Wassersportmesse Boot 2018 in Düsseldorf: Im Maschinenraum

Schwerpunkt Wassersportmesse : Im Maschinenraum der Boot

Die Boot ist bekannt dafür, viele Besucher anzuziehen. Aber auf der Messe wird auch gearbeitet: Surfer, Segler und Sanitäter vermitteln ihr Können und halten sich für den Notfall bereit.

Ricardo Morelos ist der Herr der Welle: Er steht hinter einem grauen Kontrollpult und pumpt 16.000 Liter Wasser pro Sekunde durch das neun Meter breite Becken. Hinter einem langgezogenen Tal türmt es sich zu einer stehenden Welle auf, die sich schäumend bricht. Morelos hat die Wellenhöhe auf 1,30 Meter eingestellt.

"Das ist eine gute Höhe für Anfänger." Die Anfänger sind Siebtklässler, die mit Softboards mehr oder weniger geschickt auf der Welle surfen. Morelos behält die Surfer im Auge. Er achtet darauf, dass die Stürzenden im wirbelnden Weißwasser nicht die Kontrolle verlieren und wohlbehalten in den flachen Bereich des Beckens gespült werden. Wenn er sieht, dass ein Surfer in Schwierigkeiten gerät, kann er einige Pumpen abstellen und so die Fließgeschwindigkeit des Wassers verringern. Das hat er auch schon einige Male getan, den roten Not-Halt-Knopf musste er aber noch nicht drücken: "So lange alles gut läuft, muss ich eigentlich gar nix machen."

Dennis Klimaschewski sorgt dafür, dass alles gut läuft. Er ist einer der Surflehrer an der Welle und hilft den Surfern vom Beckenrand aus in einen stabilen Stand zu kommen. Vorher erteilt er ihnen Sicherheitseinweisungen. Einer der Hinweise lautet, bei Stürzen möglichst flach zu fallen, um Kontakt mit dem Beckenboden zu vermeiden. "Also keine Hechtsprünge", sagt Klimaschewski. Mit der Disziplin der Surfer ist er insgesamt zufrieden, die meisten würden die Sicherheitseinweisungen ernst nehmen: "Nur Kindern muss man immer alles doppelt sagen - die sind halt aufgeregt."

Nicht aufgeregt, sondern sehr konzentriert sind die fünf Kinder, die bei der Segelschule in Optimisten durch das 25 mal 10 Meter breite Becken segeln. Schweigend sitzen sie in den kleinen Booten - in einer Hand die Pinne, in der anderen die Schot, um Ruder und Segel zu bedienen. Der Wind wird von 20 Turbinen erzeugt, die am Beckenrand stehen. "Das ist ungefähr Windstärke zwei", sagt Silke Krüger, die die Segler betreut. "Die Turbinen könnten auch Windstärke drei erzeugen, aber das wäre zu laut. Außerdem würden die Kinder dann Angst bekommen - sie wären zu schnell für das kleine Becken." Und so segeln die Kinder gemächlich einen Kurs, den Krüger als Wende-Acht bezeichnet. Sie selbst steht am Beckenrand und gestikuliert mit den Händen, um kleinere Kurskorrekturen zu erwirken und so Kollisionen zu vermeiden. Die Segler tragen Schwimmwesten, deshalb ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass die drei DLRG-Mitglieder, die etwas abseits des Beckens stehen, in das 90 Zentimeter tiefe Wasser hechten müssen, um sie zu retten. Die drei tragen Straßenkleidung, für Schwimmbekleidung ist der Wind aus den Turbinen zu kühl. Um trotzdem jederzeit bereit zu sein, ins Becken zu springen, hat eine von ihnen ihr Handy aus der Hosentasche genommen und vor sich auf den Tisch gelegt. Aber eigentlich gehen die drei davon aus, sich allenfalls um angestoßene Köpfe oder eingeklemmte Finger kümmern zu müssen. "Wir sind eher als Sanitäter und nicht so sehr als Rettungsschwimmer hier", sagt Manuel Feldmüller. Die Marinesoldaten am Tauchzentrum sind vor allem als Werbebotschafter gekommen. Kapitänleutnant Michael Furtner, Kampfschwimmer aus Eckernförde: "Wir suchen Nachwuchs; seit die Wehrpflicht weggefallen ist, haben wir großen Bedarf." Im Tauchturm hinter ihm machen drei seiner Kameraden Faxen - ein Arbeitstaucher in einem gelben Trockentauchanzug schleudert zwei Minentauchern in schwarzen Neoprenanzügen ein rotes Plastiktorpedo entgegen. Und Furtner sagt: "Außerdem finden wir es wichtig, uns auch mal im Binnenland zu zeigen."

(bjn)
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