Kinder ohne Betreuung: Brandschutz verzögert Kita-Start

Kinder ohne Betreuung : Brandschutz verzögert Kita-Start

Schon als Julia Seeler schwanger war, begann sie sich um einen Tagespflegeplatz für ihren Sohn zu kümmern. Die 32-Jährige wollte sichergehen, dass sie schnell zurück in ihren Job bei einer Unternehmensberatung gehen kann, und Betreuungsplätze sind in Düsseldorf rar.

Im Frühjahr freute sie sich über eine Zusage für einen Platz in einer neuen Großtagespflege der Awo in der katholischen Grundschule in Lierenfeld. Zum 1. Juli sollte es losgehen.

Doch einen Betreuungsplatz für ihren inzwischen elf Monate alten Sohn Milan hat Julia Seeler immer noch nicht. Die Awo-Einrichtung in der Leuthenstraße, in der neun Kleinkinder betreut werden sollen, hat anders als angekündigt noch nicht eröffnet. Denn die Stadtverwaltung, der das Schulgebäude gehört, hatte offenbar bei der Planung übersehen, dass der alte Schulraum für die neue Nutzung umgebaut werden muss. Sie muss derzeit nachbessern. Julia Seeler ist verärgert. "Das kann doch nicht sein, wo es so wenige Plätze gibt und so viel Nachfrage", sagt sie.

Erst während der Arbeiten vor Ort hatte sich herausgestellt, dass ein zweiter Rettungsweg fehlt, der vorgeschrieben ist. Außerdem müssen wegen des Brandschutzes Fenster und Türen verändert werden. "Manche Dinge ergeben sich erst während eines Bauvorhabens", sagt die Leiterin des Amtes für Gebäudemanagement, Doreen Kerler. Dies sei normal im Baugeschäft. Noch weitere zehn bis zwölf Wochen dauere der Umbau, unter anderem, weil Ausschreibungsfristen eingehalten werden müssen. Vorher könne die Kita nicht eröffnen. "Oberste Priorität hat für uns die Sicherheit der Kinder", sagt Kerler.

Die Awo äußert Verständnis für den Ärger der Eltern. Die Zusage sei aber nur unter dem Vorbehalt erfolgt, dass der Bau bis zum 1. Juli fertiggestellt ist. Die Einrichtung öffne nach den zusätzlichen Umbauarbeiten wie geplant, das Personal sei bereits eingestellt. "Wir stehen in den Startlöchern", sagt Pressereferent Wolfgang Schmalz. Man helfe den Eltern nun bei der Suche nach anderen Betreuungsplätzen.

Auch der Sohn von Julia Seeler soll so einen Kita-Platz finden. Die junge Mutter hat erst einmal selbst eine Alternative organisiert, um wieder arbeiten zu können. "Zum Glück konnte mein Lebensgefährte kurzfristig einspringen."