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Brennende E-Scooter-Akkus in Düsseldorf: Geht von E-Autos erhöhte Brandgefahr aus?

Brennende E-Scooter-Akkus in Düsseldorf : Geht von Elektrofahrzeugen eine erhöhte Brandgefahr aus?

Zwei Paletten mit Akkus für E-Scooter haben am Sonntag in Düsseldorf-Hellerhof in einer Lagerhalle gebrannt. Die genaue Ursache für das Feuer ist noch nicht ermittelt. Geht von Elektrofahrzeugen eine höhere Brandgefahr aus als von Verbrennern?

In einer 4700 Quadratmeter großen Halle in Hellerhof haben am Sonntag zwei Paletten mit E-Scooter-Akkus gebrannt. Die Feuerwehr Düsseldorf war mehr als drei Stunden im Einsatz. Das Problem bei brennenden Akkus: Durch die immer wiederkehrende chemische Reaktion innerhalb der Stromspeicher erhitzen sich diese erneut und können wieder Feuer fangen. So wurden sie schließlich in wassergefüllte Behälter gelegt. Der Betreiber der E-Scooter muss sie nun einer fachgerechten Entsorgung zuführen. Die Polizei ermittelt noch zur Brandursache.

Betroffen von dem Brand war der E-Scooter-Betreiber Voi. Caspar Spinnen, Pressesprecher des Unternehmens, sagte auf Anfrage: „Wir können bestätigen, dass es am gestrigen Sonntag in unserem Lager in Düsseldorf zu einem Feuerwehreinsatz gekommen ist.“ Die Feuerwehr habe die Lage schnell unter Kontrolle bringen können, es sei niemand verletzt worden.

Man arbeite gemeinsam mit der Feuerwehr an der Aufklärung der Umstände. „Daher ist es uns zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht möglich, genauere Angabe zu Ursache und entstandenem Sachschaden zu machen.“ Auf den Einsatz der E-Scooter in Düsseldorf habe der Brand kaum Einfluss. „Unsere Flotten und das sonstige Inventar vor Ort sind weitestgehend unbeschädigt geblieben. Mit größeren Auswirkungen auf unseren Betrieb in Düsseldorf ist nicht zu rechnen“, sagte Spinnen.

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Von solchen Vorfällen hört man immer wieder, besonders von brennenden Elektroautos in Tiefgaragen, welche die Feuerwehr von besonders Herausforderungen stellen. Doch geht von den E-Autos tatsächlich eine erhöhte Brandgefahr aus?

„Tatsache ist, dass nach unseren Erkenntnissen von E-Autos keine höhere Brandgefahr ausgeht als von konventionell angetriebenen Autos“, sagt Dekra-Unfallforscher Markus Egelhaaf. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kann aus seiner Statistik kein höheres Brandrisiko für Stromer ableiten.

Brennen können natürlich aber auch E-Autos. Im Unterschied zu einem Diesel oder Benziner, bei dem die Brandgefahr beispielsweise von ausgetretenem Kraftstoff oder heißen Oberflächen des Abgassystems ausgehen kann, stehen bei einem E-Auto eben andere Bereiche im Fokus. „Ursachen können hier zum Beispiel geschädigte Batteriezellen oder Defekte im Batteriemanagementsystem sein“, sagt Egelhaaf.

Auch die Feuerwehr stuft Fahrzeugbrände an E-Autos nicht als risikoreicher ein. „Das Löschen eines Stromers gestaltet sich unter Umständen etwas schwieriger als die Brandbekämpfung von herkömmlichen Kraftfahrzeugen, aber nicht komplexer oder gefahrbringender als etwa ein Brand eines gasbetriebenen Kfz“, sagt Peter Bachmeier, leitender Branddirektor vom Deutschen Feuerwehrverband (DFV).

Dass ein Elektroauto nach einem Unfall Feuer fängt, ist höchst unwahrscheinlich. Bei Crashtests schneiden E-Autos dem ADAC zufolge häufig sogar besser ab. Auch die Dekra-Unfallforschung kam bei mehreren gemeinsam mit der Universitätsmedizin Göttingen durchgeführten Crashtests zu einem ähnlichen Ergebnis.

„Bei keinem der vier extremen Tests, die wir durchgeführt haben, kam es zu einem Brand. In allen Fällen wurde das Hochvolt-System außerdem automatisch abgeschaltet“, so Egelhaaf. Dieser Schutzmechanismus soll verhindern, dass der Strom aus der Batterie nach einer schweren Kollision zu einem Brand oder zu einer elektrischen Gefährdung führt.

Ein wichtiger Hinweis für die Fahrer von E-Autos: Nie selbst an den mit der Farbe Orange gekennzeichneten Komponenten des Hochvolt-Systems eines E-Autos Hand anlegen. Zudem sollten E-Autofahrer immer darauf achten, ihr Fahrzeug mit intakten Ladekabeln an einem geeigneten Netz aufzuladen. „Unsachgemäß reparierte oder defekte Ladekabel können ebenso zu Bränden führen wie das Laden an nicht ausreichend dimensionierten gebäudeseitigen Strominstallationen“, warnt Egelhaaf.

Unterm Strich sind sich Experten von ADAC über Dekra bis hin zu den Feuerwehren einig, dass das Aussperren von E-Autos aus Parkhäusern und Tiefgaragen unverhältnismäßig ist. Gleichwohl könnten Kommunen, die zu diesem Mittel greifen, damit auch juristisch durchkommen.

„Sollten sachliche Gründe vorliegen, könnte diese Ungleichbehandlung dem Gleichbehandlungsgrundsatz aus Artikel 3 des Grundgesetzes standhalten“, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Neuss. Ein solcher sachlicher Grund könnte sein, dass ein Brand schwerer gelöscht werden kann, was wiederum eine erhöhte Gefahr für das betreffende Gebäude bedeutet.

(csr)