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Boot-Chef Goetz-Ulf Jungmichel: "Zwei Jahre Wartezeit bei großen Yachten"

Boot-Chef Goetz-Ulf Jungmichel : "Zwei Jahre Wartezeit bei großen Yachten"

Der Projektleiter der Wassersport-Messe, Goetz-Ulf Jungmichel, zur Lage der Branche und den Erwartungen an die Messe, die am 19. Januar beginnt.

In diesem Jahr ist die 44. Boot. Wird es auch noch eine 50. Boot geben?

Jungmichel Warum denn nicht. Natürlich. Diese Messe ist weltweit eine der wichtigsten Messen für die Boots-Industrie, aber auch für Kapitäne und außerdem für Freizeitsportler, die tauchen oder surfen wollen.

Es gibt aber noch elf andere Messen für die Zielgruppe, die sogar in Cannes, Paris und London stattfinden. Ist das keine Konkurrenz?

Jungmichel Es gibt einen Messe-Zyklus für die Branche — und er wird mit Düsseldorf beendet. Cannes und Düsseldorf sind aber die beiden wichtigsten Messen. Wir haben gemerkt, dass, wer bis zu unserer Boot noch nicht gekauft hat, es dann spätestens bei uns macht.

Ihrer Konkurrenz in London geht es nicht sonderlich gut...

Jungmichel Wir gehen davon aus, dass sich der internationale Messemarkt bereinigen wird. Ohnehin ist die Düsseldorfer Boot inzwischen die wichtigste Messe der Wassersportbranche in Europa. Wir sind die Nummer eins.

Aber die Konkurrenz-Messe in Cannes hat mehr Boote?

Jungmichel Mag sein, aber das sind teilweise gebrauchte Boote. Man darf nicht vergessen, dass die in Besitz befindlichen Boote heute im Schnitt 24 Jahre alt sind.

Ist ihre Zielgruppe für die 44. Boot der wohlhabende Yacht-Besitzer?

Jungmichel Er ist der eine Part der Besucher — auch wenn er bei sehr großen Yachten seinen Kapitän zum Aussuchen schickt. Gleichwohl kommen zu uns auch Wassersportfans aus allen Bereichen, ganz "normale" Bootssportler sowie Angler und Taucher und auch "Seh-Leute", die in den Wassersport einsteigen wollen. Wir bewerben die Messe als 360-Grad-Wassersporterlebnis. Eben für alle.

Zeigen Sie denn viele schicke und teure Yachten auf der diesjährigen Boot?

Jungmichel Auf jeden Fall. 40 bis 50 Luxus-Yachten stehen in den Hallen, vor allem die Halle 6 ist unsere Halle für die ganz schicken und ausgefallenen Schiffe. Das Problem für viele Besucher: Die Aussteller dieser Yachten selektieren, wer durch das Boot geführt wird, vor allem wegen der empfindlichen und teuren Innenausstattungen. Sie müssen ja die Interessen der Besitzer wahren.

Der Besitzer?

Jungmichel Ja, ein Teil der Boote, die bei uns gezeigt werden, sind bereits verkauft und also im Besitz eines Eigners.

Es soll auf der Messe aber auch gekauft werden?

Jungmichel Man kann sich sein eigenes Boot nach eigenen Vorstellungen bestellen, aber bei ganz großen Yachten dauert es dann bis zwei Jahre, bis geliefert wird.

Eine Wassersportmesse in einer Halle klingt ungewöhnlich. Müssten die Boote nicht im Wasser sein?

Jungmichel Genau das ist eines unserer Markenzeichen: Wir zeigen Boote indoor. Es ist schon ein bisschen irre... Aber davon leben wir. Dafür haben wir in Düsseldorf einen extrem guten Standortvorteil, der hochkarätiges Publikum lockt.

Der Transport über Land ist teurer als über Wasser, warum also eine maritime Messe in Düsseldorf, fern jeder Küste?

Jungmichel Es kann schon vorkommen, dass dieser Transport etwa vom Mittelmeer per Lastwagen bis zu uns durchaus 100 000 Euro kostet. Aber der Standort Düsseldorf ist trotzdem ideal. In einer Entfernung von eineinhalb Stunden per Auto oder öffentlichem Verkehrsmittel können theoretisch 18 Millionen Menschen zur Boot anreisen — und wenn sie wollen, auch abends wieder nach Hause fahren.

Wie steht die Branche da?

Jungmichel International ist der Bootsmarkt eingebrochen, 15 Prozent weniger Umsatz. Die stabilste Säule ist der Markt der deutschen Schiffskäufer, denen es praktisch als einzigen in Europa zurzeit wirtschaftlich gut geht.

Zuletzt waren die Besucherzahlen rückläufig. Wie viele Gäste erwarten Sie in diesem Jahr?

Jungmichel Ich hoffe darauf, dass wir wieder eine Bandbreite von 235 000 bis 245 000 Messegästen beobachten können. Aber das ist nicht nur von uns, sondern in Winterzeiten auch vom Wetter abhängig. Sollte bald der massive Schneefall kommen, der für die kommenden Wochen angekündigt ist, dann dürften wir mindestens 10 000 Messegäste weniger haben. Das sind unsere Erfahrungen aus vier Jahrzehnten Boot.

Besonders öffentlichkeitswirksam sind die Luxus-Boote. Was sind andere Trends der Boot?

Jungmichel Luxus-Yachten sind nur eines von vielen Segmenten auf der Messe. Ein stetig wachsender Trend ist der Angelsport, der in einem Teil der Halle 12 gezeigt wird. Das Problem ist, dass in Essen eine Alternativveranstaltung stattfindet, die sich nicht auf unserem Niveau befindet, uns aber Besucher ablockt.

Die Drupa wird in drei Jahren nicht mehr an 14 Tagen stattfinden, sondern verkürzt werden. Vorbild für die Boot?

Jungmichel Auf keinen Fall: Wir bleiben bei neun Tagen Laufzeit.

Die Drupa ist praktisch in der ganzen Stadt zu spüren, man denke an Drupa-City und die Einzelhändler. Wie ist der Stellenwert der Messe Boot in Düsseldorf?

Jungmichel Die Stadt lebt die Boot, das kann man durchaus sagen. Es gibt diverse Einzelhändler, die nach maritimen Ausgestaltungselementen fürs Schaufenster fragen. In der sogenannten Blue Motion Lounge in Halle 6 stellen Kö-Geschäfte aus. Besucher können sich auch per Shuttle-Service zu den Geschäften in die Stadt bringen lassen, wenn sie eine größere Auswahl wünschen.

Dieses Jahr hat das Spitzenschiff der Boot wieder die 30-Meter-Marke geknackt. Ist für die Boot 2014 noch mehr zu erwarten?

Jungmichel Wenn alles klappt, stellen wir eventuell nächstes Jahr einen neuen Rekord auf, der alles in den Schatten stellt. Wir verhandeln gerade darüber, nächstes Jahr eine 330-Tonnen-Yacht auf der Boot zu zeigen. Die Pläne sind noch sehr frisch. Das Schiff müsste auf einem Ponton den Rhein hochfahren. Unser Kran Big-Willi würde in die Knie gehen, angesichts dieses Gewichts. Zurzeit prüft der Schwerlast-Logistiker Schenker die Machbarkeit.

THORSTEN BREITKOPF UND ANKE KRONEMEYER FÜHRTEN DAS GESPRÄCH

(RP/jco)