Rotlichtszene Rethelstraße in Düsseldorf: Bordell-Prozess beginnt

Rotlichtszene Rethelstraße in Düsseldorf : Bordell-Prozess beginnt

Der Prozess um den Düsseldorfer Rotlichtskandal beginnt am Montag vor dem Landgericht. In Bordellen der Landeshauptstadt sind laut Anklage reihenweise die Kreditkarten von Freiern geplündert worden.

Zuvor sollen die Männer heimlich mit K.o.-Tropfen oder anderen Mittel betäubt worden sein. Die über 600 Seiten starke Anklageschrift wirft sieben Beschuldigten in wechselnder Beteiligung Betrug, schwere Körperverletzung, Vergiftung, räuberische Erpressung und Raub vor. Mehr als eine halbe Million Euro soll den Opfern demnach abgeknöpft worden sein.

Das Landgericht hat bis Ende April 2014 insgesamt 93 Verhandlungstage angesetzt. Rund ein Jahr nach einer Großrazzia in drei Bordellen an der Rethelstraße sowie einem Erotik-Hotel in Bahnhofsnähe hat die Staatsanwältin 89 Zeugen benannt, fünf Gutachter sowie 265 Sonderbände mit Urkunden, um jetzt alle 27 Vorwürfe gegen die neun Angeklagten zu beweisen. Die Anklägerin will damit dem 48-jährigen Thomas M., der als Drahtzieher der Aktionen gilt und damals Geschäftsführer mehrerer Bordellbetriebe war, als den Rädelsführer einer kriminellen Organisation überführen.

Bordellbesucher willenlos gemacht

Ab 2007 habe M. sich dazu entschlossen, zahlungskräftige Bordellbesucher durch Alkohol oder Drogenkonsum dermaßen willenlos zu machen, dass Bordell-Angestellte (die als Wirtschafter, Servicekraft oder Prostituierte tätig waren) heimlich und unberechtigt mit den Bankkarten der Gäste fast 300.000 Euro auf ein Konto der Bordellbetriebe abzweigen konnten. Dazu wurden die Gäste-Konten angeblich bis ans Konto-Limit belastet.

Gäste, die allmählich aus ihrer Benommenheit erwachten, sollen zusätzlich noch gedrängt worden sein, Schuldscheine über hohe Beträge zugunsten der Bordellbetriebe zu unterschreiben — andernfalls, so die Anklage, könnten sie das Bordell nicht mehr verlassen.

Die Stadt Düsseldorf schloss die Rotlicht-Betriebe im Juli 2012 für mehrere Monate, sie konnten erst mit neuer Geschäftsführung wieder öffnen. Zeitweise saßen neun Beschuldigte in Untersuchungshaft.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Prozess um Düsseldorfer Bordell-Abzocke gestartet

(lnw)
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