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Botox-Start-up Hy Studio in Düsseldorf Wo Frauen ihre Männer entfalten lassen

Düsseldorf · Das Berliner Botox-Start-up Hy Studio expandiert auf die Kö in Düsseldorf. Viele männliche Kunden kommen rein, mitgebracht von der Partnerin oder Mama.

Team des Hy Studio in Düsseldorf: Kosmetikerin Denise Arras, Studioleiter Jens Schleif und Linda Cox, leitende Ärztin (v.l.).

Team des Hy Studio in Düsseldorf: Kosmetikerin Denise Arras, Studioleiter Jens Schleif und Linda Cox, leitende Ärztin (v.l.).

Foto: Hy Studio

Wer die Königsallee entlang flaniert und die Fassaden genauer betrachtet, stellt fest: Zwischen den Schaufenstern der Modemarken und Juweliere hängt an jedem zweiten Haus das Firmenschild eines Schönheitschirurgen oder einer Beauty-Klinik.

„Es dürften rund 33 entsprechende Adressen sein. Vor knapp drei Jahrzehnten waren es gerade einmal drei“, sagt Linus Willems. Wenn er die angrenzenden Straßen dazu zählt, kommt er mittlerweile auf mindestens 50 Kosmetik-Praxen und -Kliniken. Rund um die Kö befindet sich Deutschlands Hochburg für Schönheitseingriffe aller Art.

Und der Markt wachse weiter, sagt Willems. Der 32-jährige Düsseldorfer, der auf dem St. Ursula Gymnasium sein Abitur gemacht und dann Betriebswirtschaft studiert hat, muss es wissen. Er hat gründlich recherchiert, bevor er nach langer Suche an der Königsallee 52 (Ecke Steinstraße) die ideale Lage für sein Vorhaben fand. Dort im Eckhaus hat im ersten Stock auf einer Fläche von 140 Quadratmetern das „Hy Studio“ (Hy als Abkürzung von Hyaluronsäure) eröffnet, eine selbst ernannte „Beauty-Klinik mit Boutique-Charakter“.

Es sei der erste Standort außerhalb der Hauptstadt, sagt Willems. Er ist Geschäftsführer des 2019 gegründeten Start-ups mit bisher zwei Filialen in den Berliner Stadtteilen Charlottenburg und Mitte. Wieso kommt man auf die Idee, sich ausgerechnet an der Kö niederzulassen – umgeben von zig anderen Anbietern? „Genau deshalb“, sagt Jens Schleif, Studio-Manager in Düsseldorf. „Wettbewerb belebt. Dabei konzentrieren wir uns auf minimalinvasive Schönheits- und medizinische Kosmetik-Behandlungen. Das ist unsere Nische.“

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Foto: Uwe-Jens Ruhnau

Gemeint sind scheinbar harmlose kleine Eingriffe, ohne Skalpell und Narkose. „Unterspritzungen mit Botox, Hyaluronsäure oder anderen Substanzen sind bei uns der am meisten wachsende Markt, mit einem Plus von bis zu 30 Prozent“, sagt Linus Willems. Seit dem Start in Düsseldorf im vergangenen Oktober hätten sich hier vor Ort die Zahl der Behandlungen verzehnfacht.

Noch nie waren Botox und andere Anti-Faltenmittel so akzeptiert und verbreitet wie heute – auch bei jungen Menschen. Volle Lippen, faltenfreie Stirn, glatte Wangen: Sich Nervengifte und Füllstoffe unter die Haut spritzen zu lassen, um jünger auszusehen, ist kein Tabu mehr. Allein in Deutschland hat sich die Anzahl der Eingriffe in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. So melden es die Verbände für Schönheitschirurgie.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie finden vier von fünf Schönheitsoperationen ohne Skalpell, also minimalinvasiv statt. Und es sind immer mehr und immer jüngere Männer (mehrheitlich im Alter zwischen 27 und 45), die sich im Hy Studio von der leitenden Ärztin Linda Cox und ihrem Team „optimieren“ lassen. Das Unterspritzen von Zornesfalten mit Botox und das Aufpolstern von Augenringen mithilfe von Hyaluronsäure seien die am meisten nachgefragten Behandlungen bei den männlichen Kunden.

„Die Männer werden mutiger. Sie haben weniger Hemmungen, etwas an sich machen zu lassen. Und sie reden drüber“, sagt Jens Schleif. Das liege auch am demografischen Wandel: Menschen werden immer älter, gleichzeitig möchten sie länger „dazugehören“. Es helfe ihrem Selbstwertgefühl, jünger auszusehen und sich dann auch so zu fühlen.

Im Vergleich zu Berlin sei in Düsseldorf das Geschäft mit den Männern lukrativer: An der Spree sind nach Angaben der Betreiber 20 Prozent der Kunden männlich, am Rhein zwischen 35 und 40 Prozent. Mit steigender Tendenz, bei der jüngeren und der älteren Generation.

In das Hy Studio an die Kö kommen häufiger Frauen vorbei, die ihre Partner im Schlepptau haben – oder Mütter mit ihren Söhnen. „Gerade samstags ist es auffallend, wie viele Besucher auch aus dem Umland erst shoppen gehen und dann mit ihren Einkaufstüten zu uns kommen“, erzählt der Studio-Leiter.

Vor allem die Mund-zu-Mund-Propaganda und der Auftritt auf Sozialen Medien mit den Erklärvideos von Doktor Linda Cox bringe neue Kundschaft in die Beauty-Etage an der Kö. Wer zum Beispiel einmal Hyaluronsäure gegen Marionettenfalten am Mund ausprobiert habe – landläufig auch „Merkelfalten“ genannt – der komme meist wieder. „Unsere Rückkehrer-Quote liegt bei 60 Prozent“, sagt Linus Willems. Unumwunden gesteht der Geschäftsführer, dass er selbst Hy-Kunde ist und das ein oder andere mit sich machen lässt.

In drei Jahren planen Linus Willems und sein Team, an fünf Standorten in Deutschland präsent zu sein – neben Düsseldorf und Berlin auch in Stuttgart und Hamburg. Erklärtes Ziel sei es, bis dahin profitabel zu sein. Über konkrete Zahlen allerdings schweigt sich der Start-up-Unternehmer derzeit noch lieber aus. Die Preise für die Behandlungen dagegen stehen ganz transparent auf der Internetseite: Unterspritzung der Zornesfalte mit Botox ab 240 Euro, Hyaluron gegen Augenringe ab 400 Euro.

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