1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Messe Boot

Interview mit Messe-Präsident: boot: „Erfolg trotz Besucher-Rückgangs“

Interview mit Messe-Präsident : boot: „Erfolg trotz Besucher-Rückgangs“

Robert Marx, Präsident der boot und des Verbands der Wassersportwirtschaft (BVWW ) über sinkende Besucherzahlen, den Wegfall der Windsurfer und darüber, dass Düsseldorf Hamburg und Berlin mit der Messe boot deutlich abgehängt hat.

Herr Marx, die boot 2013 hatte mit 226 300 rund 20 000 Besucher weniger als die Messe im Vorjahr. Was ist schief gelaufen?

Marx Nichts ist schief gelaufen. Die Zahl der Besucher ist zwar gesunken, aber das ist im Wesentlichen das Ergebnis von neun Tagen Schnee und Eis. In der langen Geschichte der boot hat es so eine Kälteperiode vielleicht vier oder fünfmal gegeben. Darauf haben wir keinen Einfluss.

Donnerstag und Freitag hat es Streiks am Düsseldorfer Flughafen gegeben. Hatte das Auswirkungen auf die Besucherzahlen?

Marx Sicherlich. Es dürften in der Woche Besucher weniger gekommen sein, als wir erhofft hatten. Und wenn am Sonntag und Montag Schnee fällt und Donnerstag und Freitag kein Flieger geht, dann kommen halt weniger Besucher. Insbesondere die Gäste, die mit dem Flugzeug anreisen wollten, sind natürlich wichtige Kunden mit konkreten Kaufabsichten.

Unter dem Strich gab es also weniger Messegäste, ist das schmerzlich für Sie?

Marx Weniger schmerzlich, als Sie vielleicht glauben mögen. Die potenziellen Messebesucher, die sich vom Wetter abhalten lassen, gehören eher zu denen, die wir Seh-Leute nennen. Also Menschen, die sich gerne Boote und Schiffe angucken. Die kaufwilligen Kunden aus der Region lassen sich nicht von Wind und Wetter abhalten. Meine Erfahrung nach acht Jahren als boot-Präsident sagt mir: Wer kaufen will, sei es heute oder in zwei Jahren, der kommt nach Düsseldorf. Die Zahlen belegen das.

Aber die Bootsbranche steckt in der Krise, weil die reichen Südeuropäer durch die Eurokrise in Not geraten sind . . .

Marx Das ist nicht falsch. Aber der deutsche Markt etwa ist vollkommen intakt. Da macht viel aus.

Vor 15 oder 20 Jahren kamen mit 400 000 Besuchern fast doppelt so viele Gäste zur Boot. Was ist passiert?

Marx Diese Differenz ist den fehlenden Windsurfern geschuldet. Das hat aber nichts mit der boot zu tun. Es ist ein Branchenproblem. Den Unternehmen, die Ausrüstung für Windsurfer anbieten, fehlten die Innovationen. Die Windsurfer von vor 20 Jahren kamen in ein Alter, wo sie Familien gründen und Häuser bauen, anstatt zu surfen. Und neue Windsurfer kamen kaum nach.

Andere Bootsmessen erlebten in den vergangenen Jahren eine Talfahrt sondergleichen. Warum, und wie geht es mit der Düsseldorfer Messe weiter?

Marx Allerdings. Die Hanseboot war schwierig. Die Berliner Messe "Boot & Fun" oder die Interboot kämpfen mit rückläufiger Akzeptanz. Düsseldorf hat sich zur weltweit wichtigsten Messe der Wassersportbranche entwickelt.

Warum läuft es in Düsseldorf besser?

Marx Die Aussteller werden von der Messegesellschaft behandelt wie Kunden und nicht wie Bittsteller. Das ist das Rezept. Daher mache ich mir um die Zukunft der boot keine Sorgen. Außerdem war die Neuausrichtung vor vier Jahren unter boot-Organisator Goetz-Ulf Jungmichel der richtige Schritt.

Trotzdem ist eine Bootsmesse im Binnenland für Außenstehende irgendwie komisch . . .

Marx Überhaupt nicht. Das macht ja den Charme aus. Düsseldorf liegt im wirtschaftlichen Herzen Europas, nah an den zahlungskräftigen Kunden. Und die Stadt lebt die boot. Ich habe den Eindruck, die Düsseldorfer sind stolz auf ihre boot, das merkt man in Restaurants und Hotels oder Geschäften. Überall gibt es boot-Plakate, -Fahnen oder Deko in den Geschäften. Wir fühlen uns in Düsseldorf willkommen.

Haben Sie die Sorge, Ihre Kundschaft könnte überaltern?

Marx Das hatte ich eine Zeit lang, das Durchschnittsalter der Messebesucher stieg jährlich um ein Jahr. Im Grunde kamen immer die selben. Doch der Trend kehrt sich um, die Kunden werden im Schnitt jünger. Und auf ältere Kunden stellt sich die Branche ein mit altersgerechten Schiffen und Produkten. Die Segelbootbranche etwa war ein Sorgenkind. Heute ist sie wieder innovativ, auch für Senioren, so mit elektronischen Hilfen zum An- und Ablegen.

Welche sind die Wachstumsbereiche ihrer Branche und der Messe?

Marx Das Tauchen entwickelt sich gut, und die seit Oktober führerscheinfreien 15-PS-Boote ebenfalls.

(ila)