer zu verwirklichen ist. In diesem konkreten Fall ging die Initiative vom evangelischen Kirchenkreis aus. Das sollte auch das normale Vorgehen sein. Die Politik soll spüren, dass es sinnvoll ist, diakonische Angebote in die Stadtentwicklung miteinzubeziehen.

Hat die CDU es nötig, das christliche Profil zu schärfen?

Herzberg: Auf jeden Fall. Wenn die Partei beschließen würde, dass sie es nicht nötig hat, dieses Profil zu schärfen, wäre sie auf dem falschen Dampfer.

Muss die evangelische Kirche durch die Arbeit des EAK eine parteipolitische Festlegung befürchten?

Herzberg: Diese Sorge habe ich nicht. Der Kirchenkreis pflegt seine Verbindungen zu allen Parteien und zur Stadtverwaltung. Im Fall der CDU gibt es allerdings regelmäßige Besprechungen durch den Evangelischen Arbeitskreis.

Die Aufteilung in Konfessionen halten viele über überholt, wenn es um christliche Grundwerte geht. Ist ein evangelischer Arbeitskreis noch zeitgemäß?

Herzberg: Es gibt auch in der CDU Foren und Gruppen, die sich allgemein mit Christentum und Politik befassen. Aber je breiter die Basis ist, je vielfältiger die Gruppen sind, desto diffuser und verwischter werden die Positionen. Der Evangelische Arbeitskreis kann sehr viel sauberer dogmatisch darlegen, wie er zu seinen Auffassungen kommt. Zudem ist er im Gegensatz zu den anderen Foren satzungsrechtlich in der CDU verankert. Seine Forderungen sind daher verbindlicher.

Was planen Sie für den Evangelischen Arbeitskreis in Düsseldorf?

Herzberg: Wir werden in Kürze alle Presbyterien der Gemeinden anschreiben, uns vorstellen und um Mitarbeit werben. Denn wir sind interessiert an Beratern, die sich in Düsseldorf auskennen. Zudem werden wir den Dialog mit den Vertretern des Kirchenkreises fortsetzen und uns ein bis zweimal pro Jahr mit ihnen treffen.

Gibt es auch thematische Schwerpunkte?

Herzberg: Neben den bereits genannten Schwerpunkten Religionsunterricht und Stadtentwicklung wollen wir über das Verhältnis Christentum und Islam diskutieren und den EKD-Ratsbeschluss "Klarheit und gute Nachbarschaft" verbreiten helfen. Zu diesen Themen werden wir Vorträge und Diskussionen mit Experten anbieten. Wir hoffen, dass dadurch auch der Evangelische Arbeitskreis in Düsseldorf bekannter wird.

Michael Brockerhoff führte das Gespräch

(RP)